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28/11/2018 11:40 CET

Made in Bangladesch: Fünf Dinge, die sich in der Bekleidungsindustrie ändern müssen

Produzenten, Käufer und Politiker sind in der Pflicht, zu handeln.

Dinuka Liyanawatte / Reuters
Die Chemikalien, die genutzt werden, um Kleidung zu produzieren, können schwere Krankheiten verursachen.

Made in China. Made in Bangladesh. Manchmal auch Made in Taiwan. Gewohnte Sätze, die uns meist begegnen, wenn wir einen Blick auf den Waschzettel unserer Kleidung werfen. Made in Germany finden wir da eher selten.

► Denn damit T-Shirts, Hosen und Pullover möglichst billig zu kaufen sind, wird die Produktion unserer Kleidung vor allem in Niedriglohnländer verlagert – meist in Asien und meist unter unfairen Bedingungen.

Denn für die meisten von uns gilt wohl: Wie genau unser Lieblingspullover produziert wurde, können wir nicht sagen. Wer saß wohl für uns an der Nähmaschine, nähte Knöpfe, Reißverschluß und Pailletten an? Wie sieht sein oder ihr Arbeitsalltag aus? Oder das Zuhause? Wir wissen es nicht.

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Größeres Bewusstsein und neue Standards

Klar ist jedoch: Noch viel zu selten entsprechen die Produktions- und Arbeitsbedingungen fairen Standards.Die Verantwortung dafür müssen wir alle tragen. Produzenten müssen ihre Lieferketten und Produktionsorte transparenter gestalten. Konsumenten müssen nachfragen und bewusster einkaufen. Und die Politik im In- und Ausland muss neue Standards schaffen.

Am 24. April 2013 stürzte in Bangladesch das Hochhaus Rana Plaza ein, in dem mehrere Textilfirmen untergebracht waren. Bei dem Einsturz starben mehr als 1.100 Menschen, rund 2.500 wurden verletzt.

Nicht nur die Sicherheitsstandards, sondern auch die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden, damit die Arbeiter in Textilfabriken ein würdiges und sicheres Leben führen können. 

Aus diesem Grund taten sich auf Initiative des Bundesentwicklungsministers Gerd Müller rund 150 Unternehmen, Verbände, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen zusammen und gründeten das “Bündnis für nachhaltige Textilien”.

2017 stellte die Bundesregierung dann erstmals einen klaren Textil-Maßnahmenplan vor: Bis zum Jahr 2020 sollen 50 Prozent der für Deutschland hergestellten Textilien nachhaltig sein.

Doch was bedeutet Nachhaltigkeit genau und wo muss nachgebessert werden?

Faire Löhne

Um möglichst günstig zu produzieren, wird die Textilindustrie vor allem in Niedriglohnländer in Asien verlagert. In China liegt der Stundenlohn ungefähr bei einem Euro. In Bangladesch verdienen Näherinnen pro Stunde zum Teil nicht mehr als 17 Cent. 

► Bei einem einfachen T-Shirt für 4,95 Euro liegen die Kosten für die Arbeit einer asiatischen Näherin bei gerade einmal etwa 2,6 Prozent. Der Großteil (rund 40 Prozent) geht für das Personal in Deutschland, die Ladenmiete und Werbung drauf.

Und selbst wenn es gesetzlich festgelegte Mindestlöhne gibt, sind diese oft zu niedrig, um davon leben zu können. Eine ungelernte Näherin in Bangladesch zum Beispiel verdient im Monat nicht mehr als 50 Euro.

► Das reicht oft nicht aus, um die Miete, das Essen, den Schulbesuch der Kinder oder eine ärztliche Versorgung zu sichern. Deshalb müssen die Mindestlöhne erhöht und von allen Fabriken und Auftraggebern eingehalten werden.

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Kürzere Arbeitszeiten

Viele Näher*innen arbeiten zu Hochzeiten bis zu 16 Stunden am Tag. Obwohl es gesetzlich verboten ist, ist es in der Branche üblich, an sieben Tagen in der Woche zu arbeiten. Krankheits- oder Urlaubsgeld? Leider oft Fehlanzeige.

► Die Verstöße gegen national oder international geltende Arbeitsrechtsbestimmungen werden zu selten verfolgt und bleiben oft ohne Konsequenzen für die Arbeitgeber. Auch da muss in jedem Fall aufgeholt werden!

Höhere Sicherheitsstandards

Nach dem Einsturz der Fabrik Rana Plaza im Jahr 2013 versprachen Politiker und Unternehmen, die Sicherheit der Fabrikgebäude in Ländern wie Bangladesch zu verbessern.

► Das Textilbündnis “Accord” wurde gegründet, in dem sich vor allem europäische Firmen zusammengeschlossen haben mit dem Ziel, bis März 2018 neue Standards umgesetzt zu haben. Dochviele Fabriken sind bis heute nicht sicher genug, sodass das Vorhaben bis 2021 verlängert wurde.

Mehr Umweltschutz

Sowohl für die Umwelt als auch für die Arbeiterinnen sind viele der in der Textilindustrie verwendeten Chemikalien Gift. Sie können schwere Haut- und Atemwegserkrankungen verursachen.

► Besonders gesundheitsgefährdend ist beispielsweise das Sandstrahlen von Jeans, die dadurch den sogenannten “used Look” erhalten. Am Ende werden die Chemikalien oft ins Grundwasser gespült und verseuchen so die Böden, Flüsse und Meere.

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Unser Auftrag? Weniger kaufen und auf Textilsiegel achten!

Die beste Option ist bekanntlich immer ein geringerer Konsum oder Second-Hand-Kleidung kaufen. Doch auch für Shopping-Liebhaber gibt es gute Alternativen – wir müssen nur unser Bewusstsein verändern.

► Denn auch wenn das Angebot an fairer und nachhaltiger Mode noch gering ist, gibt es einige Marken, die auf faire Standards achten.

Auf der Internetseite Siegelklarheit kann man sich auf einen Blick über die Bedeutung verschiedener Siegel informieren. Im Avocado-Store und bei Greenality findet man ausschließlich Marken, die fair produzieren.

Dieser Beitrag stammt von Global Citizen und wurde dort zuerst veröffentlicht. Global Citizen ist eine globale Bewegung junger, engagierter Menschen, die die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit bewältigen wollen. Mehr erfahren könnt ihr auf www.globalcitizen.org/deaktiv werden und euch für eine bessere Welt für alle stark machen.

(ujo)