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08/05/2018 15:21 CEST | Aktualisiert 09/05/2018 07:49 CEST

Mädchen schien 4 Jahre lang hirntot, aber es hat alles mitbekommen

"Ich war wie ein Geist, der in der Hülle eines Menschen lebte."

  • Victoria Arlen war als Kind vier Jahre lang in ihrem eigenen Körper gefangen.
  • Während Ärzte sie als “Gemüse” abschrieben, bekam sie alles um sich herum mit.
  • Im Video oben seht ihr die außergewöhnliche Geschichte. 

Victoria Arlen hat mit gerade einmal 23 Jahren bereits eine erstaunliche Karriere hingelegt: Sie ist eine erfolgreiche Moderatorin für eine amerikanische Nachrichtensendung, Schauspielerin, Model, tanzte sich bei der amerikanischen Version der Tanzsendung “Let’s Dance” bis ins Halbfinale und brach einen Weltrekord als Schwimmerin bei den paralympischen Spielen in London. 

Nichts deutet auf die schwere Vergangenheit hin, die Arlen hinter sich hat.

Alles begann, als sie elf Jahre alt war, erzählte sie in der amerikanischen Talkshow “Today”. Sie hatte kurz hintereinander eine Vielzahl an Krankheiten, litt ständig unter Grippe, hatte Schwächeanfälle und bekam Asthma. Plötzlich konnte sie ihre Beine nicht mehr bewegen.

Ihre Mutter berichtet, wie es ihrer Tochter von Tag zu Tag schlechter ging:

“Es war, als hätte man einen Schalter umgelegt. Erst wurden ihre Beine immer schwerer. Dann konnte sie nicht mehr gehen. Dann konnte sie nicht mehr schlucken. Dann habe ich bemerkt, wie sie immer abwesender wurde. Es gibt nichts schlimmeres, als deinem Kind dabei zusehen zu müssen, wie es vor deinen eigenen Augen zerfällt.” 

Von einem Tag auf den anderen verlor das Mädchen dann vollständig die Kontrolle über seinen Körper. Arlen konnte sich nicht mehr bewegen, reden oder gar ihre Augen selbstständig bewegen. Vier Jahre lang ging es ihr so.

Screenshot / "TODAY"
Über vier Jahre hinweg glaubten die Ärzte nicht daran, dass Arlen überleben würde

Ärzte waren sich sicher, dass sie nicht überleben würde

Dem Nachrichtensender CNN erzählt die heute 23-Jährige:

“Ich war wie ein Geist, der in der Hülle eines Menschen lebte. Die Lichter wurden im August 2006 für mich ausgeknipst, so weit ich mich erinnere. Und dann war es plötzlich Januar 2009, als ich plötzlich wieder bei Bewusstsein bin.”

Aber das merken weder die Ärzte noch Arlens Eltern. Sie dachten, dass das Mädchen “geistig für immer komplett abwesend” bleibe, die Amerikanerin wurde als hirntot angesehen. Arlen hörte die Gespräche zwischen ihren Eltern und den Ärzten, die die Hoffnung verloren hatten:

“Die Ärzte waren sich sicher, dass es das war. Ich würde es nicht überleben. Und selbst wenn, dann würde ich für immer ein Stück Gemüse sein.” 

Arlen war es allerdings unmöglich, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Sie hörte alles, konnte klar denken, war jedoch gefangen in ihrem eigenen Körper. Später berichtet sie, dass sie sich sicher war, etwas zu sagen, aber sich gewundert hat, dass ihr niemand antwortete. 

 

 

Ein Schlafmittel änderte alles

Die Wende kam, als das Mädchen ein Schlafmittel verschrieben bekam. Sie litt unter epileptischen Anfällen, die 20 Stunden am Tag anhielten und sie so vom Schlafen abhielten. Zwar war das Mädchen gelähmt und wirkte abwesend, ihre Augen waren aber starr geöffnet und sie hatte aufgrund der Epilepsie keine Ruhephasen mehr.

Das Mittel brachte Arlen allerdings nicht zum Schlafen, sondern beruhigte ihre Nerven so sehr, dass sie die Kontrolle über ihre Augen wieder erhielt.

So konnte sie ihrer Mutter durch Augenkontakt und Blinzeln vermitteln, dass sie bei vollem Bewusstsein war und alles mitbekam, das um sie herum passierte. Ab diesem Punkt bekam sie weiter Medikamente gegen ihre Anfälle.

Nun endlich konnten die Ärzte eine Diagnose stellen: Arlen litt unter zwei autoimmun Schwächen, die zu Entzündungen in ihrem Gehirn und ihrem Rückenmark geführt hatten.

Durch Sprachtherapien war Arlen wieder fähig zu reden. Mehrere Physiotherapien halfen ihr dabei, die Kontrolle über ihren Körper wieder zu gewinnen. “Alles kam wieder zurück – außer meiner Beine. Mir wurde gesagt, ich würde mein ganzes Leben lang im Rollstuhl sitzen.”

Aber die junge Frau gab nicht auf. 2010 ging sie schon wieder in die Schule, wo sie für ihren Rollstuhl gemobbt wurde. Das motivierte sie nur, härter zu arbeiten und ihren Abschluss in der vorgegebenen Zeit zu schaffen. 

Zur selben Zeit lernte sie mit der Hilfe eines Coaches, wieder zu schwimmen. Zwei Jahre später nahm sie an den paralympischen Spielen in London teil und gewann drei Silbermedaillen und eine Goldmedaille. 

“Ich möchte ein Hoffnungsträger sein”

2013 begann sie eine Therapie in einem Lähmungsgenesungscenter. Nach drei Jahren konnte die junge Frau wieder laufen.

Heute hat die Moderatorin ihre eigene Stiftung die “Victoria’s Victory Foundation” gegründet, mit der sie anderen Menschen helfen möchte, Hindernisse in ihrem Leben durch Zuschüsse und Stipendien leichter zu überwinden.

“Ich hätte mir nie vorstellen können, dass das alles jemals passiert,” sagt sie im Interview mit “CNN”. “Für mich ist es wichtig weiterhin ein Hoffnungsträger für andere darzustellen. Ich möchte den Leuten zeigen, dass nichts unmöglich ist.”