POLITIK
25/04/2018 06:14 CEST | Aktualisiert 25/04/2018 18:51 CEST

Macrons Reise zu Trump: Schon jetzt droht ein Fiasko

HuffPost-These.

Im Video oben: Seltsamer Moment im Weißen Haus – Trump wischt Macron beim Empfang Schuppen vom Sakko

Es hatte viele warme Wort gegeben zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron. Viel Pathos. Viel Pomp.

Die europäischen Medien dichteten Macron, dem ersten offiziellen Staatsgast des neuen US-Präsidenten, schon im Vorfeld seiner Washington-Reise einvernehmlich an, ein wahrer Trump-Flüsterer zu sein.

►  Spätestens seit Dienstagabend ist klar: Diese Einschätzung kam wohl verfrüht. Auch Macron findet kaum einen Zugang zum impulsiven Republikaner.

►  Nicht nur beim Handschlag nach der gemeinsamen Pressekonferenz wirkten die Präsidenten wie zwei Fremdkörper, die aufeinander gestoßen wurden.

“Mission gescheitert”

Für Macron wurde vor allem eine wichtige politische Angelegenheit zum Fiasko: das Iran-Abkommen. Der En-Marche-Begründer war in die USA auch mit der Absicht gereist, Trump vom immer wieder angekündigten Abbruch des Vertrages abzubringen.

►  Wie das “Handelsblatt” am Mittwoch resümierte, scheint die Mission schon jetzt gescheitert. Trump faselte auch in Anwesenheit des Franzosen immer wieder von einem “lächerlichen” Abkommen.

Macron musste umdisponieren – und schlug schlussendlich ein “neues Gesamtkonzept” vor, das nötig sei, um das Thema Iran zu behandeln.

“Wir wollen nachhaltige Stabilität und ich glaube, die Diskussionen, die wir miteinander geführt haben, haben es ermöglicht, den Weg zu einer neuen Vereinbarung zu öffnen und zu ebnen”, sagte Macron.

Macron will “neuen Deal”

Der vor allem in den USA umstrittene Atomdeal mit der islamischen Republik sei nur eine von vier Säulen einer umfassenden Iran-Politik, versuchte der Franzose den Fokus zu erweitern. 

►  Es müsse in einem “neuen Deal” auch der Einfluss des Irans im Nahen Osten, die Begrenzung des iranischen Raketenprogrammes und der langfristige Verzicht auf Atomwaffen geregelt werden, sagte Macron. 

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Damit kommt er der Forderung von US-Präsident Trump entgegen, der dem Iran zwar attestiert, den Atomdeal technisch einzuhalten, aber unter anderem mit seinem Raketenprogramm und der Förderung von Terror in der Region gegen dessen Geist zu verstoßen.

“Wir brauchen einen fairen Deal”, sagte Macron in einem Duktus, der an Trump erinnert. Bis zum 12. Mai muss Trump über einen Verbleib im “alten Deal” entscheiden. Dass er den nicht fair findet, ist hinlänglich bekannt.

Trump droht, Merkel muss bangen

Trump nutzte seinen Auftritt für neue Drohungen: “Wenn der Iran uns bedroht, dann wird er einen Preis zahlen, den wenige Länder bezahlt haben”, sagte er.

Teheran hatte angedeutet, sein Atomprogramm wieder zu starten, falls die USA den Atomdeal platzen lassen sollten. “Sie starten gar nichts neu. Wenn sie neu starten, dann werden sie Probleme haben, größer als sie sie je zuvor hatten”, hatte Trump bereits vor Beginn der Gespräche mit der französischen Delegation gesagt.

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Für andere wichtige Fragen, die Macron – am Freitag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel – mit Trump verhandeln wollen, sendet das Einlenken bei der Streitfrage um den Iran ein fatales Signal.

►  Macron zeigt, dass Europa bereit ist, große Kompromisse zu machen. Der Erhalt der internationalen Ordnung droht zur Verhandlungsmasse zu werden.

►  Es bleibt zu hoffen, dass Merkel besonders im Streit um die Handelspolitik mehr Glück mit Trump hat. Und Macron einen Plan B.

Mit Material der dpa.