POLITIK
30/07/2018 12:46 CEST | Aktualisiert 30/07/2018 13:46 CEST

Macron-Skandal um Bodyguard spitzt sich zu: Eine Chronik

Auf den Punkt.

CHRISTOPHE ARCHAMBAULT via Getty Images
Macrons Bodyguard-Skandal: Wie der Präsident in Bedrängnis geriet

Seit Tagen kennt die französische Presse nur ein Thema: Alexandre Benalla. 

Der 26-Jährige war ein Sicherheitsmitarbeiter des französischen Präsident Emmanuel Macron – und ist nun dessen größtes Problem. 

► Bei einer Demonstration am 1. Mai verprügelte Benalla in Polizei-Montur Teilnehmer der Proteste. 

Jetzt ermittelt die Justiz, in beiden Parlamentskammern tagen Ermittlungsausschüsse. 

Denn die französische Öffentlichkeit und die politische Opposition werfen dem Élysée-Palast vor, zu spät auf die Vorwürfe reagiert zu haben – und den Skandal womöglich vertuscht haben zu wollen. 

Eine Chronologie der Ereignisse macht deutlich, warum die Benalla-Affäre Frankreich so beschäftigt. Der Skandal – auf den Punkt gebracht. 

1. Mai: Benalla schlägt zu 

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Benalla am 1. Mai. 

► Am 1. Mai gehen rund 20.000 Menschen in Paris auf die Straße. Bei den Protesten kommt es zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizisten. Alexandre Benalla nimmt als Beobachter Teil – eigentlich. 

► Ein Video zeigt ihn umgeben von Polizisten mit einem Polizeihelm und einer Polizeiarmbinde. Zu sehen ist auch, wie er auf Demonstranten einschlägt. 

2. Mai: Innenminister Collomb wird informiert

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Innenminister Collomb. 

► Das Video der Ausschreitungen sorgt in den sozialen Medien für Wirbel. 

► Am 2. Mai wird das Kabinett des Innenministers Gérard Collomb laut der Tageszeitung “L’Opinion” und dem Sender “France Inter” darüber informiert, ein Mitarbeiter Macrons sei in den Aufnahmen zu sehen. 

► Das Innenministerium verständigt demnach auch Macrons Stabschef Patrick Strzoda

3. Mai: Macron weiß Bescheid, Sanktion wird verhängt

► An diesem Tag erfährt nun auch Macron von der Situation. Die Öffentlichkeit wird erst Mitte Juli durch einen Bericht der Tageszeitung “Le Monde” über Benallas Prügel-Aktion informiert werden. 

► Die Zeitung wird später berichten, dass der Präsident seinem Kabinettschef empfiehlt, Sanktionen gegen Benalla zu verhängen. Was am selben Tag laut “Le Monde” noch geschehen sei. 

► In einem Brief, aus dem die Zeitung zitiert, wird Benalla wegen “offensichtlich unangemessenen Verhaltens” für 15 Tage suspendiert.  

4. Mai: Benalla wird suspendiert

► Die Suspendierung des 26-Jährigen tritt in Kraft. Während dieser Zeit sind auch seine Gehaltszahlungen ausgesetzt.  

19. Mai: ... kehrt zurück und erhält einen neuen Posten

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Der Élysée-Palast. 

► Bei seiner Rückkehr in den Élysée-Palast wird Benalla degradiert. Er ist nun nicht mehr im Sicherheitsdienst für Macron tätig. 

► Unklar aber ist, welchen neuen Posten er nun bekleidet. Einige Quellen berichten, er sei nun für die Logistik bei internen Veranstaltungen des Élysée-Palastes zuständig. Andere sprechen von Verwaltungsaufgaben.  

14. Juli: Und an der Seite der Macrons

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Benalla hinter Emmanuel und Brigitte Macron. 

► Trotz seiner Degradierung ist Benalla an der Seite von Emmanuel und Brigitte Macron zu sehen. Etwa am 14. Juli, dem Nationalfeiertag Frankreichs. 

16. Juli: Im Mannschaftsbus der Weltmeister

► Auch beim Empfang der französischen Fußball-Nationalmannschaft nach dem Erfolg bei der WM in Russland ist Benalla mit dabei. Er fährt im Mannschaftsbus mit, wie Fotos zeigen. 

18. Juli: Die Affäre beginnt

► Mit der Veröffentlichung eines “Le Monde”-Artikels beginnt die “Affäre Benalla”. Die Zeitung hat den Sicherheitsmitarbeiter des Präsidenten auf dem Video vom 1. Mai identifiziert. 

► In dem Artikel wird auch über die zweiwöchige Suspendierung des Sicherheitsmitarbeiters berichtet. 

19. Juli: Macron-Sprecher äußert sich

► Ein Sprecher des Präsidenten bestätigt bei einem Termin die Informationen des Artikels in “Le Monde”.  

► Doch noch gibt es viele offene Fragen in der Affäre: Warum ist Benalla noch immer im Élysée-Palast angestellt? Warum wurde er nur zwei Wochen suspendiert?

► Die Justiz eröffnet eine Untersuchung, die beiden Parlamentskammern jeweils einen Ermittlungsausschuss. Die Benalla-Affäre wird langsam zur Staatskrise. 

20. Juli: Collomb gerät ins Visier

► Die Tageszeitung “L’Opinion” und der Sender “France Inter” enthüllen, dass Innenminister Collomb über Benalla am 2. Mai unterrichtet worden ist. 

► Die Parlamentsabgeordneten verlangen, dass Collomb in der Nationalversammlung ihren Fragen Rede und Antwort steht – andernfalls werde die Debatte über eine Verfassungsreform der Macron-Regierung nicht wieder aufgenommen. 

► Der Stab von Macron gibt unterdessen bekannt, dass die Kündigung von Benalla eingeleitet ist. Der 26-Jährige befindet sich außerdem in Polizeigewahrsam. 

21. Juli: Hitzige Debatte im Parlament

► Am Samstag bestimmt die Benalla-Affäre die Plenarsitzung in der französischen Nationalversammlung.

Für Aufregung sorgt die Enthüllung, dass der Sicherheitsmitarbeiter auch einen Zugangsausweis für das Parlament besessen haben soll.  

22. Juli: Debatte über Reform wird unterbrochen

► Die Debatte im Parlament über die Verfassungsreform wird schließlich vollends unterbrochen. 

► Macron lässt durch einen Vertrauten durchsickern, das Verhalten von Benalla sei “inakzeptabel” gewesen. 

23. Juli: Anhörung von Collomb

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Collomb vor dem Untersuchungsausschuss. 

► Der Innenminister sagt vor dem Untersuchungsausschuss aus, er habe die Polizei und den Präsidentenpalast am 2. Mai von dem Vorfall auf der Demonstration unterrichtet. “Es lag an ihnen, zu antworten”, betonte er

24. Juli: Macron bricht sein Schweigen

► Erstmals äußert sich Präsident Macron über die Benalla-Affäre. Vor den Parlamentariern von La République En Marche übernimmt er die Verantwortung.

► Er attackiert aber auch die Presse scharf für die Berichterstattung der vergangenen Tage: “Wir haben eine Presse, die nicht mehr die Wahrheit sucht.”

25. Juli: Durchsuchung im Élysée-Palast

► Laut Medienberichten durchsucht die Polizei das Büro von Benalla im Präsidentenpalast. 

► Regierungssprecher Benjamin Griveaux kritisiert die Medien und äußert sich zu einigen der Fakten, die im Zuge der Berichterstattung über Benalla genannt wurden.

► “Ein Gehalt von 10.000 Euro? Falsch. Eine Wohnung mit 300 Quadratmetern? Falsch”, betont er.  

26. Juli: Benalla gibt ein Interview

► In einem Interview mit “Le Monde” gibt Benalla, mittlerweile Ex-Mitarbeiter, zu, gegen Demonstranten vorgegangen zu sein und dabei einen Polizeihelm und eine Armbinde getragen zu haben, obwohl er nur als Beobachter da war. 

► Er habe damit einen “politischen Fehler” begangen, aber keine Straftat, betont er und spricht von einer Kampagne gegen seine Person. 

► Die konservative Oppositionspartei Les Républicains bringt – wie angekündigt – einen Misstrauensantrag gegen die Regierung ein. Angesichts der großen Mehrheit von Macrons Partei La République En Marche im Parlament dürfte dieser Schritt der Regierung aber kaum gefährlich werden.

Wie es weitergeht: 

► Die Geschichte der Fünften Republik ist reich an Skandalen französischer Präsidenten. Zum Rücktritt führten sie bisher noch kein einziges Mal. 

► Der Pariser Rechtsprofessor Dominique Rousseau glaubt, dass die Schweigsamkeit des Präsidenten wenig hilfreich war.

“Falls Emmanuel Macron vom Anfang der Affäre an das gesagt hätte, was er vor den Parlamentariern von La République En Marche erklärt hat, dann hätte es diese mediale Aufregung nicht gegeben”, sagt er der Deutschen Presse-Agentur.

► Der Beliebtheit von Macron schadet die Affäre. Laut einer Umfrage des Ifop-Instituts bewerten nur noch 39 Prozent der Franzosen seine Präsidentschaft positiv. Der niedrigste Wert bei dieser Umfrage seit Beginn von Macrons Präsidentschaft. 

Auf den Punkt: 

Die Chronologie der Ereignisse in der Benalla-Affäre zeigt, wie schlecht das Krisenmanagement der französischen Regierung ausfiel. Viel zu spät übernahm der Präsident Verantwortung. Die Vorwürfe, die Regierung wolle den Skandal vertuschen, nahmen überhand. 

Der Artikel basiert auf einer Chronologie der HuffPost Frankreich.