POLITIK
22/04/2018 22:56 CEST | Aktualisiert 26/04/2018 11:51 CEST

Washington-Besuch: Wie Macron Trump von einem Handelskrieg abbringen will

Auf den Punkt gebracht.

Yves Herman / Reuters
Am Montag trifft Donald seinen Kumpel aus Paris.

Emmanuel Macron und Donald Trump könnten auf den ersten Blick als Präsidenten nicht verschiedener sein.

Der junge Hoffnungsträger aus Frankreich tritt offensiv für eine Staatengemeinschaft wie die Europäische Union ein, der unberechenbare Milliardär in Washington ist dabei, international Brücken abzureißen.

Und dennoch: Die Beziehung der beiden Präsidenten ist harmonisch. “Sie sprechen wie zwei alte Freunde miteinander”, zitiert die linksliberale Tageszeitung “Libération” einen Vertrauten Macrons.

Für die Europäische Union und auch für Deutschland ist das ein Vorteil. Denn wenn Macron am Montag für einen dreitägigen Staatsbesuch nach Washington reisen wird, ruhen die Hoffnungen Brüssels auf dem 40-Jährigen, den immer noch drohenden Handelskrieg zwischen der EU und den USA abzuwenden.

Wie Macron seinem “Freund” Trump den Handelskrieg austreiben will – auf den Punkt gebracht.

Warum die USA immer noch mit Strafzöllen drohen:

► US-Präsident Trump hat Stahl- und Aluminiumimporte aus China mit 25-prozentigen Strafzölle belegt. Eigentlich sollten Zölle auch die EU treffen, die US-Regierung setzte die Maßnahme allerdings bis zum 1. Mai aus. 

► Die Europäer hatten durch enorme Lobby-Anstrengungen die Strafzölle abwenden können, nun will Brüssel erreichen, dass für die 28 EU-Staaten eine dauerhafte Ausnahmeregelung gilt. 

Was auf dem Spiel steht: Sollte Trump Strafzölle verhängen, würde die EU wohl ihrerseits mit Zöllen auf US-Produkte reagieren. Trump hat schon angekündigt, in diesem Fall den Import von Autos höher zu besteuern – eine Maßnahme, die gerade den Automobil-Standort Deutschland treffen würde.

Wie Macron Trump überzeugen will:

► Am Sonntag gab Macron dem US-Sender Fox News ein Interview – und ließ durchblicken, mit welchem Argument er Trump von Strafzöllen gegen EU-Staaten abhalten will. 

► “Ich hoffe, er wird diese neuen Zölle nicht implementieren, und dass er sich für eine Ausnahme für die Europäische Union entscheidet. Man führt keinen Handelskrieg gegen seinen Verbündeten”, betonte Macron.

► Auf eine skeptische Gegenfrage des Moderators sagte Macron: “Ich sage nur: ‘Was sind deine Prioritäten?’”.

Sein Argument: “Es ist zu kompliziert, gegen jeden Krieg zu führen. Du führst einen Handelskrieg gegen China, du führst einen Handelskrieg gegen Europa, du führst Krieg in Syrien, Krieg gegen den Iran. Komm schon. Das funktioniert nicht. Du brauchst Verbündete. Wir sind Verbündete.

Wie Macrons Erfolgschancen stehen:

Die Nachrichtenagentur Bloomberg nennt Macron wohl die “größte Hoffnung Europas” den drohenden Handelskrieg abzuwenden. 

► Zum einen kann der französische Präsident auf seine gute Beziehung zu Trump setzen. “Macron hat die Kunst des Deals gemeistert, wenn es um Trump geht – den Inhalt vergessen, sich auf die Gefühle konzentrieren, und ihn mit Schmeicheleien und einem Hauch französischen Flairs umgarnen”, sagte Brett Bruen, Beamter im Außenministerium unter den Präsidenten George Bush und Barack Obama, zu Bloomberg.

► Hinzu kommt, dass sich Frankreich unter Macron an dem Angriff der USA auf Syrien vergangene Woche beteiligt hat – auch das dürfte Macron Pluspunkte bei Trump beschert haben. 

► Aus diesen beiden Gründen hat der französische Präsident wohl bessere Karten in den Verhandlungen mit Trump als die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Philippe Wojazer / Reuters
Symbolbild einer schwierigen Beziehung: Angela Merkel und Donald Trump

► Die Bundeskanzlerin wird am Freitag nach Washington reisen. Laut Medienberichten hatte Berlin in den vergangenen Wochen allerdings schon Schwierigkeiten, sich im Weißen Haus überhaupt Gehör zu verschaffen.

Mehr zum Thema: Merkel und Trump streiten um die Gunst von Emmanuel Macron – doch der französische Präsident hat eigene Pläne

Um was es noch bei Macrons Besuch in Washington gehen wird:

► Maron hat Trump vor seinem Besuch auch dazu aufgerufen, das Atom-Abkommen mit dem Iran nicht aufzukündigen. 

► Dieser Deal sei sicher nicht perfekt, es gebe aber keinen besseren, sagte Macron im Interview mit dem Sender Fox News.

► Trump ist das Abkommen mit dem Iran verhasst. Am 12. Mai läuft eine Frist ab, bis zu der er erneut über dessen Fortbestehen entscheiden muss.

► Auch in dieser Frage wird Macron einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen. 

Auf den Punkt gebracht:

Wenn Macron nach Washington reist, wird er auch als Vertreter der Europäischen Union mit Trump verhandeln. Dabei hat der Franzose bessere Karten als seine Kollegin in Berlin.

Die Voraussetzungen für einen diplomatischen Erfolg stehen nicht schlecht. 

Mit Material der dpa.