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29/01/2019 11:52 CET | Aktualisiert 29/01/2019 11:54 CET

Machtlos gegenüber Banken? Experten erklären, wie wir das verhindern können

Sind wir der nächsten Bankenkrise schutzlos ausgeliefert? Fließt unser Geld auf dem Konto automatisch in krude Geschäfte? Nein.

jotily via Getty Images

Sollten wir unser Geld lieber in Blumenvasen aufbewahren, statt es auf die Bank zu bringen? Die meisten Deutschen würden bei dieser Frage zwar den Kopf schütteln. Dass ihr Geld auf der Bank gut aufgehoben ist, glauben sie aber auch nicht. Rund 65 Prozent der Deutschen sagen, dass sie Banken prinzipiell nicht mehr vertrauen.

Wundern müssen sich die Banken darüber nicht. Wieder und wieder wurden in den vergangenen Jahren Skandale öffentlich. Ein Beispiel sind die Veröffentlichungen zum Cum-Ex-Aktienskandal: Banker, Finanzberater und Anwälte haben jahrelang systematisch den deutschen Staat betrogen.

Im Herbst hat sich herausgestellt, dass nicht nur alle großen deutschen Banken in die Geschäfte verstrickt waren. Sondern auch, dass mehr als 55 Milliarden Euro aus den Staatskassen geplündert wurde. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, als der der Staat im Zuge der Finanzkrise 2007 und 2008 die Banken mit rund 68 Milliarden Euro Steuergeldern unterstützte.  

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Zahlen, die einen dazu bringen können, sich zu fragen, ob man diese Institutionen mit dem eigenen Ersparten noch unterstützen möchte. Aber gibt es ernsthaft Alternativen? Sind wir machtlos gegenüber Banken und korrupten Bankern?

► Wir von The Buzzard haben in den Weiten der Medienwelt nach Antworten gesucht. Drei Tipps von Experten fassen wir hier für euch zusammen:

1. Lege dein Geld bei einer Ethikbank an – dann weißt du, was damit gemacht wird

Banken bekommen ihre Macht erst durch das Geld ihrer Kundinnen und Kunden. Wer denkt, dass man als Einzelner keinen Einfluss auf das Finanzwesen nimmt, irrt.

Konventionelle Geschäftsbanken legen meist nicht offen, wo genau sie das Geld ihrer Kunden anlegen. Wer also sichergehen möchte, dass sein Erspartes in die Rüstungsindustrie, in Kinderarbeit oder Tierversuche fließt, der müsste das Konto bei einer konventionellen Bank kündigen.

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Eine Alternative bieten Ethikbanken. Sie legen Richtlinien fest, was mit dem Geld passieren darf. Ethikbanken investieren beispielsweise nur in Unternehmen mit entwicklungspolitischen Zielen oder in solche, die sich für den Erhalt von Arbeitsplätzen einsetzen.

In Deutschland gibt es drei Ethikbanken: Die Triodos-Bank, die GLS-Bank und die Ethikbank. Alle drei bieten Online-Banking genauso an wie Kreditkarten.

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 2. Streu dein Erspartes und mach dich unabhängig von einer Bank  

Viele Finanzexperten sind überzeugt: Die nächste globale Bankenkrise wird kommen. “Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt – die Frage ist nur wann und wo“, schreibt etwa der “Business Insider”.

Die Wochenzeitung “Welt” meint: “Das Problem dieser Gier in all ihren Formen führt dazu, dass wir alle permanent auf einem Pulverfass sitzen.“

Wenn wir uns aber darauf einstellen müssen, dass die nächste große globale Finanzkrise auf uns zurollt – wie können wir uns davor schützen? Sind wir der nächsten Bankenkrise schutzlos ausgeliefert?

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Nein, meinen Finanzexperten. Nicht, wenn wir uns richtig vorbereiten. Die Finanzberater Michael Göldner und Thomas Gertler erläutern, was sie für den wichtigsten Tipp zur Vorbereitung für die nächste Krise halten: Das Ersparte streuen. Und zwar nicht in klassische Anlagen bei Banken und Versicherungen.

Denn das lohne sich nicht nur kaum – es biete in der Krise auch wenig Schutz. Nach der Meinung der Experten sollen Anleger lieber in Unternehmensanteile, Rohstoffe und Immobilien investieren, wenn sie können. Und das Geld streuen.

Es klingt ein bisschen paranoid, aber Göldner und Gertler empfehlen zusätzlich, immer 1000 Euro Bargeld pro Person zu Hause zu haben sowie Lebensmittelvorräte für vier Wochen. So könne man das Chaos, das in Krisenzeiten an Bankautomaten und im Lebensmittelgeschäft aufkommt, meiden.

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3. Unterstütze kleine Banken und verändere das System von innen

Ein anderer Ansatz findet sich beim JournalistenRoland Albrecht. Er meint: Wir sind Banken gegenüber nur so lange machtlos, wie wir das System als gegeben hinnehmen.

Albrecht suggeriert: Wir können das Bankensystem verändern. Dafür müssen große und stark vernetzte Banken aber zerschlagen werden. Denn zu große Banken sind eine Gefahr für jeden Staat. Im Ernstfall muss der Staat einspringen und sie retten, damit das Finanzsystem nicht kollabiert. 

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Besser für das Schicksal ganzer Länder seien daher jene Banken die nicht “too big to fail“ sind. Sie können die meisten Funktionen von größeren Banken erfüllen, aber es geht weniger Gefahr von ihnen aus.

Als Sparer haben wir demnach durchaus die Macht etwas verändern: Wir können unser Geld bei einer kleineren Bank anlegen und Großbanken wie der Deutschen Bank oder Commerzbank etwas von ihrer Macht nehmen.

Aber natürlich reicht das Handeln Einzelner nicht, wenn die Politik nicht mitzieht.

Warum aber macht die Politik so wenig gegen Großbanken?Auf TheBuzzard.org zeigen wir aktuell die Einschätzungen von Finanzexperten, von Kapitalismuskritikern, Professoren und Aktivisten – auf einen Blick.

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