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26/12/2017 12:12 CET | Aktualisiert 26/12/2017 12:14 CET

Birgit aus Lüneburg war 28 Jahre vermisst - jetzt gibt es Gewissheit

Endlich hat die Familie Gewissheit.

  • Birgit M. aus Lüneburg ist vor 28 Jahren verschwunden
  • Die Polizei stellte die Ermittlungen ein, aber ihr Bruder gab die Hoffnung nie auf

Es ist der 14. August 1989, Birgit M. aus Lüneburg verlässt ihr Haus – und verschwand. Es war das letzte Mal, dass irgendwer die 41-Jährige sah. Seitdem galt sie als vermisst. 

Die Polizei stellte den Fall ein. Nur einer gab die Hoffnung, Birgit M. zu finden, nie auf: ihr Bruder Wolfgang Sielaff, der zu dem Zeitpunkt des Verschwindens Chef des Landeskriminalamtes Niedersachsen war.

Sielaff war sich früh sicher, dass seine Schwester einem Verbrechen zum Opfer gefallen war, wie die “Hamburger Morgenpost” berichtet. 

28 Jahre nach dem Verschwinden seiner Schwester hat er endlich Gewissheit: Birgit M. wurde ermordet. Für die “Hamburger Morgenpost” ist die Aufklärung dieses Falls eine der bewegendsten Geschichten des Jahres.

Der Fall wird bald eingestellt

Noch 1989 strahlt die Sendung “Aktenzeichen XY... ungelöst” den Fall aus. Dort wird geschildert, welche Kleidung Birgit M. am Tag ihres Verschwindens trug. Moderator Eduard Zimmermann verliest sogar, dass Hinweise mit bis zu 10.000 D-Mark belohnt werden. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus.

Ins Visier der Ermittler rückt Birgits Ehemann - kurz vor ihrem Verschwinden hat sich das Paar getrennt.

Auch der Friedhofsgärtner Kurt W. zählt zu den Hauptverdächten. Er ist wegen mehrerer Sexualdelikte vorbestraft. Er kommt wegen eines anderen Falls in Untersuchungshaft - dort erhängt er sich. Da gegen Tote nicht ermittelt werden kann, wird auch Birgits Fall zu den Akten gelegt. 

Birgits Bruder gibt nicht auf

Wolfgang Sielaff gibt die Hoffnung, das Verschwinden seiner Schwester aufzuklären, dennoch nicht auf. Er bleibt hartnäckig und untersucht den Fall weiter. Selbst als er 2002 in den Ruhestand geht und sein Amt als LKA-Chef von Niedersachsen niederlegt. 

Der heute 75-Jährige hat Experten zusammengebracht, die sich die Akte seiner Schwester erneut ansehen. Auch sie sind sich sicher: Gärtner Klaus W. hat etwas mit dem Verschwinden von Birgit M. zutun

2015 nimmt die Lüneburger Polizei den Fall wieder auf und verkündet 2016, dass sich der Tatverdacht gegen Kurt W. weiter erhärtet hat. Der Mann hinterließ einen Abschiedsbrief. Dort sei gestanden: “Ich mache mir die allergrößten Sorgen, wenn ich an unser Haus, Grundstück und alles, was damit zusammenhängt, denke.” Das berichtete die “Lüneburger Landeszeitung”.

Zweimal wird das Grundstück von Kurt W. durchsucht - es fehlt immer noch jede Spur von Birgit M. 

Schließlich wendet sich ihr Bruder an die neuen Hausbewohner und bittet sie, ihren Grund nochmal untersuchen zu dürfen. Und dann Anfang Oktober 2017 der Durchbruch: Plötzlich habe jemand “Menschliche Knochen!” über das Gelände geschrien, wie das “Hamburger Abendblatt” berichtete. 

Das tragische Schicksal von Birgit M. steht fest

Noch am selben Tag hat Wolfgang Sielaff Gewissheit: Es sind die menschlichen Überreste seiner Schwester Birgit. Nun klären die Ermittler, ob Kurt W. Komplizen hatte oder noch für weitere Gewaltverbrechen verantwortlich war. 

Nach 28 Jahren in Ungewissheit kann die Familie nun endlich Abschied von Birgit M. nehmen. Weil ihr Bruder niemals aufgab. 

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