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13/09/2018 14:30 CEST | Aktualisiert 13/09/2018 14:30 CEST

Londoner entlasten Rettungsdienst, indem sie Senioren Bewegung verschaffen

Die Notrufe gestürzter Senioren haben sich dadurch um die Hälfte reduziert.

ROYAL VOLUNTARY SERVICE
Ein Team aus Freiwilligen führt in London Übungen mit Senioren durch, um ihre körperliche Verfassung zu verbessern. Hier im Bild: Benny Defries (links) und Aldo Ferreira.

Anfang des Jahres haben Aldo Ferreira, 29, und Benny Defries, 91, aus England eine ungewöhnliche Freundschaft geschlossen.

Jede Woche saß Aldo in Bennys Wohnzimmer, wo sie sich gegenseitig einen Ball zuwarfen. Die beiden arbeiteten sich anschließend durch eine Liste von Körperübungen, die Bennys Kraft und Beweglichkeit verbessern sollen.

Aldo, der halbtags neben seinem Studium an der Anglia Ruskin Universität in Cambridge im Einsatz ist, ist einer von 34 Freiwilligen, die an einem Pilotprojekt teilnehmen.

Es soll helfen, die Anzahl von Stürzen älterer Menschen in der Gegend zu reduzieren, um den lokalen Rettungsdienst zu entlasten.

Laut dem Thinktank The Kings Fund sind Stürze der Grund für 40 Prozent der Fälle, in denen der Krankenwagen zu Senioren über 65 Jahren geschickt werden.

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Ein freiwilliges Projekt mit eindeutigen Ergebnissen 

Das oberste Ziel des 29-Jährigen war, Benny über einen Zeitraum von acht Wochen fit und mobil zu machen, doch währenddessen wurden die beiden zusätzlich Kumpel.

“Ich habe meine Besuche bei Benny richtig genossen”, sagt Aldo, der im Londoner Stadtteil Woolwich lebt, “es war sehr interessant, mit ihm zu sprechen. Obwohl wir den gesamten Besuch jede Woche problemlos mit Plaudern hätten verbringen können, haben wir uns immer zusammengerissen und unser Übungsprogramm ordentlich beendet.”  

Das Pilotprojekt wird vom London Ambulance Service und dem Royal Voluntary Service organisiert. Es hat dazu beigetragen, die Anzahl der Notrufe und der Einweisungen in Notaufnahmen besonders anfälliger Senioren in den Londoner Distrikten Merton und Hackney zu senken.

Ältere Personen, die regelmäßig gestürzt waren und deswegen den Notruf gewählt hatten, wurden an den Royal Voluntary Service überwiesen, der sie wiederum mit einem der lokalen Freiwilligen zusammenbrachte.

Diese Freiwilligen besuchten sie zuhause und arbeiteten über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen intensiv mit ihnen, um ihre körperliche Konstitution zu verbessern. 

Das Projekt lieferte einige positive Ergebnisse. Dazu gehören:

► ein 42-prozentiger Rückgang bei Stürzen unter den Teilnehmern,

► 45 Prozent weniger Notrufe aufgrund von Stürzen und

► 29 Prozent weniger Einlieferungen von ihnen in Notaufnahmen.    

Die Senioren waren in besserer körperlicher Verfassung und fühlten sich gesünder und wohler:

Fast zwei Drittel der Teilnehmer (60 Prozent) verbesserten sich in einem 30-sekündigen Test, in dem Sitzen und Stehen geprüft wurden, fast 70 Prozent machten Fortschritte im Gehen oder konnten schneller laufen.

Die Patienten waren außerdem glücklicher. Einer von vier gab an, sich weniger einsam zu fühlen.  

ROYAL VOLUNTARY SERVICE
Benny und Aldo sind durch das Projekt zu richtigen Freunden geworden. 

Übungsprogramm mit Zukunft 

Aldo und das Team von Freiwilligen haben ein spezielles Training absolviert, um die 45- bis 60-minütigen Übungen jede Woche anbieten zu können. Sie lernten, wie die Senioren ihre Beine kräftigen, damit diese vom Sessel oder der Toilette aufstehen können. Oder, wie man die Arme trainiert, um sich selbst anzuziehen oder aus dem Bett aufzustehen.

Aldo sagt, die Übungen hätten Benny geholfen und dessen Beweglichkeit über Wochen deutlich verbessert.  “Es war wirklich großartig, dass ich die Möglichkeit hatte, Benny zu unterstützen, nicht bloß durch körperliche Übungen, sondern auch durch Gesellschaft”, fügt er hinzu.

Der Londoner Rettungsdienst und andere Einrichtungen überwiesen während der Pilotphase 70 Senioren an die freiwilligen Helfer. Insgesamt 31 besonders anfällige Patienten, der Großteil 85 Jahre oder älter, beendeten den sechs bis acht Wochen langen Kurs erfolgreich.

Allison Smith, Direktorin der Abteilung Strategie und Entwicklung beim Royal Voluntary Service sagt: “Wir sind sehr zufrieden mit diesen Ergebnissen. Gerade wenn man das hohe Alter und die Gebrechlichkeit der Patienten und die relativ kurze Zeitspanne der Programme bedenkt.”

“Solche Befunde machen viel Mut und wecken die Hoffnung, durch längere Unterstützungsprogramme noch größere Fortschritte erzielen zu können.”

Dieser Artikel erschien zuerst bei der HuffPost UK und wurde von Dennis Meischen aus dem Englischen übersetzt.

(sk)