BLOG
24/06/2018 23:04 CEST | Aktualisiert 24/06/2018 23:04 CEST

Lob der Amateure: Warum der kleine Fußball nicht vergessen werden darf

Echte Liebe

Ein „Amateur“ ist jemand, der das Lernen und Üben liebt. Das Wort kommt vom lateinischen Wort amator („Liebhaber“). Amateure erhalten keinen Gehaltsscheck für ihre Anstrengungen – dennoch lässt sich viel von ihnen lernen. Zum Beispiel, dass echte Motivation, Leistung und Leidenschaft von innen kommen und nichts mit Geld zu tun haben.

In den Anfangszeiten des bundesdeutschen Fußballs bewegten sich noch viele Amateure auf dem Spielfeld, denen es vor allem um die Freude am Fußball ging. Inzwischen sind die meisten Profifußballer Privatunternehmer mit einem entsprechenden Beraterstab: „Heute ist es leider so, dass die Berater ihren Jungens sagen: Ich mache aus dir einen Millionär. Sie sagen nicht: Ich mache aus dir einen guten Fußballer.“

Dieses Zitat von Otto Rehhagel bringt das Problem auf den Punkt. Sein bekannter Satz „Geld schießt keine Tore“ hat sehr viel gemeinsam mit der Aussage des Industriellen und Politikers Walther Rathenau: „Ich habe niemals einen wirklich großen Geschäftsmann gesehen, dem das Verdienen die Hauptsache war.“

Schon in den siebziger Jahren sprach sich der Finanz- und Steuerfachmann Egidius Braun gegen eine Überbezahlung der Profis aus. Er sah darin die Gefahr eines Imageverlusts für den gesamten Fußball, „der vom großen Heer der Amateurvereine getragen wird“. Sein altgriechischer Vorname Egidius bedeutet so viel wie „Schildhalter“, der er als DFB-Präsident immer war, denn er fühlte sich an das gebunden, was darauf an Lebensaufgaben stand: Kampf für die Gleichberechtigung zwischen Profi- und Amateursport, Stärkung der Vereine als Keimzellen des Fußballs, bürgerschaftliches Engagement, Verlässlichkeit und ehrliche Kommunikation. Er las all jenen die Leviten, die glaubten, aus Steuergeldern Profigehälter bezahlen zu können. Auch sein Nachfolger als DFB-Präsident, Theo Zwanziger, war ein Mann der Amateure. Wolfgang Niersbach indes war dem Lager der Profis verbunden - der kleine Fußball war nicht seine Welt.

„Lizenzfußball und Amateurfußball sind beide unter einem Dach, in einem Lager, und jeder braucht den anderen. Die einen den Leistungssport als Stimulanz für den gesamten Fußballsport, die anderen die ganze Breite des Sports als echten Aufbau und nie versagenden Quell des Nachwuchses“, so Braun.

Leider ist im Amateurbereich wenig Geld vorhanden, denn die größten Summen gehen in den Spitzensport und dort auch nur in die populären Sportarten. Der Breitensport kämpft heute um jeden Cent. Dabei wird gerade hier besonders erfolgreicher Sozialpolitik betrieben als im staatlich verordneten Bereich.

Aufstieg der Kleinen

Dass Konzerne mit eigenen CSR-Abteilungen den Fußball sponsern, ist hinlänglich bekannt – weniger wissen wir über die wirklich nachhaltigen Kooperationen in der Regionalliga, wo es nicht nur um Geld gegen Logo geht. Hier steht auch die langfristige Ausrichtung des eigenen Lebensweges im Fokus, wie das folgende Beispiel zeigt: So hat sich das Team des Fußball-Regionalligisten SV Rödinghausen vorgenommen, in der nächsten Saison unter den Top sechs der West-Regionalliga zu landen. „Das ist sicherlich machbar, zumal in dieser Spielzeit sehr viele Mannschaften sehr nah im oberen Tabellendrittel zusammenstehen“, sagt Alexander Müller, der die Vereinsgeschäfte leitet.

Als 64. und letzter Verein hat sich der SV Rödinghausen aus der Regionalliga West das Ticket für den kommenden DFB-Pokal gesichert. Die Mannschaft von Interimstrainer Sebastian Block setzte sich im Entscheidungsspiel vor 1091 Zuschauern beim Oberliga Westfalen-Meister SV Lippstadt 08 3:1 (3:0) durch.

Häcker Küchen

Luftaufnahme Häcker Wiehenstadion

Nur einen Steinwurf vom Häcker Wiehenstadion entfernt liegt das Stammwerk von Häcker Küchen. Das Traditionsunternehmen ist in der Branche bekannt als Garant für Solidarität, Zuverlässigkeit, Engagement und Erfolg. Gegründet wurde es von Herman Häcker im Jahre 1898 und von Friedrich Häcker in der nächsten Generation weitergeführt. Der Grundstein für die Serienfertigung von Küchen wurde von Horst Finkemeier im Jahre 1965 gelegt. Nach wie vor ist es ein Familienunternehmen, das heute sehr erfolgreich von Jochen Finkemeier geführt wird.

Häcker fördert den Fußball auf vielfältige Weise: So erhalten Spieler der U19 und U23 die Möglichkeit, hier beruflich zu starten. Alexander Müller verweist vor allem im Bereich Ausbildung und duales Studium auf viele Spieler, die auf dieses Angebot gern zurückgreifen. Dabei wird allerdings klar getrennt, denn der Beruf hat immer Vorrang. Die Spieler mit einem Ausbildungsvertrag müssen genauso viel arbeiten wie alle anderen. Dennoch spielen beide Mannschaften sehr hoch: Als aktueller Tabellenführer der Westfalenliga klopft die U19 ans Tor der Bundesliga, die U23 spielt in der Westfalenliga der Senioren.

Das ist ein Musterbeispiel für echte Corporate Social Responsibility (CSR), ohne dass dieser Begriff ausdrücklich genannt werden muss. Denn es geht vor allem ums richtige Tun und die Wahrheit auf dem Platz: im Unternehmen oder auf dem Rasen. Für beide Bereiche gilt gleichermaßen die Erkenntnis von Egidius Braun: „Ein Gramm Arbeit wiegt mehr als ein Kilo Worte.“

Weiterführende Informationen:

Auf Ballhöhe. In: WORK. kitchen. Stories. Nr. 13 (2018). Hg. von Häcker Küchen, S.20-23.

CSR und Sportmanagement. Jenseits von Sieg und Niederlage: Sport als gesellschaftliche Aufgabe verstehen und umsetzen. Hg. von Alexandra Hildebrandt. SpringerGabler Verlag 2014.

Alexandra Hildebrandt: Wie Nachhaltigkeit in die Köpfe des Fußballs kommt. Amazon Media EUS.à r.l. Kindle Edition 2017.