POLITIK
10/03/2019 13:39 CET

Lindner kritisiert Schüler-Demos – und fängt sich Häme ein

"Krass unterirdisch", befindet ein Grünen-Politiker die Aussagen des FDP-Chefs.

getty / huffpost
Christian Lindner findet, die Schüler sollten den Klimaschutz den Profis überlassen. 
  • FDP-Chef Christian Lindner hat in einem Interview die Schüler-Demos zum Klimaschutz abgekanzelt.
  • Auf Twitter sorgten seine kontroversen Aussagen für Kritik und Häme. 

“Klimaschutz ist was für Profis.”

Mit diesem Satz zieht FDP-Chef Christian Lindner am Sonntag Kritik und Häme auf sich. In einem Interview mit der “Bild”-Zeitung hatte der Vorsitzende der Liberalen die Schüler-Demos zum Klimaschutz kritisiert. 

“Ich finde politisches Engagement von Schülerinnen und Schülern toll. Aber das sollte nach der Schule stattfinden”, sagte Lindner. 

Dann kam er zu den Profis: “Ich bin für Realitätssinn. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.”

Er verglich die Pläne der Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) dann noch mit der DDR und forderte, wie es im Programm der FDP steht, eine Steuer auf den CO2-Ausstoß. Dann werde “der Fortschrittsmotor der Kostenvermeidung angeworfen”. 

Dass aber gerade der Chef der Partei, die beim Klimaschutz auf die vermeintlichen Kräfte des Marktes statt auf die Kraft des Staates setzt, das Engagement von Schülern bei den Fridays-for-Future-Demos derart kritisierte, sorgte für viel Kritik. 

Lindner in der Kritk: “Wie anders er klingt”

Entertainer Jan Böhmermann witzelte über den bekennenden Porsche-Fahrer Lindner: “Wir haben die Erde von unseren 911ern nur geliehen.”

“Zeit”-Redakteur Martin Eimermacher verglich den Spruch von Lindner mit den Plakaten der FDP im Bundestagswahlkampf, als die Partei mit Forderungen im Bildungsbereich um Stimmen warb. 

Eimermacher kritisierte: “Wie anders Christian Lindner klingt, wenn gerade kein Wahlkampf ist.”

ARD-Journalist und Moderator Thomas Walde spielte zurück:

“Ich finde die Diskussionsbereitschaft von Christian Lindner toll. Von FDP-Vorsitzenden kann man aber nicht erwarten, dass sie alle globalen Zusammenhänge und das ökologisch Sinnvolle sehen. Demokratie ist eben nicht nur eine Sache nur für Profis.”

Der deutsche Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) kritisierte:

“Die Klima-Profis sind klar auf Seiten der Schüler! Die Schüler gehen auf die Straße, weil die Politiker trotz schöner Worte die Klimaziele verfehlen. Greta Thunberg versteht mehr vom knappen Emissionsbudget und den Kipppunkten des Klimas als Herr Lindner.”

Grünen-Politiker findet Lindners Aussage “krass unterirdisch”

Auch aus der Politik nahmen viele Anstoß an der Aussage von Lindner.

Juso-Chef Kevin Kühnert schrieb auf Twitter: 

“Ein altes Missverständnis rund um das Thema Kinder- und Jugendbeteiligung: Das Erfassen aller globalgalaktischen Zusammenhänge ist KEINE (!) Voraussetzung für demokratische Teilhabe (auch bei Erwachsenen nicht). Wir leben nicht in einer Aristokratie.”

Konstantin von Notz, Bundestagsabgeordneter für die Grünen, nannte die Äußerung von Lindner “krass unterirdisch”. “Ganze Menschengruppen für unmündig zu erklären – das ist extrem unliberal und fertig.”

Und schließlich wäre da noch ein Witz, den viele auf Twitter machten. Frei nach dem Satz, mit dem Christian Lindner das Jamaika-Aus begründet hatte: Regieren sei auch nur was für Profis.