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02/01/2019 13:22 CET | Aktualisiert 02/01/2019 13:22 CET

Lieber ordentlich geschnüffelt als ins Klo gegriffen

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Lieber ordentlich geschnüffelt als ins Klo gegriffen!

Stellenausschreibung, Sichtung der Bewerber, Vorgespräch am Telefon, Fragebogen, Assessment-Center – um eine Stelle mit dem perfekten Bewerber zu besetzen, ist Unternehmen kein Aufwand zu groß. Und dann endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, finden sie ihn: den Non-plus-ultra-Mitarbeiter. Jetzt wird alles gut!

Keine drei Monate später wacht der HR-Mensch aus seinem wunderschönen Traum auf und muss realisieren: Das war ein Satz mit X und der vermeintlich perfekte Mitarbeiter ist der absolute Totalschaden.

Kein Wunder: Für den perfekten Bewerber braucht ihr ja schließlich auch eine gute Spürnase…

Wer zuerst denkt, fragt am besten

Bevor ihr jetzt sofort alles im Unternehmen über den Haufen werft: Eure gängigen Tools sind prinzipiell völlig in Ordnung. Das Problem sehe ich eher an einer anderen Stelle. Nämlich auf Seiten des Entscheiders. Denn was nützen ihm die ausgetüfteltsten Fragebögen und Analyse-Tools der Welt, wenn er nicht weiß, wie er sie nutzenstiftend anwendet?

Schlaue Fragen sind prinzipiell schnell gestellt, doch für sinnvolle Antworten müssen HRler und Co. erst einmal Vorarbeit leisten. Oder anders gesagt: Ohne definierten Claim keine brauchbaren Informationen.

So wie ein Trüffelschwein nur sinnvollen Einsatz bringen kann, wenn es weiß, was ein Trüffel ist – so könnt ihr die Antworten eurer Bewerber nur richtig analysieren, wenn ihr wisst, wonach ihr sucht. Heißt: Kein Plan, kein Trüffel.

Von wegen Intuition!

Da viele Unternehmen aber absolut keine Ahnung haben, wonach sie grundsätzlich schnüffeln sollen, wird ein großes Brimborium veranstaltet. Die Entscheidung fällt allerdings letzten Endes intuitiv. Kein Wunder also, dass die Auserwählten sich im Nachhinein als Fehlbesetzung herauskristallisieren.

Warum fragen Führungskräfte sich nicht endlich im Voraus: Was ist unser Trüffel – und was nur unappetitliches Beiwerk am Tellerrand, das wir links liegen lassen?

Denn nur wenn ihr euch dessen bewusst seid, könnt ihr beim Bewerber nach den gewünschten Verhaltensankern die Augen offenhalten. Wenn ihr zum Beispiel auf der Suche nach einer leidenschaftlichen Person seid, sind Meilensteine im Leben der Bewerber ein guter Ansatzpunkt für ein Gespräch. Dinge, die ihnen auch von Bedeutung sind und an denen ihr ihre Leidenschaft spüren könnt.

Dabei geht es aber nicht lediglich darum, was der Bewerber sagt, sondern vor allem, wie er sich verhält. Was bringt euch schon eine gute Tonspur, wenn der potenzielle Arbeitnehmer nachher sozial inkompetent ist? Deshalb achtet ein gutes Trüffelschwein bei der Stellenbesetzung vielmehr darauf, ob sein Gegenüber mit Begeisterung bei der Sache ist. Psychologie eben.

Der beste Schnüffler

So filtere ich auf jeden Fall meinen Trüffel heraus. Und das sind immer die, die übers Stöckchen springen und nicht mit eingezogenem Kopf untendurch schlurfen.

Für den perfekten Bewerber frage ich mich immer zuerst: Welche Anforderungen habe ich? Wie will ich diesen abtesten? Wie gestalte ich entsprechend das Verfahren? Und dann wird das Ganze fast schon eine lässiger Spaziergang mit dem Trüffelschwein. Aber eben nur für gut ausgebildete Spürnasen.

Wenn ihr euch mit Haustieren schwer tut, lohnt es sich, ein professionelles Trüffelschwein ins Unternehmen zu holen – so wie mich zum Beispiel. Dann schafft ihr die passende Stellenbesetzung ohne aufwändiges Herumprobieren. Und statt des ständigen Griffs ins Klo dürft ihr Trüffelschweine streicheln. Hat doch auch was …