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12/03/2018 18:13 CET | Aktualisiert 12/03/2018 18:13 CET

„Liebe ist stärker als Hass“ - Eine Rezension zu Robert O. Fisch: „Licht vom gelben Stern“

„Wir befinden uns an jenem entscheidenden Punkt, wo unsere unmittelbare Vergangenheit in Geschichte umschlägt“, hatte Alain Finkielkraut 1982 in seinem Buch „Der eingebildete Jude“ zum Holocaust notiert. 2018 wäre zu ergänzen: Seither ist der Holocaust für die meisten lebenden Menschen bereits Geschichte geworden, eine Metapher des Schreckens quasi am äußersten Rand eines kollektiven Bewusstseins.

Erinnerung tut gerade heute not

Aber Erinnerung tut gerade heute not in einer so und nicht anders gewordenen Wirklichkeit grausamer Gräueltaten überall auf diesem Planeten. Robert O. Fisch, ein ungarischer Jude, Mediziner, Schriftsteller und Zeichner, als 19-Jähriger von den Nazis deportiert, überlebte die Konzentrationslager Mauthausen und Gunskirchen und wartet als Überlebender des Holocaust 91-jährig mit der Lehre auf, dass Liebe stärker sei als Hass. Was für eine starke, was für eine ermutigende Botschaft über alle Räume und Zeiten hinweg! Eine Botschaft der Hoffnung - aller Qual, allem Leid, allem Elend trotzend.

Anne Weise und Richard Steel haben aus dem Gesamtwerkt von Robert O. Fisch für das Berliner Karl König-Institut unter dem Titel „Licht vom gelben Stern“ Texte und Zeichnungen von Robert O. Fisch zusammengestellt, die den Leser und Betrachter tief anrühren durch die von ihm dokumentierten „Funken der Menschlichkeit in der Zeit des Holocaust“. Besonders anrührend in dieser überaus gelungenen Edition ist Fischs Beschreibung seiner Erlebnisse und der seiner Leidensgenossen mit einem streunenden kleinen Hund, den sie Fricike nennen, der ihr Schicksal mit ihnen teilt und dessen Treue ihnen sogar Kraft gibt, auf ihrem Todesmarsch nach Gunskirchen: „Während wir liefen, bekamen wir neue Kraft durch seine Gegenwart, seine Treue und Solidarität. Was geschah mit Fricike? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist er, wie so viele von uns, verhungert und erschossen worden. Oder er hat womöglich überlebt. Aber er hat uns nie verlassen. Fricike ist mir immer noch nah.”

Ein pädagogisches Buch

„Licht vom gelben Stern“ ist nicht zuletzt ein pädagogisches Buch, das mit großem Ernst Hoffnung in der Finsternis unmenschlicher Grausamkeiten aufzuzeigen vermag und vor allem jenen Menschen zur Lektüre anempfohlen werden kann, für die der Holocaust nichts anderes mehr ist als eine Chiffre unserer deutschen Vergangenheit. Wie sagt es Robert O. Fisch trefflich? „Für mich ist der Holocaust nicht eine Angelegenheit zwischen Deutschen und Juden, sondern er ist ein Problem der Menschheit, auch wenn die Mehrzahl der Opfer Juden waren.“

Robert O. Fisch, Licht vom gelben Stern: Funken der Menschlichkeit in der Zeit des Holocaust, zusammengestellt und herausgegeben von Anne Weise, Info3-Verlagsgesellschaft, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-95779-047-7, 18 €