BLOG
22/06/2018 18:30 CEST | Aktualisiert 26/06/2018 09:05 CEST

"Liebe Fußballer, ihr seid Jammerlappen" – Abrechnung einer Handballerin

Mimimimimi.

Im Video oben: So provozierten sich Neymar und Schiedsrichter Kupier im Match Brasilien – Costa Rica. 

Es ist alle vier Jahre dasselbe: Vier Wochen lang kleben Menschen auf der ganzen Welt an Fernsehbildschirmen und Videoleinwänden, um 22 durchtrainierte Männer zu bestaunen, wie sie Bällen hinterher rennen, hinterher hechten, hinterher springen. Aber vor allem hinfallen.

Auch ich bin mit Sport groß geworden. Tennis, Leichtathletik, Handball, Snowboarden. Fußball hat mich allerdings immer nur am Rande interessiert – wenn dann als Trainingseinheit zum Aufwärmen.  

Aber ja, ich gebe zu: Auch ich bin eine dieser Millionen “Event-Gucker”. Wenn WM oder EM ist, werde ich zum Fußballfan.

Nicht nur, wenn “Die Mannschaft” spielt. Schließlich ist Public Viewing im Biergarten auch spaßig, wenn man sich Portugal gegen Spanien anschaut – auch wenn ich außer Cristiano Ronaldo und Gerard Piqué keinen Spieler kenne.

Aua, der hat mich berührt

Ich liebe Sport.

Trotzdem schaue ich außer zu Großereignissen kein Fußball. Nicht nur, weil ich es verabscheue, wie viel Geld in dem Sport mittlerweile fließt. Und auch nicht nur, weil ich Fußballspiele viel langweiliger finde als Handballspiele. Nein. Ich schaue vor allem kein Fußball, weil Fußballer verdammte Jammerlappen sind.

Es ist das zweite Spiel in der Vorrunde der Gruppe E. Costa Rica gegen Brasilien.

Das Spiel ist langweilig. Costa Rica macht hinten dicht, die Brasilianer bekommen nichts auf die Reihe – wie schon beim 1:1 gegen die Schweiz (ja, auch ich weiß, dass das erbärmlich war).

Dann die 78. Spielminute. Neymar (Ja verdammt, ich weiß, wer Neymar ist!) wittert eine vermeintliche Torchance, doch ein Verteidiger von Costa Rica (wie auch immer der heißt) geht dazwischen, streift Neymar mit dem Arm am Bauch.

Mehr zum Thema:WM-Spiel Spanien – Iran: Isco rettet kleinen Vogel vom Spielfeld

BERÜHRT! Zack, Neymar reißt die Arme in die Höhe, lässt sich wie ein angeschossener Cowboy rücklings fallen und bleibt liegen. Der Schiri pfeift. Elfmeter. Elfmeter für Schauspielerei und Spielverweigerung.

Zum Glück gibt es den Videobeweis (ja, auch das hat wohl jeder Fußballbanause inzwischen mitbekommen).

Als Handballerin muss ich sagen: Beim Zuckerhut, Neymar, was bist du nur für ein Würstchen?!

Du willst aufs Tor schießen, aber weil dir jemand in die Quere kommt, versuchst du gar nicht erst, dich freizuspielen. Stattdessen zögerst du keine Sekunde, dich fallen zu lassen und einen Elfmeter zu schinden.

Henry Romero / Reuters
Neymar kämpfte beim Spiel gegen Costa Rica mit den Tränen.

Schwalbe – ein Wort, das es nur im Fußball gibt

Das ist einfach nur traurig. Beim Handball hätten die Fans von der Tribüne jetzt gerufen: “Der will doch gar nicht aufs Tor schießen!”

Aber vermutlich kannst du gar nichts dafür. Es wurde dir von Kleinauf antrainiert. So wie jedem Fußballer auf der Welt. 

“Schwalbe nennt man im Fußball den Versuch eines Spielers, ein Foul vorzutäuschen, indem er sich im Zweikampf mit einem gegnerischen Spieler absichtlich fallen lässt”, sagt Google.

Aber wisst ihr was, liebe Fußballer? Ihr betreibt die einzige Sportart, in der dafür ein eigenes Wort geschaffen wurde.

Ballsportarten werden bekanntlich auch als Kontaktsport bezeichnet. Im Handball trifft das auch zu. Ohne fünf neue blaue Flecken und ein paar Kratzer kommt nicht mal ein C-Jugendspieler nach Hause.

Martin Rose via Getty Images
Ganz normales Abwehrverhalten beim Handball: Der Kieler Spieler Patrick Wiencek versucht sich gegen Michael Allendorf von Melsungen durchzusetzen.

Ihr verliert meinen Respekt und jegliche Bewunderung

Nein, wir prügeln und boxen uns nicht auf dem Spielfeld. Aber wir scheuen uns nicht vor Körperkontakt, um ans Ziel zu kommen und ein Tor zu werfen.

Mehr zum Thema: Argentinien-Fans bespucken Trainer – der spricht Klartext

Und ganz ehrlich? Das macht auch ein bisschen Spaß. Wer das nicht will, kann ja Tischtennis oder Curling spielen – auch ok.

Klar, immer wieder einen Ellenbogen im Bauch oder einen Zwicker im Arm zu spüren, ist nicht immer schön und lässt auch mal die Wut hochkochen. Daran mangelt es euch aber auch ohne blaue Flecken nicht. 

Jungs, viel zu oft verhaltet ihr euch wie Schauspieler südamerikanischer Telenovelas. Weinerlich. Theatralisch. Fallsüchtig. So macht ihr mir jegliche Freude kaputt, euch zuzuschauen.

Wie soll ich die sportliche Leistung von jemandem respektieren oder gar bewundern, der sich lieber hinfallen lässt und so tut, als sei er gefoult worden, anstatt zu zeigen, was er drauf hat?

Auf jedem Bolzplatz klappt es doch auch ohne Schwalben und Rumgezicke – und da ist der Boden garantiert nicht so weich wie euer Rollrasen.

(mf)