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24/08/2018 12:51 CEST | Aktualisiert 24/08/2018 12:51 CEST

Liebe Ärzte, jede Frau hat das Recht auf einen Wunschkaiserschnitt

Und nicht das durchmachen muss, was ich erlebt habe.

KIRSTY CLARK
Kirsty Clark mit ihrer Tochter. 

Nachdem ich meine Tochter auf natürlichem Weg geboren hatte, habe ich mich wochenlang gefühlt, als hätte mich ein Bus überrollt. Bei meinem zweiten Kind wollte ich dieses Risiko nicht eingehen.

Wenn man nach einer schweren Geburt wieder schwanger wird, sagen einem alle: “Dieses Mal wird es einfacher”. Ich wollte es aber nicht einfacher, nur besser. Ich wollte eine Geburt, bei der ich nicht fürchten muss, dass ich oder mein Baby sterben.

Eine Geburt, die sich nicht noch Jahre später immer wieder vor meinem geistigen Auge wiederholt. Und eine Geburt, die bestenfalls ohne dutzende besorgt dreinblickende Mediziner im Kreisssaal auskommt. Deshalb habe ich einen Wunschkaiserschnitt beantragt. Meiner Erfahrung nach sollte jede Frau ein Recht darauf haben.

Nach der Geburt hatte ich einen Blutsturz 

Bis zum Ultraschall in der 36. Woche bestand die Chance, dass ich wegen meiner tiefliegenden Plazenta ohnehin einen Kaiserschnitt brauche. Ich klammerte mich an die Hoffnung, ohne Diskussion einen Kaiserschnitt zu bekommen.

Aber die Plazenta bewegte sich. Der Radiologe lächelte und sagte: “Juhu, kein Kaiserschnitt!” Aber ich wollte trotzdem einen. Ich wollte das Risiko einer weiteren traumatischen Geburt nicht auf mich nehmen.

Sogar sieben Jahre nach der ersten Geburt erinnere ich mich noch lebhaft an das Gesicht des Geburtshelfers, der versuchte, meine Tochter mithilfe einer Saugglocke zu entbinden.

Dreimal versuchte er es. Das schrieb das Krankenhaus so vor.

Drei mal entglitt ihm die Saugglocke.

Das letzte Mal mit soviel Gewalt, dass ich glaubte, meine Tochter hinge am Ende der Saugglocke und sei gegen die Wand geschleudert worden. Sie wurde dann mit der Geburtszange herausgezogen. Es war eine Notgeburt. Ich hatte die ganze Nacht Wehen und viele Komplikationen. Nach der Geburt hatte ich einen Blutsturz und brauchte eine Blut-Transfusion.

Ich musste um einen Kaiserschnitt kämpfen

Werdenden Müttern wird immer erzählt, dass Wassergeburten ohne Betäubung oder Geburten unter Hypnose das absolut Beste sind. Meine Geburt hat mich völlig traumatisiert, weil ich mich völlig ausgeliefert gefühlt hatte.

In den ersten Wochen als junge Mutter fühlte ich mich, als hätte mich ein Bus überfahren und man hätte mich am Straßenrand dem Tod überlassen. Ich konnte nicht riskieren, dass sich sowas jemals wiederholt. 

Mehr zum Thema: Warum manche Mütter bereuen, Kinder zu haben – obwohl sie sie lieben

Bei mehreren Terminen musste ich einen Facharztanwärter, einen Facharzt und eine Hebamme davon überzeugen, dass ich mein zweites Kind tatsächlich per Wunschkaiserschnitt auf die Welt bringen wollte. Das stand mir offiziell zu.

In meinem Fall gab es nie komplette Verweigerung wie in vielen anderen Fällen, aber es gab Widerstände. Ich war bestürzt, als ich diese Woche erfahren habe, dass eines von sechs öffentlichen Krankenhäusern in England keine Wunschkaiserschnitte durchführt, obwohl die Richtlinien dafür seit Jahren in Kraft sind.

Ich sollte die erste Geburt als Übung sehen 

Ich mag mir kaum vorstellen, wie es sein muss, wenn einem diese Behandlung verweigert wird und man behandelt wird, als könne man nicht für sich selbst entscheiden.

Die beratende Hebamme gab mir den Tipp, die erste Geburt als Übung zu sehen und es beim zweiten Mal “richtig” zu machen. Klar, aufeinanderfolgende Geburten können manchmal heilsam sein. Aber was ist, wenn es bei mir nicht so ist?

Ich fühlte mich, als wollte man mich körperlichen und psychischen Problemen aussetzen, die Jahre zur Heilung brauchen würden.

Mit dieser Einstellung erzählte ich bei Terminen immer wieder meine Geschichte, beantwortete unzählige Fragen und erklärte detailliert, wie traumatisierend meine erste Geburt für mich war. Mein Mann stand mir immer bei.

Er war bei der ersten Geburt auch im Kreissaal und wollte so etwas nie wieder miterleben. Ich weiß nicht, ob ich ohne seine Unterstützung und hochschwanger, wie ich war, die Kraft gehabt hätte, meinen Willen durchzusetzen. 

Ich konnte meinen Sohn mit Kaiserschnitt zur Welt bringen 

Schließlich schlug die Stimmung um und der Facharzt stimmte dem Kaiserschnitt bei einem letzten Treffen zu. Unsere Diskussionen über den Termin waren beinahe komisch.

Sein erstes “Angebot” war, dass ich die Geburt bis in die 42. Schwangerschaftswoche herauszögern sollte. So könnte ich einen Kaiserschnitt bekommen, ohne dass die Wehen eingeleitet werden müssten. Ich lehnte ab, da ich ja wohl schon vorher Wehen bekommen würde. Wir einigten uns auf 38 Wochen und sechs Tage.

Ich bin stolz, dass ich meinen Sohn durch einen friedlichen und ruhigen Kaiserschnitt zur Welt bringen konnte. Es gab einen schönen Moment, als mein Mann aufstand, um einen Blick über die Stoffabsperrung zu werfen. Er sah unseren Sohn noch in seiner Fruchtblase.

Sein erster Blick auf unsere Tochter war anders: Sie war lila angelaufen und wurde sofort dem Kinderarzt zur Notuntersuchung übergeben. Dieses mal verbrachte ich nur eine Nacht im Krankenhaus und konnte 36 Stunden nach der Geburt nachhause.

Bei meiner so genannten “normalen” Geburt waren es vier Tage

Es ist mir sehr wichtig, dass Frauen sich für einen Kaiserschnitt entscheiden können. Möglichst viele Mütter sollen nach dieser lebensverändernden Erfahrung glücklich aus dem Krankenhaus gehen können.

Egal, ob es stundenlange Wehen in einer Geburtswanne sind und man sein Kind dann einfach aus sich herausdrückt oder ob man sich auf den Operationstisch legt und das Kind herausgeschnitten wird – Frauen haben freie Wahl und das muss respektiert werden.

Dieser Text erschien zuerst bei HuffPost UK und wurde von Moritz Diethelm aus dem Englischen übersetzt.

(nc)