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03/05/2018 17:50 CEST | Aktualisiert 01/08/2018 14:50 CEST

Was Lidl zum Muttertag anbietet, zeigt, wie rückständig Deutschland ist

Wer will schon so was zum Muttertag?

Am 13. Mai ist Muttertag – der absolut einzige Tag im Jahr, an dem man seiner Mutter oder Frau endlich mal für ihre Arbeit danken kann. Blumen, Frühstück am Bett oder Schmuck sind da beliebte Geschenke.

Oben im Video: Ein Vater wollte wissen, warum seine Frau abends immer so müde ist – also spionierte er ihr nach.

Und nicht nur für Mütter ist der mittlere Sonntag im Mai ein Tag zur Freude – nein, auch Blumen- und Einzelhändler feiern den Tag. Schließlich wird massenhaft Umsatz gemacht mit dem Geschäft der Mutterliebe.

Natürlich mischt da auch der Discounter Lidl mit. Im Prospekt und im Onlineshop der Supermarktkette gibt es paar Vorschläge für das perfekte Muttertagsgeschenk.

Von Nähmaschine bis Staubsaugroboter ist alles vertreten

Leider scheint das Marketing-Team von Lidl noch in den 50er Jahren festzustecken. Das verlockende Angebot aus Nähmaschine, Kochbox und Staubsaugroboter lässt wohl die wenigsten Mütterherzen höher schlagen und sorgt zu Recht für Unruhe im Netz.

Mit der Kampagne zeigt Lidl, wie schnell man in veraltete Geschlechterklischees abrutschen kann. Bei der Muttertags-Kampagne ist das doppelt rückschrittlich, denn besonders Kinder, die in diesem Fall das Geschenk machen sollen, verinnerlichen Werbeinhalte schnell und so setzt sich das falsche Rollenbild bei ihnen fest.

Und das ist übrigens in Deutschland weit rückständiger als in sehr vielen anderen Ländern. In Schweden zum Beispiel wird sexistische Werbung vom dortigen Werberat viel härter sanktioniert. 

 

“Werbung reflektiert Normen, Werte und die Kultur eines Landes, und da gibt es deutliche Differenzen zwischen Deutschland und Schweden”, sagte die deutsch-schwedische Journalistin Suzanne Forsström der “Süddeutschen Zeitung”.

“Danke für nix”

Und Deutschland, das Land, in dem die Stammtischkultur so hoch gehalten wird, findet sich in allen Gleichberechtigungsindizes weit hinter Schweden.

Die NGO Pinkstinks, die auf die Lidl-Kampagne aufmerksam gemacht hat, kämpft öffentlich gegen sexistische Werbung und Medieninhalte. “Danke für nix”, steht unter dem Bild, das die Angebotspalette des Discounters zum Muttertag bei Twitter zeigt.

Die Twitter-Follower von Pinkstinks haben da bessere Vorschläge für Geschenke als Lidl. Denn – oh Wunder – die wenigsten Mütter haben so richtig Bock auf Bügeln.

Eine zweifache Mutter zum Beispiel schreibt, sie freue sich weitaus mehr über Champagner und Sauftouren – oder eben den Spa-Gutschein. 

Die alleinerziehende Mutter Christine Finke zitiert wiederum ihre Mutter. Die hätte ihrem Mann damals schon die Scheidung angedroht, wenn er ihr Haushaltsgeräte zum Muttertag schenken würde. 

Wieder ein anderer Nutzer rät dazu, den Muttertag vollkommen ausfallen zu lassen und stattdessen lieber mit der Mama für Frauenrechte zu demonstrieren.

Am Ende wisst ihr am besten, was eure Mutter glücklich macht, die rosa Produktpalette von Lidl ist es im Zweifelsfall nicht. Oder ist eure Mutti schon mal über das fesche Bügeleisen in lila in Freudentränen ausgebrochen, weil sie damit die Hemden bestimmt schneller glatt bekommt? Sicher nicht. Bei uns zuhause, übernimmt übrigens der Mann das Bügeln.

(ks)