ELTERN
27/02/2018 16:22 CET | Aktualisiert 27/02/2018 16:30 CET

USA: Lehrerin zeigt mit einem Foto, was Eltern heute falsch machen

Jetzt hat sie eine Bitte.

PeopleImages via Getty Images
Die amerikanische Lehrerin Ami Diprima Brown versucht wirklich alles, um ihren Schülern zu helfen – in der Schule, aber auch in persönlichen Angelegenheiten.
  • Die Amerikanerin Amie Diprima Brown ist seit 15 Jahren Lehrerin
  • Jetzt bittet sie Eltern, sich mehr um ihre Kinder zu kümmern, um psychische Probleme schneller zu erkennen

Seit dem Amoklauf zu Beginn des Monats an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland in Florida wird viel darüber diskutiert, warum diese Tragödien überhaupt passieren.

Die Frage, warum man nicht früher erkennt, dass diese Kinder Schwierigkeiten haben, steht im Raum. Denn oft ist es auf den ersten Blick nicht erkenntlich, warum sie überhaupt zu Waffen greifen.

Amie Diprima Brown ist eine Lehrerin aus Georgia, USA. Auch sie hat sich viele Gedanken darüber gemacht und diese in einem Post auf Facebook geteilt, der sich besonders an Eltern richtet.

Die Lehrerin möchte ihre Schüler besser kennenlernen

Brown arbeitet schon seit über 15 Jahren als Lehrerin. Sie weiß, dass sich das Schulsystem in den letzen Jahren stark verändert hat, schreibt sie auf Facebook. Aber eine Tradition ihrerseits bleibt seit ihrem ersten Tag unverändert.

Sie erklärt, dass sie am Anfang des Schuljahres die Eltern darum bittet, einen Brief zu schreiben: “Die Eltern sollen mir von ihren Kindern erzählen. Ich sage ihnen, dass ich über die Hoffnungen, Träume, Ängste, Schwierigkeiten ihrer Kinder bescheid wissen möchte.”

Die Anzahl der Wörter begrenzt sie scherzhaft auf eine Million, denn sie weiß, dass man unendlich viel über seine Kinder sprechen kann. Brown macht den Eltern klar, dass das keine Bewertung sein soll. 

► Es geht ihr nur darum, ihre Schüler besser zu kennen.

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Brown war geschockt, als sie die Ordner sah

“In den Briefen habe ich erfahren, welche Kinder Essstörungen oder Depressionen haben, wer adoptiert oder misshandelt wurde und vieles mehr”, schreibt die Lehrerin auf Facebook.

Erst vor kurzem machte sie aber eine traurige Entdeckung. Zwei Geschwister hatten unerwartet ihre Mutter verloren. In solchen Fällen greift Brown oft auf die Briefe der Eltern zurück, um den Kindern in den eigenen Wörtern der Mutter zu zeigen, wie sehr sie sie liebte.

“Als ich die Ordner wieder in den Schrank legte, viel mir etwas auf. Ich weiß, dass die Anzahl der Eltern, die diese Briefe schreiben, Jahr für Jahr immer weniger wird – aber als ich die Fülle der Ordner sah, war ich geschockt”, erinnert sich die Lehrerin. “2003 war mein erstes Lehrjahr und 98 Prozent der Eltern haben mir einen Brief zurück geschickt. Dieses Jahr waren es nur 22 Prozent.”

► Zu ihrem Facebook-Post veröffentlich sie ein Bild der Briefe:

Die Eltern müssen auch ihren Teil beitragen

Noch trauriger macht sie der Fakt, dass so gut wie alle Eltern inzwischen den Zugang zu Geräten mit Internetanschluss haben, was die Aufgabe eigentlich erleichtert.

► Außerdem erinnert sie die Eltern regelmäßig daran.

Brown versucht offenbar wirklich alles, um ihren Schülern zu helfen – in der Schule, aber auch in persönlichen Angelegenheiten. Dennoch ermahnt sie die Eltern, dass sie auch ihren Teil dazu beitragen müssen.

Denn: “Wir tragen viel Verantwortung in unsere Position als Lehrkräfte. Aber wie sollen wir unsere Schüler kennenlernen und erkennen, wenn sie psychische Schwierigkeiten haben und zu einem Amokläufer werden, wenn die Eltern sich nicht für die schulische Entwicklung ihrer Kinder interessieren?”

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Es könnte drastische Auswirkungen auf die Gesellschaft haben

Daher möchte sie die Eltern der Schüler anregen: “Seid Eltern! Seid in das Leben eurer Kinder involviert – damit ihr euren Kindern helfen könnt, wenn sie Probleme mit Freunden haben, an Selbstmord denken oder Schwierigkeiten in der Schule haben.”

► Denn sie ist sich sicher, dass es drastische Auswirkungen im Leben der Kinder hätte – und in den Schulen und der Gesellschaft allgemein. “Wartet nicht damit, uns Lehrern zu sagen, dass euer Kind psychische Probleme hat”, bittet Brown die Eltern.

“Als Eltern ist es unser Job, die außergewöhnlichsten Menschen heranzuziehen. Das ist der wichtigste Job dieser Welt. Die Bildung und emotionale Sicherheit, die Eltern geben, ist unbezahlbar.”

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Browns Post bekam viel Zustimmung

Der Post der Lehrerin wurde 76.000 Mal geliked und 91.000 Mal geteilt.

Gegenüber der Plattform “Scary Mommy” sagt Brown, dass sie völlig überwältigt von den Reaktionen war: “Ich habe so viele private Nachrichten von anderen bekommen, die sich bei mir bedankten, dass ich so engagiert bin und etwas gesagt habe.”

(kap)