LIFE
26/11/2018 11:24 CET

Lehrer und Autor Arne Ulbricht: "Bin froh, dass meine Kinder meine Bücher nicht lesen"

"Ich habe keine Ahnung, was Schriftsteller meinen, wenn sie davon erzählen, wie sehr sie beim Schreiben leiden."

Daniel Schmitt www.spitzlicht.de

Arne Ulbricht ist Lehrer, Vater und Autor mehrerer Bücher. Sein neues Buch “Vatertag!” (Klak-Verlag) ist kürzlich erschienen. Im Interview mit der HuffPost spricht er über das Schreiben, Inspiration und seine Kinder. 

HuffPost: Sie sind Ehemann, Vater, Lehrer – und Autor. Ihr neues Buch “Vatertag” ist gerade erschienen. Wie schaffen Sie es, sich die Zeit zum Schreiben zu nehmen?

Arne Ulbricht: Dass ich Zeit zum Schreiben finde, liegt vor allem daran, dass ich als Lehrer nur eine halbe Stelle habe, weil meine Frau reizenderweise voll arbeitet und das Geld verdient. Und leider brauchen mich die Kinder auch nicht mehr wirklich – sie sind 11 und 15. Letztendlich habe ich aber immer geschrieben. Selbst in der Examensphase und im Referendariat. Ich habe keine Ahnung, was Schriftsteller meinen, wenn sie davon erzählen, wie sehr sie beim Schreiben leiden. Ich finde, es gibt nichts Tolleres! Ich liebe es, und es entspannt mich total.

Haben Ihre Kinder Ihre Bücher gelesen?

Noch nicht, und darüber bin ich froh! Denn in “Nicht von dieser Welt” erschießt ein Lehrer Schüler, in “MAUPASSANT” geht es ständig um Sex, und in “Vatertag!” trifft ein Lehrer in einer Geschichte ausgerechnet in einem Bordell auf seine Schüler. Allerdings gibt es in “Vatertag!” auch eine Erzählung (LoL), die ich mit meinem Sohn (15) geschrieben habe und die wir auf Lesungen auch gemeinsam präsentieren werden. Ich gehe auch deshalb davon aus, dass mein Sohn bald anfangen wird, Papas Bücher zu lesen und Fragen zu stellen.

Was antworten Sie ihm, wenn er fragt, was Sie zu Ihren Büchern und Erzählungen inspiriert hat?

Ich bin ehrlich oder versuche es zu sein. Bei den Vatergeschichten ist das allein deshalb einfach, weil wir eine Geschichte wie gesagt gemeinsam geschrieben haben. Der wahre Kern dieser Geschichte ist seine Zockerei, die mich früher sehr geärgert hat. Darum herum habe ich mit ihm eine Geschichte erfunden. Bei anderen Geschichten arbeite ich oft mit Was-wäre-wenn-Situationen: Was wäre eigentlich, ginge ich als Vater und Lehrer in ein Bordell und... träfe dort meine Schüler! So etwas versteht er. (Meine Tochter nicht, aber die fragt auch nicht.)

Was wäre wenn ein gemeiner Mensch Ihnen folgenden Deal anbieten würde: Sie bekommen eine Million Euro (unversteuert), dürfen aber nie wieder schreiben.

Die Frage ist spannend. In meiner jetzigen Situation wäre die Antwort klar: Nein, danke, mir fehlt es an nichts. Aber wie wäre es, wenn ich alleinerziehend wäre? Hm... nein, dann auch nicht. Was nützt mir eine Million, wenn ich nicht das machen darf, was mir am meisten Spaß bringt?

Wäre die Welt ein besserer Ort, wenn alle ein bisschen mehr von dem tun würden, was sie wirklich lieben?

O... nein, lieber nicht. Viele Menschen denken zum Beispiel ständig an Sex - wie auch einige Protagonisten in “Vatertag!” Aber wenn man das “mehr tut”, kann es ja auch wie in mindestens einer Erzählung zu massiven Problemen kommen. Und Kinder spielen viel zu gern Ballerspiele, sie sollten es weniger tun - viele Erwachsene übrigens auch. Aber im Einzelfall kann es ungemein entspannen, wenn man sich Zeit nimmt für das, was einem wirklich wichtig ist.

Wann sollte man Ihr Buch “Vatertag” am besten lesen?

Jeden Abend eine Erzählung! Gerade für Paare ist es gewiss lustig, sich gegenseitig daraus vorzulesen und gemeinsam zu schmunzeln (über die titelgebende Erzählung) oder sich gemeinsam aufzuregen (über den Vater in Ein Jahr Vater) oder sich liebevoll zu streiten (über Kinobesuche). Es ist auch eine perfekte Unterwegslektüre. Die kurzen Erzählungen kann man auf einer U-Bahnfahrt lesen.

Mehr über Arne Ulbricht und seine Bücher erfahrt ihr auf seiner Homepage www.arneulbricht.de. Sein Buch “Vatertag!” könnt ihr hier bestellen. 

Klak Verlag