POLITIK
13/07/2018 11:43 CEST | Aktualisiert 13/07/2018 13:15 CEST

"Markus Lanz": Berater geißelt CSU-Machos – "im Ernstfall Frauen vorgeschickt"

"Die müssen sich dann die Schläge abholen, die sich die Männer verdient hätten."

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Der Journalist Michael Spreng bei "Markus Lanz" im ZDF. 
  • Bei “Markus Lanz” geht es am Donnerstagabend (mal wieder) um die CSU und ihren rabiaten Rechtskurs. 
  • Der Journalist Michael Spreng geht hart mit den Christsozialen ins Gericht – und geißelt vor allem die “Machokultur” der Partei. 

Über die CSU ist in diesen Tagen eigentlich alles gesagt. 

Asylstreit-Eskalation, “Asyltourismus”, “Anti-Abschiebe-Industrie” – die Christsozialen befinden sich vor der Landtagswahl in Bayern im Oktober auf einem strikten Rechtskurs. Oder anders gesagt: auf AfD-Niveau. 

Horst Seehofer, Markus Söder und Alexander Dobrindt vergiften den politischen Diskurs. Wochenlang haben sie die Bundesrepublik in Geiselhaft genommen, haben mit dem Ende der Union und der Großen Koalition gedroht. 

Um dann am Ende “den Schwanz einzuziehen” (Zitat des Grünen-Chefs Robert Habeck bei “Markus Lanz”) und einen abgehalfterten Asyl-Kompromiss vorzulegen, der mit den Brachialforderungen der CSU von vor einigen Wochen kaum noch etwas zu tun hat. 

Es sei eine unsägliche Art der Politik, findet auch der Journalist und Politik-Berater Michael Spreng am Donnerstag bei “ Markus Lanz”

Und analysiert: “Ich glaube, wir erleben das Ende der bayerischen Machokultur.”

“Die Landtagswahl wird ein Desaster”

Seehofer, Söder, Dobrindt – sie alle würden im Herbst für ihre politischen Verfehlungen bestraft werden, argumentiert Spreng, der 2002 den Wahlkampf von CSU-Politiker Edmund Stoiber managte. 

“Denn die Landtagswahl wird ein Desaster”, ist er sich sicher. “Da bin ich bereit, große Wetten einzugehen.”

► Dann prangert der Journalist an, wie sich die Herren in der CSU um die Verantwortung für ihr Handeln drücken. 

“Immer wenn es ernst wird, dass hat man in letzten Talk-Sendungen gemerkt, dann werden die Frauen vorgeschickt – Dorothee Bär oder Ilse Aigner”, sagt Spreng.

Tatsächlich hatten die CSU-Vize und die stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin zuletzt in den Sendungen “Illner” und “Maischberger” versucht, den Kurs der CSU zu verteidigen – und waren dafür von allen Seiten mit heftiger Kritik bedacht worden.   

Spreng sagte dazu: “Die müssen sich dann die Schläge abholen, die sich die Männer verdient hätten.”

Doch die Machokultur, wie sie von Seehofer, Söder und Dobrindt innerhalb der Partei betrieben worden sei, sei nun in ihrem Endstadium. 

Zum Glück, laut Spreng.

Mehr zum Thema: Dunja Hayali wirft Merkel und Seehofer vor, Bürger zu vergraulen

Spreng über die “Tagikomödie” der CSU 

Denn was die CSU in der Bundespolitik aufführe, sei eine Tragikomödie, sagt Spreng. “Ein Trauerspiel mit absoluten und lächerlichen Zügen.” 

Die Wähler würden sich davon natürlich angewidert abwenden. Und ein großer Teil von ihnen leider hin zur AfD. 

Er verstehe an diesem Punkt die CSU nicht, sagt Spreng. “Die rennt jetzt zum dritten Mal mit dem Kopf gegen die Wand. Sie hat sich zweimal blutige Beulen geholt, aber versucht es eben nun noch einmal.” 

Bei der Europawahl habe die Partei einen europa-kritischen Wahlkampf mit Peter Gauweiler geführt, bei der Bundestagswahl seien es das Thema Obergrenze und die Angriffe auf Merkel gewesen – beide Male habe die CSU mit ihrer Ausrichtung Stimmen verloren. 

Beide Male habe sie die AfD gestärkt. Der dritte Versuch, rechts an der AfD vorbei zu kommen, sei ihm da ein Rätsel. 

“Ich kann mir das nur so erklären”, sagt Spreng. “Da kommt eine Geisterfahrer-Warnung – aber die sagen: ‘Wieso ein Geisterfahrer? Hier sind doch tausende Geisterfahrer auf der Straße!’” 

Die CSU sei einfach nicht mehr bereit, zu wenden. Stattdessen würden sich Seehofer, Söder und Dobrindt in ihren rechten Aussagen (“Asyltourismus”, “Belehrungsdemokratie”) nur überbieten. Die Folge sei eine “Maßlosigkeit der Angriffe”, auch auf die Kanzlerin. 

► Dabei wäre der Ausweg gewesen, sich nach dem EU-Gipfel auf Angela Merkel zuzubewegen, sagt Spreng. 

Spreng urteilt knallhart: “Alles andere ist nur zum Schaden der CSU.” 

(ben)