POLITIK
11/01/2018 08:39 CET | Aktualisiert 11/01/2018 16:19 CET

Markus Lanz: Feuerwehrmann berichtet über brutale Angriffe auf Rettungskräfte

Lanz musste ungläubig nachfragen: “Im Ernst?”

  • Ein Feuerwehrmann hat bei “Lanz” über Übergriffe auf Rettungskräfte berichtet
  • “Es hat exorbitant zugenommen”, sagte er
  • Im Video oben: “Gewürgt, zu Boden gerissen” – Feuerwehrmann hat eine Nachricht an alle Gewalt-Idioten

Die Attacken auf Rettungskräfte häufen sich.

Nach Angriffen auf Sanitäter und Feuerwehrleute in mehreren Städten in der Silvesternacht ist in Deutschland eine Diskussion über die zunehmende Verrohung der Gesellschaft entbrannt.

In der ZDF-Talkshow von Moderator Markus Lanz äußerte sich mit dem Feuerwehrbeamten Philipp Baumann am Mittwochabend ein Betroffener zu der Gewalt, mit der er in seinem Job konfrontiert ist.

“Gerade die verbale Gewalt hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen”, sagte Baumann. Sein subjektives Gefühl sei, dass auch eine deutliche Steigerung an körperlichen Übergriffen festzustellen sei.

Markus Lanz hakte nach: “Nehmen Sie uns mal mit. Was sind die schlimmsten Dinge, die Ihnen widerfahren?” Und Baumann hatte einiges zu berichten.

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Baumann: “Alle Rettungskräfte erleben das”

“Es hat exorbitant zugenommen”, sagte er im Hinblick auf Anfeindungen und Angriffe. “Jeder meiner Kollegen kann eine Geschichte erzählen.”

Das erlebe Baumann zum Beispiel bei Schulungen, die er gibt. Wenn er dort die  Teilnehmer frage, wer im vergangenen Jahr solche Erfahrungen gemacht hätte, würden sich alle melden.

Lanz fragte ungläubig nach: “Im Ernst?” Baumann musste bejahen.

“Kollegen nehmen aus Angst Namensschild ab”

Der Feuerwehrmann nannte Beispiele: Er berichtete von einem offenbar alkoholisierten Verletzten, der mit einem Gasrevolver in die Luft schoss, als die Rettungskräfte ihm helfen wollten.

Und von Menschen, die schlicht keine Rücksicht auf die Lebensretter nähmen. “Ein Taxifahrer sieht gerade, dass wir einen Verletzten in den Rettungswagen einladen (...) und ruft uns zu: ‘Verpisst euch endlich, ich muss zur Arbeit!’”

“Das ist Standard”, sagte Baumann.

ZDF
Lanz und Baumann.

Auch werde er immer wieder bespuckt und bedroht. “Ich find dich zuhause” höre man häufig.

“Ich habe Kollegen, die nehmen ihr Namensschild mittlerweile ab”, berichtet der Feuerwehrmann. Aus Angst tatsächlich Opfer von Racheaktionen zu werden.

Täter aus allen Bevölkerungsschichten

Die Verrohung sei dabei in allen Bevölkerungsgruppen zu beobachten, sagte Baumann. Quer durch die sozialen Schichten, “Männer als auch Frauen”.

Die größte Gefahrenquelle seien jedoch noch immer alkoholisierte Männer zwischen 20 und 39. Das bestätige auch die Studienlage.

Oft seien die Täter Angehörige oder Freunde derjenigen Menschen, die die Rettungskräfte eigentlich versorgen sollten. Immer wieder seien dabei auch Drogen im Spiel.

Politiker warnen: “Angriffe auf Demokratie”

Politik und Gerwerkschaften sind alarmiert. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Roland Wöller (CDU), sagte zuletzt der “Welt”: “Wer Rettungskräfte attackiert, greift unseren Rechtsstaat und die Demokratie an.”

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erklärte angesichts der neuesten Attacken in der “Bild”, es handle sich um einen “unfassbaren Zustand“.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery schlug ebenso wegen der zunehmenden Gewalt gegen Ärzte und das Rettungspersonal Alarm. 

“Wir erleben derzeit eine totale Verrohung bei einigen Patienten und ihren Angehörigen gegenüber medizinischem Personal”, sagte Montgomery der “Rheinischen Post” .

Feuerwehrmann Baumann kennt das alles nur zu gut – leider.

(mf)