POLITIK
13/06/2018 10:02 CEST | Aktualisiert 13/06/2018 11:41 CEST

"Markus Lanz": FDP-Mann Brüderle bedient jetzt AfD-Klientel

Die "Quasselbude in Brüssel" könne nicht ernst genommen werden.

Screenshot / ZDF
"Markus Lanz": FDP-Politiker Rainer Brüderle zeigte sich in der ZDF-Talkshow angriffslustig
  • FDP-Politiker Rainer Brüderle zeigte sich am Dienstagabend bei “Lanz” äußerst angriffslustig.
  • Er kritisierte Deutschland und die EU, die sich mit den USA “nicht auf Augenhöhe” bewegen würden.

“Ich bin radikaler als früher!” Es schien, als wollte Rainer Brüderle das Publikum gleich zu Beginn darauf vorbereiten, was er ihm in den folgenden 75 Minuten bieten würde.

Der FDP-Politiker zeigte sich im ZDF-Talk “Markus Lanz” so angriffslustig wie selten zuvor – und knöpfte sich neben der Europäischen Union auch die deutsche Politik und Berlins Rolle in der Welt vor. 

Die Gäste bei “Markus Lanz”:

Christian Hacke, Politikwissenschaftler 

► Miriam Meckel, Publizistin und Lebensgefährtin der ARD-Talkmasterin Anne Will

► Jochen Breyer, TV-Moderator (unter anderem beim “Aktuellen Sportstudio”)

Brüderle: “Quasselbude in Brüssel” erreicht die Menschen nicht

Besonders kritisch betrachtete der ehemalige Bundeswirtschaftsminister das Verhältnis der EU und Deutschlands zu den USA: Die Amerikaner könnten die “Quasselbude in Brüssel” nicht ernst nehmen, da diese keine Ordnung hinter ihre europäische Idee bekomme.

Brüderle bediente damit die populistische Meinung über die EU-Bürokratie, die vor allem Geld ausgebe. aber keine vernünftige Gesetze schaffe. Ein Vorurteil, das auch AfD-Politiker gerne pflegen

Die Europäer müssten jetzt zusammen stehen, warf Sportmoderator Jochen Breyer ein. “Das sehe ich aktuell nicht”, erwiderte Brüderle. Prinzipiell betrachte er Europa aber als “Chance” – sofern Einigkeit insbesondere zwischen Frankreich und Deutschland bestehe

Dies sei derzeit, unter anderem beim Thema europäische Streitkräfte, jedoch keinesfalls gegeben. Insgesamt sei die EU “zu vorsichtig”, spreche keinen Klartext, verliere somit den Zuspruch der Menschen und stärke den Populismus, befand Brüderle.

Screenshot / ZDF
Politikwissenschaftler Christian Hacke stimmte mit Brüderle in vielen Punkten überein.

Deutschland sei “nie auf Augenhöhe mit den USA” gewesen

Und: Auch das “Raumschiff Berlin” erreiche die Bürger mit seiner Politik nicht mehr. Deutschland sei darüber hinaus “in Wahrheit nie auf Augenhöhe mit den USA gewesen”, meckerte Brüderle.

Das Land sei heute viel eher eine “Mittelmacht”, als dass es in der Weltpolitik in vorderster Reihe agiere: “Wir müssen den Hintern hochkriegen, damit wir noch eine Rolle spielen.”

Politikwissenschaftler Christian Hacke stimmte in diesem Punkt zu. Deutschland bewege sich innerhalb der Nato “nicht immer auf Augenhöhe” – sowohl finanziell als auch militärisch.

Kritik an Bundeswehr: “In den USA wäre von der Leyen schon entlassen”

Ein Staat sei “politisch stärker, wenn er intakte Streitkräfte hat”, erklärte Hacke. In Deutschland würde in diesem Bereich jedoch “nichts fliegen und nichts schwimmen”, spielte er auf den aktuellen Engpass der Bundeswehr an.

Hacke warnte: “In Amerika wäre eine Verteidigungsministerin von der Leyen längst entlassen”.

(mf)