ELTERN
04/07/2018 10:49 CEST

Landsberg: Kita weigerte sich, Kindern lebenswichtige Medikamente zu geben

Ein Mädchen hätte sterben können.

Nadezhda1906 via Getty Images
Die Erzieher hätten sogar eine Schulung einer Kinderärztin bekommen, um zu lernen, wie man das Medikament verabreicht.
  • In Landsberg haben Eltern die Kita “Wirbelwind” verklagt.
  • Die Erzieher weigerten sich, der fünfjährigen Tochter, die unter einer Allergie leidet, Medikamente zu geben. 

Um sein Kind mit einem guten Gefühl in einer Kita abzugeben, muss man den Erzieherinnen und Erziehern vertrauen. Man muss die Gewissheit haben, dass sie sich um das Kind liebevoll kümmern und auch im Notfall wissen, was zu tun ist. 

Dieses Gefühl hatte Nicole Nagorny vermutlich nicht, wenn sie sich von ihrer Tochter in der Kita “Wirbelwind” in Landsberg verabschiedete. 

Denn: Die Fünfjährige ist allergisch auf Hülsenfrüchte. Sie kann innerhalb weniger Minuten ersticken, wenn sie beispielsweise eine Erdnuss isst. Die Atemwege schwellen an und sie braucht auf der Stelle Notfallmedizin. Das berichtet die “Mitteldeutsche Zeitung (MZ)”. 

Erzieher weigerten sich, Medikamente zu verabreichen

Das Mädchen hat eine Notfalltasche dabei, in der sich Tropfen und eine Spritze befinden. Doch die Erzieherinnen und Erzieher sollen sich geweigert haben, diese Medikamente im Notfall zu verabreichen. Die Kita-Leitung habe es ihnen so vorgeschrieben, wie die Zeitung erklärt.

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Die Begründung: Erzieher sind pädagogisches und nicht medizinisches Personal.

Nagorny habe im Mai einen Brief von der Kita-Verwaltung erhalten, der laut “MZ” auch an alle anderen städtischen Kindergärten herausgegangen sein soll. 

Im Notfall sollen laut dem Brief der Verwaltung die Erzieher nur Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten. Alles andere wäre verboten. 

“Sollte ein Erzieher trotz unseres Hinweises im Notfall ein Notfallmedikament geben und dabei ein Fehler passieren, haftet dieser privatrechtlich”, heißt es in dem Schreiben.

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Die Eltern schalteten ihren Anwalt ein

Jens Stiehler, der Anwalt, den die Eltern daraufhin einschalteten, erklärte der Zeitung: “Die Erzieher wissen alle um die Allergie der Tochter meiner Mandantin und sie wissen auch, was sie für Medikamente geben müssen.”

Das Personal soll sogar eine Schulung von einer Kinderärztin bekommen haben, die ihnen erklärt hat, wie sie die Medikamente anwenden müssen. 

Die Eltern der Fünfjährigen zogen mit ihrem Anwalt vor Gericht. Dieses entschied, dass die Kita erst einmal die Medikamente verabreichen muss, bis der Fall strafrechtlich geklärt sei. 

Der Leipziger Rechtsanwalt Alexander Klatt erklärte laut eines Beitrags des Mitteldeutschen Rundfunks, dass die Rechtslage in solchen Fällen eigentlich klar sei: Wenn man keine Hilfe leisten würde und jemand dadurch zu Schaden kommt, ist das eine Straftat. 

(ks)