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14/07/2018 19:07 CEST | Aktualisiert 15/07/2018 16:23 CEST

Lahm legt in ARD mit DFB-Kritik nach: "So kann es nicht weitergehen"

Klare Worte im Interview.

Screenshot ARD
  • Nach seiner viel beachteten Analyse der Probleme der Nationalmannschaft bei der WM in Russland erklärte sich Fußballer Lahm in der ARD.

  • Im Interview legte er mit seiner Kritik am DFB nach. “Ich habe eine Diskussion eröffnet”, sagte er. 

Es war Philipp Lahms erstes Interview nach der Veröffentlichung eines bemerkenswerten Beitrags. Der Fußballweltmeister von 2014 stellte sich am Samstag vor die Kameras der ARD.

Erst am Freitag hatte er mit einem Text für die das Karrierenetzwerk “Linkedin” für Aufsehen gesorgt. Darin hatte er von Nationaltrainer Jogi Löw einen anderen Führungsstil gefordert.

“Ich bin überzeugt davon, dass Jogi Löw seinen kollegialen Führungsstil der letzten Jahre ändern muss, wenn er mit der neuen Generation von Nationalspielern wieder Erfolg haben möchte. Das ist kein Zeichen der Schwäche, sondern der Weiterentwicklung”, schrieb er.

In der ARD legte Lahm jetzt nochmal nach.

“Wir sind uns sicher alle einig: So, wie es jetzt passiert ist, kann es nicht weitergehen”, sagte Lahm. “Wir müssen überall Lösungen finden und analysieren, welche Fehler wir gemacht haben.”

Lahm: “Müssen überall in die Analyse”

Auf die Frage, wo es nun in die Analyse gehen müsse, sagte der frühere Bayern-Profi: “Wenn man in der Vorrunde ausscheidet, überall.”

Bei jedem der drei WM-Spiele habe der Gegner bessere Spieler aufs Feld geschickt. “Deswegen hat es sicherlich sicher an mehreren großen Schrauben gemangelt”, sagte Lahm.

Angesprochen auf seinen Beitrag sagte er: 

“Ich habe eine Diskussion eröffnet. Dass wir alle drüber sprechen und die Dinge angehen. Wir wollen, dass Deutschland wieder erfolgreich Fußball spielt.”

Zu der Affäre um Mesut Özil sagte er: “Ich hätte als Kapitän das Gespräch mit dem Spieler gesucht. Es ist wichtig, dass man Stellung dazu als Spieler bezieht.”

Schon in seinem Beitrag hatte Lahm geschrieben, es bedürfe einer klaren Ansprache, die Löw offenbar nicht gepflegt habe.

“Diese klare Ansprache hätte es zum Beispiel gebraucht, als die Affäre um um das gemeinsame Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hochgekocht ist.”

Lahm: “Meine Hoffnung ist, dass wir besser werden”

Stattdessen habe sich das Trainerteam um Löw “darauf verlassen, dass die praktizierte Führungskultur der vergangenen, erfolgreichen Jahre ausreicht, um einmal mehr erfolgreich zu sein”.

Auf die Frage, ob sich Lahm mit seinen Wortmeldungen für höhere Ämter im DFB empfehle, sagte er:

“Das kann man so sehen. Ich bin aber nun Botschafter der Europameisterschaft 2024. Meine Hoffnung so wie von jedem Deutschen ist, dass wir besser werden. Dass man wieder so ein Turnier genießen kann.”

Lahms Analyse im Gewand eines Beitrags für ein Führungskräfteseminar kommt in der Form überraschend.

Gerade bei ihm hatte man immer eine große Nähe zu Löw beobachtet und Lahm war als Kapitän war Lahm in Entscheidungsprozesse eng eingebunden gewesen.

(sk)