POLITIK
05/03/2018 17:34 CET | Aktualisiert 05/03/2018 19:57 CET

"Machopartei": Die CSU besetzt all ihre Spitzenposten mit Männern –

Hoffnungsträgerinnen gingen leer aus.

Michael Dalder / Reuters
Horst Seehofer, Markus Söder, Markus Scheuer (v. l.)
  • Die CSU vergibt alle Spitzenposten in Berlin an Männer
  • Kritiker sehen das als Beleg dafür, dass die Christsozialen eine “Machopartei” sind – und die CSU schweigt

Die CSU besetzt in Berlin drei Ministerposten. Mit Horst Seehofer, Gerd Müller, Andreas Scheuer

Landesgruppenchef und Parlamentarischer Geschäftsführer wurden nach der Wahl ebenfalls neu besetzt. Mit Alexander Dobrindt und Stefan Müller.

Fünf Spitzenposten im Bund. Fünf Männer.

Parteichef bleibt erst einmal Horst Seehofer. Neuer Ministerpräsident soll Markus Söder werden. Neuer Generalsekretär wird Markus Blume. 

Drei Spitzenposten in Bayern. Drei Männer.

“CSU bleibt eine Machopartei”

Florian Pronold, SPD-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär im Umweltminsterium schreibt dazu auf Twitter: “Die CSU bleibt eine Machopartei.”

Denn Dorothee Bär, die Staatsministerin im Kanzleramt werden soll, dürfe sich zwar mit einem “neuem Titel schmücken, der  aber keinen Aufstieg bedeutet”

Das sieht auch FPD-Chef Christian Lindner so. “Leider nur ein Trostpflaster”, schreibt er über den neuen Posten Bärs.

Bär twitterte zwar an den “lieben Christian” zurück, sie freue sich auf ihre neue Aufgabe. Aber Kritiker überzeugt das nicht.

Ulrich Kelber, ebenfalls SPD-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär, findet das Vorgehen der CSU “dreist”.

Deutschlandradio-Journalistin Katharina Hamberger bringt es auf den Punkt: “Damit bleiben Ilse Aigner und Gerda Hasselfeldt nun weiter die einzigen Frauen, die jemals CSU-Bundesministerinnen waren.”

Viele Gründe, wenig gute Argumente

Nun ist Frausein kein Wert an sich. Und bei Personalentscheidungen spielen viele Gründe eine Rolle.

Hoffentlich Sachgründe wie Qualifikationen. Aber ob sich tatsächlich etwa für den Posten des Landesgruppenchefs tatsächlich keine Frau hätte finden lassen, die für den Posten besser geeignet wäre als der als Minister recht glücklose Dobrindt, ist fraglich.

Aber auch Parteitaktik wie die in Bayern hochsensible Frage des Regionalproporz’ und die anstehenden Landtagswahlen und nicht zuletzt persönliche Empfindsamkeiten und Loyalitäten hat die CSU immer wieder berücksichtigt. Bis an die Grenze des Brechreizes diskutiert.

Wenn dann Frauen schlicht ignoriert werden, ist das eben auch ein Signal. Die Frage war der Partei offenbar weniger wichtig als die anderen. 

Man würde gerne wissen, was die CSU dazu sagt. Entsprechende Anfragen der HuffPost bei der CSU in München, bei der CSU-Landesgruppe in Berlin, bei der Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Frauen im Landtag und bei zwei CSU-Politikerinnen der Gruppe der Frauen der Unionsfraktion im Bundestag blieben bislang unbeantwortet. Termine, heißt es.

Kabarettistin Luise Kinseher alias Mama Bavaria hatte Recht, als sie der CSU auf dem Nockherberg vergangene Woche die Leviten las und über Frauen in der Partei sagte: “In der CSU da gibt es kein #metoo. Da heißt es von vorne herein ‘you not’.”

(ben)