POLITIK
27/08/2018 20:48 CEST | Aktualisiert 27/08/2018 21:58 CEST

Kritik am Einsatz der Polizei in Chemnitz: "Können Menge nicht kontrollieren"

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Matthias Rietschel / Reuters

► Nach den gewalttätigen Ausschreitungen in Chemnitz haben sich am Montagabend mehrere tausend Menschen in der sächsischen Stadt an Protestdemonstrationen beteiligt.

► Allein an der von Rechten getragenen Kundgebung beteiligten sich nach Schätzungen weit mehr als 2000 Menschen. Auch auf der Gegenseite waren weit mehr als 1000 Demonstranten vor Ort.

► Es gibt mehrere Verletzte, weil beide Seiten mit Flaschen warfen und Feuerwerkskörper zur Explosion brachten. Viele Journalisten vor Ort berichten am Montagabend, die Polizei verliere die Kontrolle über die Situation.

Darum gibt es Kritik:

Journalisten des “Zeit Online”-Projektes “Störungsmelder” twitterten: “Die Polizei in Chemnitz scheint der Masse der rechtsextremen Demonstranten nicht gewachsen. Nahezu ungehindert kann sich der Mob vorwärtsbewegen. Die Beamten wirken mit Material und Personal unterlegen.”

Zahlreiche Demonstranten gehören zur Neo-Nazi-Partei Dritter Weg, auch NPD-Politiker sind laut HuffPost-Informationen vor Ort, dazu verschiedene Hooligan-Gruppierungen.

Immer wieder zeigten Teilnehmer den Hitlergruß oder vermummten sich. 

Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt kritisierte: “Wenn man vor den Augen der Polizei unbehelligt den Hitlergruß zeigen kann, ist das Einsatzkonzept nicht hart genug. Gerade nach den Ereignissen von gestern müssen solche Leute aus der Menge gezogen und festgenommen werden.

Zu Berichten der Polizei, es gehe “friedlich” zu, schrieb “Tagesspiegel”-Reporter Matthias Meisner, er halte diese Definition von “friedlich” für “eigenwillig”.

Polizei hatte ausreichend Beamte versprochen

Tatsächlich sind die Beamten vor Ort zahlenmäßig weit unterlegen. 

Journalist Martin Hoffmann schrieb: “Was man schon jetzt fragen muss: Warum die Polizei ganz offensichtlich viel zu wenig Einheiten in Chemnitz hat, um die Nazi-Demo im Griff zu behalten, obwohl heute Mittag auf der Pressekonferenz noch das Gegenteil behauptet wurde.”

Noch am Nachmittag hatte die Chemnitzer Polizeipräsidentin Sonja Penzel mitgeteilt, es seien ausreichend Kräfte herangezogen worden.

Die Polizei werde nicht zulassen, dass die Stadt von den Demonstranten für deren Zwecke vereinnahmt werde. Spätestens seit 20 Uhr ist klar: Zumindest dieser Plan scheiterte.