POLITIK
04/12/2018 06:48 CET | Aktualisiert 04/12/2018 07:20 CET

Kriminologe warnt nach Mordfall in NRW: “Nicht der Pass ist das Problem"

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dpa
Ein Polizist am Eingangstor des Flüchtlingsheims in Sankt Augustin am Tag des Funds der Leiche eines 17-jährigen Mädchens.

► Im Fall der in Sankt Augustin bei Bonn getöteten 17-Jährigen warnt der Kriminologe Christian Pfeiffer vor falschen Rückschlüssen auf den Migrationshintergrund des Tatverdächtigen.

► Tötungsdelikte junger Menschen in Deutschland würden in den meisten Fällen von “sozial ungefestigte Personen begangen, die eine Trennung einfach nicht aushalten”, sagte der ehemalige Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen.

► Dem “Kölner Stadt-Anzeiger” sagte der Kriminologe: “Nicht der Pass ist das Problem, sondern die soziale Sicherheit beziehungsweise Unsicherheit.”

Das sagte der Kriminologe über Migranten und Machokultur: 

Weiter sagte Pfeiffer: “Wer keinen Boden unter den Füßen hat, ist eher in Gefahr, im Konfliktfall zu töten.“ Dies treffe auf Migranten stärker zu als auf Deutsche.

► Pfeiffer erklärte im Interview, dass eine gute soziale Vernetzung wichtig sei:

“Wer sozial gut vernetzt ist, beruflich oder in der Ausbildung mit klaren Perspektiven unterwegs ist, eine unterstützende Familie hat, hält den Frust einer Trennung durch.”

► Für die Gewaltbereitschaft männlicher Jugendlicher entscheidend seien die Männlichkeits-Vorstellungen in der Gesellschaft:

″Überall dort, wo männliche Jugendliche in Kulturen männlicher Dominanz aufwachsen, fällt es ihnen schwerer, eine von einer Frau gewünschte Trennung zu akzeptieren. Das ist ein Grundproblem der Immigration.”

Der Kriminologe verweist auf eine Befragung über Machokultur: 

Im Interview berichtete Pfeiffer, dass sein Forschungsinstitut bereits vor 20 Jahren Jugendliche zur Akzeptanz von Machokultur befragt habe.

Dabei wurden die Befragten mit folgendem Satz konfrontiert: “Der Mann ist das Oberhaupt der Familie, alle anderen haben zu gehorchen.”

► 41 Prozent der türkischstämmigen Jungen stimmten laut Pfeiffer zu, zehn Prozent der deutschen.

► Als die Befragung 15 Jahre später wiederholte worden sei, haben laut Pfeiffer nurmehr zehn Prozent der Türkischstämmigen zugestimmt – bei den Deutschen seien es sogar nur noch fünf Prozent gewesen. 

Pfeiffer machte deutlich, dass die Studie “kulturelle Lernprozesse” aufzeige.

Das müsst ihr über den Fall in Sankt Augustin wissen: 

► Im Fall der in Sankt Augustin bei Bonn getöteten 17-Jährigen hat der Verdächtige die Tat gestanden.

► Gegen den 19 Jahre alten Mann mit deutscher und kenianischer Staatsangehörigkeit wurde Haftbefehl wegen Mordes beantragt.

► Ermittler hatten die Leiche der Jugendlichen am Sonntagabend im Zimmer des Verdächtigen gefunden.

(jg)