POLITIK
27/11/2018 08:33 CET | Aktualisiert 28/11/2018 09:07 CET

Russland: "Tagesthemen"-Kommentator spricht 3 bittere Wahrheiten zur Krim aus

“Die Europäer haben dem wenig entgegenzusetzen.”

  • Der WDR-Journalist Stephan Stuchlik hat für die “Tagesthemen” die aktuelle Eskalation an der Krim kommentiert.
  • Stuchlik sprach in seinem Kommentar drei Wahrheiten über den verschärften Konflikt zwischen Russland und der Ukraine aus. 
  • Im Video oben seht ihr den Zwischenfall im Asowschen Meer, der als Auslöser des aktuellen Konflikts gilt.

“Um ehrlich zu sein, wir haben uns alle mehr oder weniger an die Situation in der Ukraine gewöhnt”, begann der WDR-Journalist Stephan Stuchlik seinen “Tagesthemen”-Kommentar über die aktuelle Zuspitzung des Krim-Konflikts.

► Was war passiert? Am Sonntag ging die russische Marine auf der Straße von Kertsch, den Gewässern zwischen russischem Festland und der Krim, aggressiv gegen ukrainische Schiffe vor. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Wegen mehrerer Ramm-Aktionen gegen ukrainische Schiffe und Schüssen verhängte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko am Montag das Kriegsrecht.

Drei Wahrheiten über den Konflikt über die Krim-Krise

Politiker, Wirtschaftsvertreter und so manche Redaktionen hätten laut dem WDR-Journalisten Stuchlik im Vorfeld der neuen Eskalation zwischen Russland und der Ukraine gedacht: “Da war ein Konflikt, ist im Moment ruhig – wird schon gut gehen.”

Dann machte der Tagesthemen-Kommentator eindrücklich deutlich, wie falsch diese Einschätzung ist. Stuchlik sprach drei Wahrheiten über die jüngste Eskalation zwischen Russland und der Ukraine aus:

1. “Es muss nicht immer gut gehen”

► Stuchlik fragte, wer wirklich garantieren könne, “dass die russischen Kapitäne ihre Nerven im Zaum halten?”

► Wer garantiere, dass in der Ukraine, “einem Land im aufgeheizten Wahlkampfmodus, die Lage nicht außer Kontrolle gerät?”

2. “Wir wissen, wer Schuld ist”

“Wir wissen, wer schuld ist” – das sei eine Wahrheit, die nur wenige aussprechen wollen würden, betonte Stuchlik. Selbst wenn noch nicht gänzlich klar sei, wer konkret für den ersten Vorfall vom Sonntag verantwortlich sei. 

“Russland hat völkerrechtswidrig die Krim besetzt”, betonte Stuchlik. Russland beherrsche so den Zugang zum Asowschen Meer und könne der Ukraine die Zufahrt zu wichtigen Häfen sperren.

Dann wurde der Kommentator noch deutlicher: 

“Russland hat, bitte alle mal hinsehen, aus Unrecht Fakten gemacht.”

3. “Die Europäer haben dem wenig entgegenzusetzen”

Europas Handlungsspielraum ist laut Stuchlik sehr begrenzt. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) habe zwar eine Vermittlerrolle für Deutschland und Frankreich vorgeschlagen.

Aber:

“Vielleicht sollte jemand der Bundesregierung sagen, dass es schwer ist in Kiew als neutraler Vermittler aufzutreten, wenn man gleichzeitig zusammen mit Russland die nächste Milliardenschwere Gaspipeline baut.”

► Besonders brisant: Die Pipeline habe das Ziel, die Ukraine zu umgehen, sagte der Journalist. Viel Diplomatie der letzten Jahre sei in “diesen großen Graben zwischen Außen- und Wirtschaftspolitik” versackt, machte Stuchlik deutlich.

► “Wer nicht eines Tages wirklich von einem kriegerischen Konflikt in Europa überrascht werden will”, betonte Stuchlik, der sollte sich dringend Gedanken über eine “andere und schlüssige Politik” machen.

“Habe ich gesagt: ‘überrascht’?”, fragte Stuchlik rhetorisch. Dann erinnerte der Journalist an etwas, das aus seiner Sicht viele vergessen: Der Krieg findet bereits statt:

“In der Ostukraine sterben täglich Menschen – auf beiden Seiten. Das haben wir, seien wir ehrlich, ganz gut verdrängt.”

Seinen Kommentar schloss er mit einem Appell: “Es wäre dringend Zeit, aufzuwachen.”

(ll)