POLITIK
11/05/2018 10:20 CEST | Aktualisiert 11/05/2018 10:34 CEST

Krieg zwischen Israel und Iran? 3 Dinge, die ihr jetzt wissen müsst

Auf den Punkt.

dpa
Israel bereitet sich laut Berichten schon auf einen Krieg vor. 

Es waren zwei beispiellose Angriffe. In der Nacht auf Donnerstag sollen iranische Einheiten erstmals israelische Stellungen von Syrien aus attackiert haben. Das teilte die israelische Armee mit – die wiederum mit einem massiven Bombardement auf iranische Stellungen in Syrien reagierte.

Der Iran dementiert zwar, an dem Angriff beteiligt gewesen zu sein.

Dennoch: Die Auseinandersetzung zwischen beiden Staaten, die lange im Hintergrund des Syrien-Kriegs stattfand, kommt nun ans Licht. Die Wahrscheinlichkeit eines israelisch-iranischen Krieges – auf den Punkt gebracht.

1. Die Ausgangslage beider Staaten in Syrien:

► Laut der israelischen Armee feuerten die Al-Kuds-Brigaden, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarde, Raketen auf israelische Stellungen auf den Golanhöhen ab. Es habe es sich um den ersten Angriff des Irans auf Israel von Syrien aus gehandelt. Teheran ist ein Verbündeter des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

► Ein Sprecher des Sicherheitsausschusses des iranischen Parlaments sagte dagegen am Donnerstag, Israel habe über den Angriff gelogen. Der Iran habe keine militärischen Stützpunkte in Syrien, sondern lediglich militärische Berater.

► Westliche Geheimdienste haben allerdings in der Vergangenheit berichtet, dass der Iran seine militärische Präsenz in Syrien in den vergangenen Jahren mit Stützpunkten und eigenen Truppen ausgebaut habe. Darüber hatte etwa der britische Sender BBC im November vergangenen Jahres berichtet. 

2. Experten sprechen von einer neuen Phase des Konflikts:

► Experten sehen in den israelischen und mutmaßlich iranischen Angriffen eine gefährliche Entwicklung – die zu einer Eskalation führen könnte. 

► Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman beteuerte am Donnerstag zwar: “Wir haben kein Interesse an einer Eskalation.” Er fügte aber hinzu: “Wir müssen auf jedes Szenario vorbereitet sein.”

► Auf einer Karte präsentierte die israelische Armee die Angriffe – und zeigte damit auch, wie gut sie über die militärischen Positionen in Syrien informiert ist. 

► Shanna Kirschner, Syrien-Expertin am Allegheny College, sagte dem US-Portal “Vox”: “Die grenzüberschreitenden Angriffe beider Seiten in den letzten 24 Stunden stellen eine gefährliche, aber nicht überraschende Eskalation dar.” Israel hatte bereits in der Vergangenheit Stellungen in Syrien bombardiert.

► Friedensforscher Michael Brzoska denkt, dass sich die Wahrscheinlichkeit eines Krieges erhöht hat. Er sagte dem Deutschlandfunk: “Die Gefahr wächst, dass der Iran über Israel und dann auch die USA in eine militärische Konfrontation geraten könnte.”

► Mara Karlin, Expertin beim Thinktank Brookings Institute, betont im Gespräch mit dem US-Portal “Axios”, dass alle Seiten sich der Gefahr einer Eskalation bewusst seien. “Aber es gibt so viele verschiedene Akteure, dass es viel Raum für jemanden gibt, zu sagen: ‘Lass es uns machen’.”

3. Israel bereitet sich laut Berichten schon auf den Krieg vor:

► Laut einem Bericht der britischen Boulevard-Zeitung “The Sun”, bereite sich Israel bereits auf einen Krieg vor. Ein Reporter des Blatts sprach drei Tage in Jerusalem mit israelischen Politikern und Militärvertretern.

► Am Montag feiert der Staat Israel seinen 70. Geburtstag. Das Militär rechnet daher mit Anschlägen durch die palästinensische Terrorgruppe Hamas. Aber auch die iranischen Truppen und die Soldaten der libanesischen Terror-Miliz Hisbollah an der Grenze Israels stellen eine Bedrohung für den Staat dar.

► “Es wird Blutvergießen geben”, sagte Amos Harel, ein Sicherheitsexperte für die israelische Zeitung “Haaretz”, der “Sun”. “Die Frage ist nur, wie viel.”

Die Gefahr eines Krieges – auf den Punkt gebracht: 

Die Lage an der israelischen Grenze ist angespannt wie lange nicht mehr. Experten gehen davon aus, dass alle beteiligten Seiten keine militärische Eskalation wagen würden – aus Angst vor den Folgen.

Allerdings: Der Syrien-Krieg ist unübersichtlich – und die Folgen eines Angriffs eines Akteurs sind schwer abschätzbar.

(ame)