POLITIK
14/01/2019 06:42 CET | Aktualisiert 14/01/2019 08:43 CET

Kretzschmar sagt, es gebe keine Meinungsfreiheit und startet absurde Debatte

Darf er das sagen?

Cathrin Mueller via Getty Images
Ex-Handballer Kretzschmar.

Ex-Handballstar Stefan Kretzschmar hat in einem Interview behauptet, dass er als Sportler nicht sagen dürfe, was er will.

Durch das Video der Nachrichtenseite “T-Online” entbrannte eine Debatte über das Thema Meinungsfreiheit – bei der verdächtigerweise verschiedene Meinungen aufeinandertrafen.

Das hatte Kretzschmar gesagt:

Der Ex-Spitzensportler hatte gegenüber “T-Online” erklärt:

“Wir haben keine Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinne. Sobald wir eine gesellschaftskritische Meinung äußern, haben wir von unserem Arbeitgeber mit Repressalien zu rechnen, oder wir haben mit unseren Werbeverträgen Probleme, dass die gekündigt werden, wenn es nicht ins Konzept passt.“

 

 ► Er unterschied damit zwischen der “Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinne”, sprich der verfassungsmäßig gegebenen Freiheit, alles zu sagen, was sich im Rahmen des Grundgesetzes bewegt – und dem Recht darauf, Sponsorenverträge, also Zustimmung und Geld, unabhängig von getroffenen Aussagen zu bekommen. 

Weiter erklärte der Handballer:

“Es sei denn, es ist die Mainstream-politische Meinung, wo man sagt ‘wir sind bunt‘ und ‘Refugees welcome‘, wo man gesellschaftlich eigentlich nichts falsch machen kann. Hat man eine einigermaßen kritische Meinung zu einigen Themen, auch vielleicht gesellschaftskritisch oder regierungskritisch, dann darf man das in diesem Land auch nicht sagen. Da wird dir sofort jedes Wort vorgeworfen.“

Was die Aussage noch absurder gemacht:

In einem späteren Interview mit der “Bild” erinnerte sich Kretzschmar dann aber nur an einen Fall, in dem “Leute eins auf den Deckel bekamen wegen nicht konformer Meinungen”: “Toni Kroos vielleicht, nach seinem Tweet ‘Danke Angie.’”

Wir erinnern uns: Das ist die Frau, denen viele Rechte vorwerfen, die Maxime “Refugees welcome” auf die Agenda gesetzt zu haben. Was man als Sportler nun also wirklich nicht sagen darf, blieb am Ende doch offen. 

So fielen die Reaktionen aus:

Zahlreichen Journalisten und Politikern fiel das Paradox auf, in dem sich Kretzschmar verstrickte. Schließlich hatte er mit seinem Interview selbst von der Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht.

Zumal Kretzschmar als Sportler und TV-Experte sogar eine ungleich größere Bühne bereitet ist als den meisten, wie Linken-Mitglied Robert Fietzke bemerkte. 

“Das Leben als prominenter Sportler in Deutschland ist schon hart. Nirgendwo darfst du deine Meinung sagen, außer in jedes Mikrofon und jede Kamera & niemand, wirklich niemand hört dir zu, außer alle.”

FDP-Vize Wolfgang Kubicki sagte der “Bild”:

“Die Äußerung von Stefan Kretzschmar ist absurd, beweist sie doch in sich selbst, dass alles geäußert werden kann. Zur Meinungsfreiheit gehört auch der Mut zur Meinungsäußerung, der gerade dann gebraucht wird, wenn die Meinung nicht im Mainstream liegt. Kretzschmar beschreibt keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, sondern Feigheit.”

Zustimmung bekam der Handballer an gleicher Stelle dagegen von CSU-Innenpolitiker und Staatssekretär Stephan Mayer: 

“Ich bin der Auffassung, dass in unserer Gesellschaft sehr wohl eine zunehmende Polarisierung und Verrohung der Sprache feststellbar ist – und eine stärkere Tendenz, andere Meinungen nicht zu akzeptieren. Zum Kernbestandteil einer demokratischen und pluralen Gesellschaft gehört es aber, dass auch andere Auffassungen ‘ertragen’ werden.“

Zuvor hatte vor allem die AfD dem Sportler applaudiert. Über die sagte er nun aber etwas nebulös:

“Wenn man meine Biographie kennt, ist die Instrumentalisierung meines Interviews von politischen Gruppierungen, die meiner eigenen politischen Einstellung nicht ferner liegen könnten, schon grotesk.” 

(ll)