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30/01/2018 14:24 CET | Aktualisiert 06/02/2018 10:33 CET

Krankheit – mein Weg ins wahre Leben

Ihre Lebenszeit ist begrenzt – und ja, das haben Sie schon tausendmal gehört. Und ja, das klingt kitschig und abgedroschen. Aber: Schauen Sie mal auf die letzte Woche, den letzten Monat Ihres Lebens. Mit welchen Menschen haben Sie Zeit verbracht? In welchen Meetings saßen Sie? Mit welchen Themen haben Sie sich beschäftigt und wofür haben Sie sich privat engagiert?

Waren das alles sinnvolle Themen und Menschen, mit denen Sie gerne Zeit verbringen? Wenn es Ihnen geht wie mir vor meiner Erkrankung, dann antworten Sie vermutlich: Nein, da waren ein paar Tätigkeiten und Menschen dabei, die ich am liebsten aus meinem Kalender gestrichen hätte.

Die Erweckung meiner inneren Stimme

Ich habe zwei Anläufe gebraucht, um endlich ehrlich zu mir selbst zu sein. Nach meiner ersten Tumordiagnose mit anschließender Operation rutschte ich wie automatisch zurück in meinen hochkarätigen Job in der Finanzbranche – obwohl er mich schon zuvor seit zwei Jahren beruflich unzufrieden gemacht hatte. Aber die Lektion des Lebens ließ nicht locker: Tumorreste noch im Körper, zweite OP. Noch einmal die Sorgen, noch einmal die Angst. Doch diesmal kam eine neue Angst hinzu: Die Operation in der Schilddrüsenloge sorgte nun für die Gefahr, meine Stimme zu verlieren. Dieses Mal brach mich die Krankheit – zum Glück. Denn während ich darüber nachdachte, meine Stimme in der Welt zu verlieren, begann ich endlich, auf meine innere Stimme zu hören.

Ich erkannte, dass meine Krankheit mir zwei Optionen zur Wahl gab: Ich konnte mich fortan als Opfer fühlen und seelisch an meinem Schicksalsschlag zugrunde gehen. Oder ich konnte in der Krankheit einen Besucher sehen, der in meinen Körper gekommen war, um mir eine Lektion zu erteilen – ein unbequemer Besucher, aber ein wohlgesonnener.

Also hörte ich auf meine innere Stimme und lernte meine Lektion.

Ohne Wenn und Aber

Beruflich bedeutete das für mich einen vollkommenen Bruch. Raus aus dem Job, in dem ich mich verbog. Raus aus dem Umfeld, in dem meine Kollegen völlig andere Werte lebten als ich. Selbstverständlich meldeten sich da Bedenken:

„Wie verdiene ich morgen mein Geld? Womit verbringe ich nun meine Zeit?“

Doch diese sind letztlich nichts als Angst – und dafür ist mir meine Lebenszeit zu schade.

Beruflich stellte ich mich völlig neu auf. Gründete eine neue Firma und definierte nun allein, nach welchen Maßstäben ich arbeite. Nicht das Geld zählt in erster Linie, sondern ich investiere meine Lebenszeit nur noch in Projekte, bei denen ich das Gefühl habe: Hier kann ich ganz sicher einen Nutzen, einen Mehrwert stiften. Das tue ich dann auch ohne Wenn und Aber, spreche heikle Botschaften aus und sage Unternehmern sehr direkt, wenn in ihrem Betrieb etwas schiefläuft.

Das Leben will gelebt werden

Ich glaube, diese Klarheit ist essentiell – nicht nur im Umgang mit anderen, sondern vor allem auch mit uns selbst. Denn ja, unsere Lebenszeit ist begrenzt. Also sollte das, was wir in ihr tun, doch zumindest einhergehen mit unseren Werten und unserer inneren Haltung.

Dazu gehört es, sich auch einmal abzugrenzen. Zu selektieren, wo und in wen Sie Ihre Lebenszeit investieren oder lieber nicht. Den Mund aufzumachen und unbequem zu sein. Denn das ist allemal besser, als am Ende dazustehen und zu bedauern:

„Schade, dass ich nicht den Mut hatte, mein eigenes Leben zu leben.“