POLITIK
14/12/2017 12:11 CET | Aktualisiert 14/12/2017 13:13 CET

Krankenkasse weigert sich, blinde Rentnerin zu unterstützen

  • In Niedersachsen hat sich eine Krankenkasse strikt geweigert, eine blinde und gehbehinderte Rentnerin zu unterstützen

  • Die 73-Jährige beantragte einen Blindenhund, um im Alltag besser zurecht zu kommen

  • Ihre Krankenkasse befand jedoch, die Frau sei zu unfähig, einen Hund zu führen

In Niedersachsen hat eine 73-Jährige Frau ihre Krankenkasse verklagt, weil diese sich strikt weigerte, der seh- und gehbehinderten Rentnerin einen Blindenführhund zu bezahlen.

Der Grund klingt skurril: Die Krankenkasse beurteilte die Versorgung der Frau als “unwirtschaftlich”, schreibt das Rechtsportal Juris.

Der Krankenkasse zufolge sei die Frau nicht in der Lage, einen Blindenhund zu führen. Es fehle ihr an der nötigen Kondition und sie könne einen Hund nicht adäquat versorgen. Man weigerte sich daher, ihr einen Führhund zur Verfügung zu stellen.

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Dabei hat die an multiple Sklerose (MS) erkrankte Frau Hilfe im Alltag dringend nötig.

Wie “Sozialticker” berichtet, habe die 73-Jährige wegen der Kombination aus Gehbehinderung und Blindheit enorme Schwierigkeiten, Hauseingänge, Briefkästen, Geschäfte und Straßenüberquerungen zu erreichen.

Kein Einsehen bei den Verantwortlichen

Ein entsprechend ausgebildeter Blindenhund könnte der Rentnerin dabei eine große Hilfe sein.

Ein einfacher Blindenstock kommt dafür nicht in Frage, da die Frau bereits eine Gehhilfe nutzt. Ein Rollator in Verbindung mit einem Führhund wäre technisch umsetzbar und für die Klägerin auch praktikabel.

Nur schlecht, dass die Krankenkasse das nicht einsehen wollte.

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Die Verantwortlichen weigerten sich vehement, für einen Blindenhund aufzukommen. Scheinbar lohnte sich der finanzielle Aufwand für die Krankenkasse nicht.

Sogar bei der Hundeschule soll ein Mitarbeiter der Krankenkasse angerufen haben, um die Trainer von der Unfähigkeit der Klägerin zu überzeugen, einen Hund zu führen. Mit allen Mitteln soll die Krankenkasse versucht haben, die Umsetzung des Leistungsanspruchs zu behindern.

Das Landessozialgericht spricht ein Machtwort 

Doch am Ende sorgte das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen für eine eindeutige Entscheidung in dem Fall:

Eine Gehbehinderung aufgrund einer MS-Erkrankung ist grundsätzlich kein Hindernis für die Bereitstellung eines Blindenführhunds. Das belegten verschiedene Gutachten von Ärzten und Hundeführern, welche das Gericht eingeholt hatte.

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Ebenso bescheinigten die Gutachter der Klägerin eine ausreichende körperliche Konstitution um einen Hund zu führen und zu versorgen.

Da die Krankenkasse diese Gutachten in Zweifel zog, nahm die Verhandlung irgendwann höchst skurrile Züge an.

Auf dem Gang des Gerichtsflurs überzeugte sich der Senat selbst von den Gehfähigkeiten der Klägerin - und entschied danach eindeutig: Die Krankenkasse muss den Antrag der 73-Jährigen bewilligen.

(fk)