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16/01/2018 15:19 CET | Aktualisiert 16/01/2018 15:25 CET

Dresdner Volkshochschule wegen "Burka-Kurs" in Kritik

Praxis, Herkunft und Bedeutungen der Kleiderordnungen sollen im Kurs aufgezeigt und “sogar praktisch ausprobiert werden”.

fotokon via Getty Images
Drei muslimische Frauen in Burka auf den Straßen Bosnien-Herzegovinas
  • Aufregung um die Dresdner Volkshochschule 

  • Der Grund: Ein Kurs, der über Kleiderordnungen im Islam erklären soll

  • Besonders im Fokus: Das Angebot, innerhalb des Kurses Burkas anzuprobieren

Große Aufregung um die Volkshochschule Dresden. Grund dafür: das Kursprogramm für das Sommersemester. Unter den Kursen für das Frühjahr und den Sommer 2018 ist nämlich einer mit dem Namen “Kopftuch und Hijab in Dresden - Kleiderordnungen im Islam”. Und das gehe ja gar nicht, finden Kritiker.

Dabei soll der Kurs laut Programm lediglich über die unterschiedlichen Formen der Kopfbedeckung und ihre Bedeutungen informieren.

In der Kursbeschreibung ist zu lesen: “Farbenfrohe Kopfbedeckungen machen neugierig auf ihre Trägerinnen. Die unterschiedlichen Farben, Formen, Bindetechniken und Materialien geben Hinweise auf die kulturellen Hintergründe.” 

So sollen die Praxis, Herkunft und Bedeutungen der Kleiderordnungen im Kurs aufgezeigt und “sogar praktisch ausprobiert werden”. Und jetzt kommt’s: Dabei hätten Kursteilnehmer die Möglichkeit, selbst zu erleben wie es sich anfühlt, Burkas zu tragen. 

Die Landeshauptstadt Dresden fördert die Weiterbildungsmaßnahme.

“Das mit den Burkas, ist das euer Ernst?”

Auf der Facebook-Seite der Volkshochschule lassen nun viele ihrer Empörung über dieses Kursangebot freien Lauf. Einige halten den Kurs “nur für einen schlechten Scherz”. “Das mit den Burkas, ist das euer Ernst?”, fragt eine Frau.

Was könnte problematisch an der Aufklärung über Kopfbedeckungen sein, die uns im Alltag immer häufiger begegnen?

Die muslimische Frauenrechtlerin Seyran Ates kritisiert in der “Bild”-Zeitung weniger den Inhalt des Kurses als dessen Beschreibung: “Mit der in der Kursbeschreibung verwendeten Sprache werde unkritisch die Weltanschauungen hinter der Bedeckung verniedlicht: Eine Gesellschaft, in der die Geschlechter weitestgehend voneinander getrennt sind.”

Jörg Kiesewetter, integrationspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion sagte der Zeitung: “Wir wollen eine Gesellschaft, wo wir uns in die Augen schauen können und nicht lernen müssen, wie man sich verschleiert.“

Wertfreie und neutrale Aufklärung

Die Hochschule findet die Reaktionen übertrieben und wehrt sich öffentlich gegen die Vorwürfe: 

Die durch eine verzerrte und an Populismus grenzende Berichterstattung künstlich ausgelöste Kontroverse über den Kurs “entbehre jeder Grundlage” und könne “nicht nachvollzogen werden”, heißt es. Der Kurs finde zum fünften Mal statt und diene “der wertfreien und neutralen Aufklärung und Information über die verschiedenen Kleiderordnungen im Islam”.

So werde das Tragen der Burka dort keinesfalls verherrlicht. Vielmehr diene der Kurs zu Information, insbesondere für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit, die im Kontakt mit arabischen Flüchtlingen stünden. Die Veranstaltung lade jeden ein, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und ein eigenes Urteil zu bilden. 

Viel Aufregung um wenig also. Vielleicht ist gerade die Tatsache, dass es so einen Wirbel gibt, Bestätigung für den Facebook-Kommentar einer Frau: “Ich finde, da besteht in der Tat Nachholbedarf. Ich will das auch in meiner Stadt!” 

 

(jds)