POLITIK
20/03/2018 14:52 CET | Aktualisiert 20/03/2018 14:54 CET

Es ist eine der größten Flüchtlingskrisen unserer Zeit – doch niemand schaut hin

Auf den Punkt gebracht.

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Kongolesen, die in ihrem Land vertrieben wurden, kehren am Morgen des 5. März 2018 an die Küste des Albert-Sees zurück. Die Nacht haben sie aus Sicherheitsgründen auf dem Wasser verbracht.

Die Welt schaut auf Afrin und Ost-Ghouta in Syrien. Auf die Küsten Nordafrikas, der Türkei, Griechenlands und Italiens, das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer. An herzensvollen Tagen blickt die Welt auch auf den Krieg im Jemen oder den Völkermord an den Rohingya in Bangladesh. 

Doch nahezu niemand schaut auf die Demokratische Republik Kongo. Dabei spielt sich in dem zentralafrikanischen Land eine der größten humanitären Katastrophen unserer Zeit ab. 

Die Flüchtlings- und Hungerkrise in der Demokratischen Republik Kongo auf den Punkt gebracht

Die Lage in der Demokratischen Republik Kongo: 

► Auf der Republik Kongo liegt ein Ressourcen-Fluch: Das Land ist reich an Gold, Diamanten, Öl und dem seltenen Metall Kobalt. Immer wieder brechen wegen dieser Bodenschätze brutale Kriege aus. Bis zu sechs Millionen Menschen sind in diesen in den vergangenen Jahrzehnten umgekommen. In den vergangenen zwei Jahren sind die Kämpfe in der Republik Kongo erneut eskaliert. 

► Grund dafür ist auch der Präsident des Landes, Joseph Kabila. Im November 2016 sollte er den Weg für Neuwahlen frei machen. Doch Kabila weigerte sich, er hält an der Macht fest – Wahlen soll es erste Ende dieses Jahres wieder geben. 

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Proteste gegen Präsident Kabila in der Hauptstadt Kinshasa in diesem Januar. 

► Oppositionelle, Rebellen und Warlords provozieren im Land deshalb Proteste und brutale Aufstände. Die Hauptstadt Kinshasa ist zur umkämpften Metropole geworden, ganze Landstriche der Republik Kongo sind unter die Knechtschaft von Milizen geraten. Gerade die Provinz Nord Kivu im Nordosten des Landes ist immer wieder Schauplatz heftiger Gefechte. 

Die Auswirkungen der Krise: 

► Der Kampf um die Ressourcen des Landes ist zu einem Kampf um Land geworden: Der Raubbau und die Gewalt in der Republik Kongo haben eine Hungerkrise ausgelöst. Laut Angaben des World Food Programmes leben fast zwei Drittel der Menschen im Land unter der Armutsgrenze. Die Ernährungsicherheit von 7,7 Millionen sei gefährdet, über 4 Millionen litten Hunger. 

► Die Menschen werden Opfer von Epidemien und sexueller Gewalt: Die Republik Kongo erlebt gerade den größten Ausbruch der Krankheit Cholera seit 15 Jahren. In den vergangenen beiden Jahren sind laut der Weltgesundheitsorganisation bereits 516 Menschen daran gestorben.

Mark Lowcock, Menschenrechts-Beauftragter bei den Vereinten Nationen, berichtete am Montag vor dem UN-Sicherheitsrat zudem von einem Anstieg der sexuellen Gewalt im Land: “Es ist eine Epidemie, mit vielen nie berichteten Fällen, bei der häufig auch Kinder zu Opfern werden.” 

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► In der Republik Kongo spielt sich eine der größten Flüchtlingskrisen unserer Zeit ab: Hunger, Krankheiten und Gewalt haben dort eine der größten Flüchtlingsbewegungen unserer Zeit ausgelöst. Laut Angaben der Vereinten Nationen sind in dem Land 4,5 Millionen Menschen auf der Flucht – die größte Zahl nach Syrien und China. Allein im vergangenen Jahr kamen 2,2 Millionen neue Flüchtlinge hinzu. 

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Die Reaktion der Weltgemeinschaft

► Lowcock bat vor dem UN-Sicherheitsrat die Weltgemeinschaft um Hilfe: Über 17 Millionen Menschen bräuchten humanitäre Hilfe, es bestehe ein Bedarf an Hilfsgeldern in Höhe von 1,7 Milliarden US-Dollar. 

► Geldmangel ist das größte Hindernis für effektive humanitäre Hilfe in der Republik Kongo”, sagte Lowcock. 

► Das Problem: Laut dem Nachrichtensender Al-Jazeera sind zu diesem Zeitpunkt erst vier Prozent dieser Summe an die Vereinten Nationen geflossen. 

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Eine schwangere Frau in einem Flüchtlingscamp in der kongolesischen Stadt Tchomia. 

Die humanitäre Krise in der DR Kongo auf den Punkt gebracht: 

17 Millionen Menschen in der Republik Kongo brauchen humanitäre Hilfe. Nahezu 8 Millionen haben zu wenig zu Essen. Etwa 4 Millionen hungern. 4,5 Millionen sind auf der Flucht. Hunderte sterben an Cholera. Unzählige werden gefoltert, vergewaltigt, ermordet. 

Und die Welt schaut weg. 

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