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19/04/2018 17:26 CEST | Aktualisiert 19/04/2018 17:26 CEST

Kolumbiens wackeliger Erfolg oder wovon die nächsten Narcos-Staffeln handeln könnten

tmdb

Spätestens seit dem Netflix-Erfolg Narcos kennt man Kolumbien als gespaltenes Land, das teilweise von Drogenkartellen, marxistischen Guerillas und korrupten Politikern geführt wird. Neben der Tatsache, dass Kolumbien unangefochtener Exportweltmeister im Kokainschmuggel ist, bleibt einem auch die schreckliche Geschichte des Fußballspielers Andres Escobar, der bei der Weltmeisterschaft 1994 ein Eigentor schoss und damit sein eigenes Land aus dem Wettbewerb brachte in Erinnerung. Nach der Heimkehr wurde er von aufgebrachten Narcos in seinem Auto erschossen.

Doch seit den großen Gewaltexzessen der 80er und 90er Jahre hat sich viel in Kolumbien getan. Der Rechtstaat konnte in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutliche Fortschritte aufweisen. Kidnappings und Dschungelkrieg zwischen rechten Paramilitärs und kommunistischen Guerillas sind glücklicherweise zum Großteil Geschichte.

Die vierte Staffel von Narcos könnte zeigen wie sich Kolumbien vom Schurkenstaat zu einem respektablen regionalen Investitionshub in Südamerika entwickelt hat. Seit Mitte der 2000er Jahre sieht Kolumbien Wachstumsraten von meist über 5 Prozent. Internationale Investoren wurden nicht nur durch den Wiederaufbau von rechtstaatlichen Institutionen, sondern auch dem Abschluss von Freihandelsabkommen mit der EU und den USA angezogen.

In einer fiktiven fünften Staffel von Narcos darf man gespannt den erfolgreichen Friedenprozess zwischen der Regierung und den FARC Rebellen verfolgen, der trotz eines negativen Referendums im November 2016 zum Abschluss gebracht werden konnte. Präsident Juan Manuel Santos erhielt für seine Bemühungen im Friedensprozess den Friedensnobelpreis.

Als Drehbuchstoff für die sechste Staffel würde sich Kolumbiens Bemühungen zum Eintritt in die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eignen. Am 23. April tagt die Handelskommission der OECD und wird über den Mitgliedsantrag von Kolumbien entscheiden.

Während viele große Hürden in den vergangen fünfzehn Jahren überwunden wurden und Kolumbien signifikante Schritte hin zu einem modernen und sicheren Land unternommen hat, schweben einige Praktiken der drittgrößten Volkswirtschaft Südamerikas wie ein Damoklesschwert über den Eintrittsverhandlungen.

So könnte zum Beispiel eine Episode der sechsten Staffel davon handeln, wie 2016 die kolumbianische Regierung das Eigentum von Versorgungsunternehmen von internationalen Aktionären auf den Staat übertragen hat und damit Investoren enteignete. Auf einer Überlandbusreise darf man im On-board Entertainment auch zwischen den neusten Raubkopien auswählen. Etwas was die OECD nur ungern sieht und nicht im Einklang mit Investorenrechten steht.

Markteintrittsbarrieren für Produkte von Fahrzeugherstellern und pharmazeutischen Unternehmen stellen Kolumbiens Bereitschaft für die OECD ferner in Frage. Um heimische Unternehmen zu schützen verzögern kolumbianische Behörden die Lizenzerteilung an ausländische Medikamentenhersteller oft um Jahre und sobald diese endlich Marktzugang erhalten haben, schlägt der Staat mit festgesetzten Preisen zu.

Die Mitgliedschaft in der OECD gilt als Gütesiegel das Investorenvertrauen erzeugt. Nun stellt sich die Frage, ob Kolumbien die letzten Schatten seiner dunklen Vergangenheit hinter sich bringt und Eigentumsrechte und Rechtssicherheit verteidigt, oder alte Muster einen erfolgreichen Eintritt in die OECD und damit in die erste Liga des Welthandels verhindern werden.