POLITIK
05/04/2018 18:32 CEST | Aktualisiert 25/04/2018 16:02 CEST

Köln: Dreister Vermieter wird durch Flüchtlingskrise zum Millionär

Dabei sind die Leute nicht einmal menschenwürdig untergebracht.

SimonLukas via Getty Images
Der Vermieter verdient sich mit den Flüchtlingen eine goldene Nase.
  • Weil sozialer Wohnraum knapp ist, können dreister horrende Summen verlangen
  • Wie der “Express” berichtet, verdient ein Kölner Vermieter über eine Million Euro im Jahr mit der Unterbringung von Flüchtlingen

Die Zahlen machen fassungslos: Zwei Erwachsene und sechs Kinder teilen sich eine 35 Quadratmeter große Wohnung in der Kölner Innenstadt – die Miete beträgt fast 7000 Euro. 

Allerdings muss die Familie nicht selbst für die Unterbringungskosten aufkommen: Sie sind Flüchtlinge aus dem Irak. Stattdessen bezahlt die Stadt Köln den Eigentümer des Hauses. 

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Vermieter schlagen Profit aus der Not der Flüchtlinge

157 Flüchtlinge wohnen nach Angaben des “Express” in dem “Boardinghaus” in der Rheinaustraße. Für jeden erhält der Eigentümer des Hauses täglich 28 Euro von der Stadt. 

► Das summiert sich auf 1,6 Millionen Euro im Jahr.

Das Absurde daran: Für etwas mehr Geld könnte man das Haus kaufen, wie der “Express” anmerkt.

Erst vor kurzem berichtete die HuffPost über einen Vermieter aus Berlin, der jeden Monat 6000 Euro von den Behörden kassiert, weil er Obdachlose in seinem Keller wohnen lässt. 

Werena Rosenke von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sagte der HuffPost in diesem Zusammenhang:

“Städte und Kommunen sind zur Unterbringung verpflichtet. Wenn sozialer Wohnraum knapp ist und die Stadt auf private Unterbringungen zurückgreifen muss, kann es schon mal passieren, dass Vermieter versuchen, Profit aus der Situation zu schlagen.” 

“Der eigentliche Skandal ist, dass die Familie nicht einmal menschenwürdig untergebracht ist“, kritisiert Flüchtlingshelfer Thorsten Kleinöder die Situation der irakischen Familie im “Kölner Express”.

Dass acht Personen sich die kleine Wohnung teilen müssten, sei katastrophal – zumal die Frau schwanger sei.

Es mangelt an sozialem Wohnraum

Dem Amt für Wohnungswesen blieb keine Wahl, sagt Josef Ludwig, der dort für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig ist, dem “Express”.

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Um den anfangs großen Flüchtlingszuzug zu bewältigen, habe man sich damals gezwungen gesehen, auch unverhältnismäßige Verträge einzugehen. 

► 40 Unterkünfte ähnlich des Boardinghouses seien gebucht worden, 3000 Schlafplätze konnten so geschaffen werden. Und obwohl 2017 deutlich weniger Flüchtlinge nach Deutschland kamen, als im Krisenjahr 2015, seien davon noch immer 2250 Plätze belegt.

“Wir haben einfach keine Wohnungen zur Verfügung. Schon gar nicht für Großfamilien”, sagte Ludwig dem “Express”.

(tb)