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07/02/2018 11:48 CET | Aktualisiert 07/02/2018 11:49 CET

Köln: Frau wird krankenhausreif geschlagen – der Täter bleibt straflos

Die junge Frau erlitt eine Gehirnerschütterung, Kopfverletzungen und Blutergüsse am ganzen Körper.

lolostock via Getty Images
“Ich sterbe gleich, bitte hilf mir! Ercan bringt mich um!”, soll die Frau einer Freundin geschrieben haben.
  • Eine junge Frau wurde von ihrem älteren Bruder schwer verletzt, ihr Vater wurde wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt
  • Sie zog jedoch ihre Aussagen zurück und weder Vater noch Bruder erhielten eine Strafe

Es schien ein klarer Fall zu sein: Vor gut einem Jahr wurde die junge Frau Azra G. in ein Kölner Krankenhaus eingeliefert. Mit einer schweren Gehirnerschütterung, blutenden Kopfverletzungen und Blutergüssen und Prellungen am ganzen Körper. Sie habe einige Tage in der Klinik bleiben müssen, – es bestand der Verdacht auf eine Gehirnblutung, wie das Nachrichtenportal “RP Online” berichtet.

Im Krankenhaus habe Azra G. der Polizei erzählt, dass ihr älterer Bruder für die Verletzungen verantwortlich sei. Ihrer Freundin soll sie eine Nachricht geschrieben haben: “Ich sterbe gleich, bitte hilf mir! Ercan bringt mich um!”

Die Freundin habe damals die Polizei verständigt – auch die Nachbarn hätten die Schreie der 19-Jährigen gehört und den Notruf gewählt.

Der Bruder wurde nicht angeklagt

Der Grund für diese Gewalttat: Azra G. habe sich geweigert, sich von ihrem nicht-muslimischen Freund zu trennen.

Doch die Gerichte können offenbar nichts gegen den Bruder unternehmen – denn jetzt schweigt Azra G. – ihr Bruder habe sie nicht wirklich geschlagen, sagt die junge Frau. 

Anstatt ihrem Bruder sitzt jetzt der Vater von Azra G. auf der Anklagebank – wegen unterlassener Hilfeleistung. Er wäre damals auch zu Hause gewesen. Azra G. lebt noch bei ihrer Familie.

Der Mann habe den Beamten gesagt, seine Tochter sei nicht da und habe die Polizisten wieder weggeschickt. Laut “RP Online” lag sie zu diesem Zeitpunkt schon im Krankenhaus.

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Der Vater hätte nichts mitbekommen

“Ich weiß nicht, was passiert ist, ich war unten im Keller. Ende. Mehr sag ich dazu nicht”, hätte sich der Angeklagte zu dem Vorfall geäußert.

Die Beamten wären ein zweites Mal gekommen und hätten im Zimmer der 19-Jährigen jede Menge Blutspuren, zerbrochene Flaschen und umgestoßene Möbel gefunden. Der Vater behauptete angeblich, dass es sein Blut gewesen sei, berichtet “RP Online”.

Azra G. wäre ebenfalls als Zeugin geladen. Ihre Aussagen aus dem Krankenhaus hat sie wieder zurückgezogen. Im Prozess hat sie sich ahnungslos gegeben: “Mein Bruder und ich hatten eine Auseinandersetzung”, hätte sie gesagt. “Ich wurde aber nicht direkt verletzt.” 

Das Verfahren wurde eingestellt

Die junge Frau behauptete, sie sei an dem Abend betrunken gewesen und könne sich nicht mehr richtig erinnern, bezeichnete sich auch als “zickig” und als “Drama-Queen”, schreibt “RP Online”. Alles wäre bestens, hätte sie gesagt.

Ihren Vater verteidigte sie: “Ist ja auch egal, heute geht es ja um meinen Vater. Ich kann nur sagen, dass er mir geholfen hätte, wenn er etwas mitbekommen hätte – das hat er aber nicht.”

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So blieb dem Richter am Dienstag nichts anderes übrig, als die Anklage gegen den Vater fallen zu lassen. Auch das Verfahren gegenüber dem Bruder wurde, nach den zurückgezogenen Aussagen von Azra G., eingestellt.

(ks)