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12/08/2018 18:25 CEST | Aktualisiert 13/08/2018 13:29 CEST

Klopp: Özil konnte nicht sagen, “sorry, Erdogan hat uns aufs Glatteis geführt“

Trainer Jürgen Klopp stellt sich in der Erdogan-Affäre hinter Özil und Gündogan.

  • Fußballtrainer Klopp hat sich in der Erdogan-Affäre hinter die Spieler Özil und Gündogan gestellt.
  • Er findet, in der Debatte um die türkischstämmigen Fußballer werde mit zweierlei Maß gemessen.
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben.

Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool und früher von Borussia Dortmund, hat sich in einem Interview mit der “Welt am Sonntag” hinter die Fußballspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan gestellt.

Beide hatten sich mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan fotografieren lassen und ihm Trikots geschenkt. Özil, der nach der verpatzten Fußball-WM teils als Sündenbock galt, hat die deutsche Nationalmannschaft inzwischen verlassen und wirft dem DFB-Chef Rassismus vor.

Klopp: “Mit zweierlei Maß gemessen”

Klopp bezeichnete das Foto mit Erdogan als “eine äußerst unglückliche Aktion”.

Aber im Umgang mit den Spielern werde mit zweierlei Maß gemessen. “Bestimmte Menschen dürfen sich mit bestimmten Menschen treffen, andere nicht. Wir entscheiden, wer schlimm ist und wer nicht”, sagte Klopp und verwies auf ein Treffen von Lothar Matthäus mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, das kaum Kritik hervorgerufen hatte. 

Klopp: Özil und Gündogan hatten keine Chance, sich zu distanzieren

Klopp verwies, wie viele Beobachter zuvor, darauf, dass Erdogan die Situation in Deutschland ausnutze. “Erdogan ist schlau. Er gibt vielen Türken das Gefühl, die Türkei in die richtige Richtung zu führen. Auch sehr viele Türken in Deutschland denken so. Da dürfen wir doch nicht alles allein an Mesut und Ilkay festmachen.”

Tatsächlich schürt der türkische Präsident die Ressentiments der türkischen Community in Deutschland gegenüber der deutschen Gesellschaft und Politik und inszeniert sich als angeblich einzig wahrer Vertreter dieser Menschen. Viele in Deutschland lebende Türkischstämmige dürfen in der Türkei wählen.

Die Sportler hätten aus Klopps Sicht keine Möglichkeit gehabt, aus der Situation unbeschadet herauszukommen. Selbst wenn sie es gewollt hätten, meint er. Denn mit Rücksicht auf ihre Verwandten in der Türkei hätten sie nicht sagen können: “Sorry, der Erdogan hat uns aufs Glatteis geführt.“ 

Klopp: “Ohne Spieler mit türkischen Wurzeln würde es leer werden”

Klopp fordert, die Diskussion zu beenden, damit die Rechten die Diskussion nicht für sich nutzten.

Infolge von Özils Rückzug aus der Nationalmannschaft und seiner Kritik am Umgang mit ihm hat sich in Deutschland eine größere Debatte über Rassismus entsponnen. Unter dem Hashtag #MeTwo berichten Menschen mit Migrationshintergrund über Alltagsrassismus und institutionelle Diskriminierung.

Klopp betonte im Interview auch die große Rolle, die Menschen mit türkischen Wurzeln im deutschen Fußball spielten. “Wenn alle jungen Spieler in Deutschland, die türkische Wurzeln haben, aus den Jugendnationalmannschaften zurücktreten, würde es schnell sehr leer werden.” 

(ll)