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22/10/2018 14:47 CEST | Aktualisiert 22/10/2018 15:43 CEST

15-Jährige schwänzte wochenlang die Schule – warum ihr jetzt Tausende zuhören

“Wir müssen das System ändern, so als wären wir im Krieg.”

  • Eine 15-jährige Schwedin schwänzte Schule, um sich für den Kampf gegen den Klimawandel einzusetzen.
  • Jetzt hat sie vor 10.000 Finnen eine beeindruckende Rede gehalten – und eine Forderung an uns alle.

Zwei lange geflochtene Zöpfe, eine weiße Strickmütze und eine lila farbene Jacke. Die Gesichtszüge von Greta Thunberg sind kindlich. Sie ist 15 Jahre alt, auch wenn sie eher aussieht wie eine 12-Jährige. Sie wirkt zierlich und schüchtern.

Doch nur bis die junge Schwedin ein Mikrofon in die Hand nimmt und 10.000 Menschen in Helsinki entgegenruft: “Alles muss sich ändern. Und es muss heute anfangen!”

Das junge Mädchen ist entschlossen und mutig. Seit drei Jahren isst sie kein Fleisch mehr. Sie hat sich selbst geschworen, niemals zu fliegen – und sie will die Politiker Europas zum Umdenken bringen. 

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Nach Veranstalter-Angaben sind am vergangenen Samstag so viele Menschen in Helsinki auf die Straße gegangen, um gegen die Klima-Katastrophe zu protestieren, wie noch nie zuvor. 

Der Teenager schwänzte die Schule, um gegen den Klimawandel zu kämpfen

Und Greta Thunberg war es, die die Demonstranten dazu aufrief, gegen das System zu kämpfen. Tausende jubelten ihr entgegen als sie sagte: 

“Wir benutzen jeden Tag 100 Millionen Barrel Öl. Es gibt keine Politik, die das ändert. Es gibt keine Regeln, die das Öl unter der Erde halten, sodass wir die Erde nicht retten können, indem wir uns an die Spielregeln halten, weil sich die Regeln ändern müssen.”

Die 15-Jährige ist aus ihrer Heimat Schweden nach Helsinki gekommen. Viele Menschen würden sagen, dass Schweden und Finnland lediglich kleine Ländern sind und es egal sei, was sie tun. Doch dem hält Thunberg entgegen:

“Aber ich glaube, wenn es ein paar Kinder in die Schlagzeilen auf der ganzen Welt schaffen, nur weil sie für ein paar Wochen nicht in die Schule gehen, stellt euch einmal vor, was wir gemeinsam tun könnten, wenn wir wollen.”

Sie spielt darauf an, dass sie selbst wochenlang die Schule schwänzte, um sich stattdessen vor das schwedische Parlament in Stockholm zu setzen und vor der Parlamentswahl am 9. September dafür zu protestieren, dass sich die schwedische Regierung und Politiker stärker im Kampf gegen den Klimawandel einsetzen.

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Für den Teenager ist die Klima-Krise wie Krieg

Gemeinsam mit anderen Schülerinnen und Schülern verteilte Flyer, auf denen stand: “Ich mache das, weil ihr Erwachsenen auf meine Zukunft scheißt.” 

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Greta Thunberg bei ihrem Protest vor dem schwedischen Parlament-

In der schwedischen Zeitung “Svenska Dagbladet” schrieb sie: “Was ihr tut oder nicht tut wird mein ganzes Leben bestimmen und das meiner Kinder und Enkel.”

Sie glaubt, dass der Ausgang der Wahl in Schweden egal ist, wie sie dem US-amerikanischen Magazin “The New Yorker” sagte. Das Klima kollabiert nicht, weil eine Partei die meisten Stimmen erhalten hat. Die Politik, die wir bräuchten, um die Klima-Katastrophe zu verhindern, existiert nicht. Wir müssen das System verändern, so als wären wir in einer Krise, so als wären wir im Krieg.”

Wie uns der Klimawandel bedroht:

Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass sich das Weltklima bis zum Jahr 2100 um 3 Grad Celsius erhöhen wird. Die Folgen einer solchen Erwärmungen wären katastrophal: Dürren, Tsunamis, Orkane und Überschwemmungen würden große Teile der Menschheit bedrohen. 

Klimawissenschaftler verschiedener Universitäten sind überzeugt, dass eine Erwärmung von 3,5 Grad Celsius das Fortbestehen der menschlichen Zivilisation gefährden würde.

Verbraucht die Menschheit weiter so viel Energie und produziert so viel CO2, dann steht ihr Ende wohl irgendwann im 22. Jahrhundert bevor. 

(tb)