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18/08/2018 09:57 CEST | Aktualisiert 18/08/2018 10:49 CEST

Von Jahrhundertfluten zu Waldbränden: Wetter-Extreme brechen traurige Rekorde

Dieser Sommer ist extrem.

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Menschen im indischen Staat Kerala.

Die Menschen schwitzen, die Böden vertrocknen: Die Hitzewelle und die anhaltende Trockenheit haben Deutschland schwer getroffen. 

Auch weltweit war der Sommer 2018 gekennzeichnet von Wetterextremen. Oft mit katastrophalen Folgen. 

“Dieser Sommer lässt ahnen, wie sich das Klima verändert”, sagt Olaf Tschimpke der Deutschen Presse-Agentur. Er ist Präsident des Umweltverbands Nabu. “Auch wenn die Komplexität des Klimasystems keine punktgenaue Vorhersagen zulässt, eines ist sicher: Die Wahrscheinlichkeit von Extremwetterereignissen wird zunehmen.”

In den vergangenen Monaten haben sich die Waldbrände, die Dürren und Fluten weltweit gehäuft – ein Überblick. 

Jahrhunderflut in Kerala

Die Menschen im indischen Bundesstaat Kerala kämpfen seit dem 8. August mit außerordentlich heftigen Monsunregenfällen. Es handele sich um die schlimmste Flut in den vergangenen 100 Jahren, sagt Regierungschef Pinarayi Vijayan am Samstag. 

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Die Zahl der Todesopfer ist stark angestiegen. Laut Vijayan sind 324 Menschen in den Fluten ums Leben gekommen. Mehr als 223.000 Menschen hätten ihre Häuser verlassen müssen, sie seien in den mehr als 1500 Rettungscamps untergekommen. 

Eine gute Nachricht gibt es: Laut Vorhersage sollen die Regenfälle in den kommenden Tagen abnehmen, wie die Zeitung “The Times of India” berichtete.

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Waldbrände in Kalifornien 

Nördlich von San Francisco ging Ende Juli der Wald in Flammen auf. Zwei Waldbrände wüteten zunächst unabhängig voneinander – nun sind sie verbunden. Experten nennen den Brand den sogenannten Mendocino-Komplex. Die Feuer wuchsen sich zum größten Waldbrand in der Geschichte des US-Bundesstaates Kalifornien aus.

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Bisher vernichteten die Flammen eine Fläche von etwa 1416 Quadratkilometern, wie die kalifornische Feuerschutzbehörde CalFire am Montag mitteilte. Das entspricht etwa eineinhalb Mal der Größe Berlins.

4000 Feuerwehrleute waren im Einsatz, auch aus dem Ausland. Ein Feuerwehrmann kam bei den Löscharbeiten ums Leben. Experten glauben, es könnte noch zwei Wochen dauern, bis die Brände vollständig gelöscht sind. 

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Kalifornien droht die bislang schlimmste Brandsaison. Hohe Temperaturen, Trockenheit und starke Winde erschweren derzeit im ganzen US-Staat den Kampf gegen fast 20 Waldbrände.

Das bisher zerstörerischste Feuer ist das sogenannte Carr-Feuer nahe der nordkalifornischen Stadt Redding. Dort kamen bisher acht Menschen ums Leben.

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Australien leidet unter Trockenheit 

Im australischen Bundesstaat New South Wales herrscht eine extreme Trockenheit. Die Regierung von New South Wales erklärte bereits Mitte des Monats, der gesamte Staat sei von der Dürre erfasst. Das sind 800.000 Quadratkilometern.

Bauern wurde deshalb auch erlaubt, mehr Kängurus abzuschießen, wenn diese auf übrig gebliebenen kargen Weiden mit den Tieren von Viehhaltern konkurrieren. Das Känguru ist das australische Nationaltier.

David Gray / Reuters

Der gesamte Südosten Australiens erlebt derzeit eine heftige Dürre. Die Bedingungen in New South Wales – dem Staat, in dem sich die Metropole Sydney befindet – sind in diesem Jahr sogar die trockensten und ausgiebigsten seit 1965.

David Gray / Reuters

Wasserspeicher sind ausgetrocknet, wie in Deutschland machen sich die Wetterbedingungen bei der Ernte bemerkbar. Die Staaten und die australische Bundesregierung stellen finanzielle Hilfe bereit, die aber nicht für viele Bauern ausreicht.

Ein Ende der Dürre ist nicht in Sicht: Laut Vorhersagen wird es auch in den nächsten drei Monaten trocken bleiben.

Waldbrände in Schweden

Schweden wurde im Juli von Waldbränden heimgesucht. Nach Angaben des Zivilschutzes waren Ende des Monats 25.000 Hektar Wald betroffen. Ende Juli brachten Rettungskräfte die Feuer unter Kontrolle.

JONATHAN NACKSTRAND via Getty Images

Grund für die Brände: extreme Trockenheit. 

Ganz Skandinavien hatte außerdem mit hohen Temperaturen zu kämpfen. Norwegen erlebte gar schon im Mai eine Rekordhitze mit einer Temperatur von 32,4 Grad in Etne. 

Argentinien friert

Auf der unteren Erdhälfte erlebt Argentinien dagegen Negativrekorde im Winter. Im Skiort Bariloche in Patagonien wurden Minus 25 Grad im Juli gemessen – ein Allzeit-Tief seit der Aufzeichnung der Temperaturen hier.  

Agustin Marcarian / Reuters

Fluten in China 

Zahlreiche Regionen in China wurden im Juli überschwemmt. Heftige Regenfälle sorgten für überflutete Straßen und Häuser. In der Region Xinjiang starben Anfang August 20 Menschen bei Überschwemmungen. 

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Hier fielen innerhalb von einer Stunde 110 Millimeter Regen. Der Rekord in der Region zuvor lag bei der Hälfte der Regenmenge.

Rekordhitze in Japan

Am 23. Juli kletterten die Temperaturen in Tokio auf 41,1 Grad – Rekord in Japan. Zu diesem Zeitpunkt kamen in dem Land bei der Hitze bereits 44 Menschen ums Leben. 

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Was Forscher zu den Wetterextremen sagen

Die Aufzählung zeigt: Dieser Sommer ist extrem. Hitze, Brände und Starkregen sind normal im Sommer – aber der von Menschen verursachte Klimawandel macht all das noch schlimmer, sagen Wissenschaftler.

Die erste große wissenschaftliche Studie, die einen Zusammenhang zwischen Treibhausgasen, die Forscher für den Klimawandel verantwortlich machen, und stärkeren und längeren Hitzewellen herstellte, erschien 2004. Sie trug den Titel “Intensivere, häufigere und länger andauernde Hitzewellen im 21. Jahrhundert”.

Der Studienautor Gerald Meehl vom Nationalen Zentrum für Atmosphärenforschung der USA sagte kürzlich laut der Deutschen Presse-Agentur, dass die Studie sich nun wie die Vorhersage dessen lese, was geschehen sei und weiter geschehen werde.

Zwar ist nicht anzunehmen, dass jedes Jahr Wetterereignisse in immer noch extremerer Form auftreten. Aber: Die Chancen, dass es extreme Hitze oder Trockenheit gibt, nimmt zu, sagen die Forscher. 

Die Trends, die wir in den letzten Jahrzehnten gemessen haben, werden sich in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen. Es wird auch neue Temperaturrekorde geben, mit Temperaturen deutlich über 40 Grad”, sagte Mojib Latif,  Klimaforscher am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, kürzlich der HuffPost.

Mit Material der dpa. 

(ame)