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22/08/2018 14:19 CEST | Aktualisiert 22/08/2018 14:22 CEST

Klimawandel: Ausgerechnet New York könnte zum weltweiten Vorbild werden

New York will seinen Energieausstoß bis 2030 um bis zu 30 Prozent reduzieren.

Gary Hershorn via Getty Images
Ausgerechnet die Millionenmetropole New York mit ihrem hohen Energieverbrauch könnte zum Klima-Vorreiter werden.
  • New York könnte mit einem neuen Gesetzesentwurf zum Energieausstoß großer Gebäude weltweit Vorreiter in Sachen Klimaschutz werden.
  • Die politische Einigung setzt es sich zum Ziel, den umwelt- und klimaschädlichen CO2-Ausstoß bis 2050 massiv zu reduzieren.  

Auf den Stufen der New York City Hall hat Costa Constantinidis, Vorsitzender des städtischen Umweltausschusses, diesen Montag einen neuen Gesetzentwurf vorgestellt, der den Energieausstoß großer Gebäude in der Millionenmetropole drastisch reduzieren soll.

Der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2), überwiegend von weitläufigen Luxusappartements, gilt mit einem Anteil von 70 Prozent als Hauptursache für die hohe Umweltbelastung der Weltstadt. New Yorks luxuriöse Gebäudeanlagen weisen einen im Vergleich enormen Energieverbrauch auf. CO2 ist als Treibhausgas maßgeblich für den Klimawandel und die globale Erderwärmung verantwortlich.

Durch das Gesetz könnte New York eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Wärmedämmung einnehmen, auch gegenüber deutschen Städten.  

Immerhin beinhaltet die neue Verordnung die klare Forderung an die höchsten Gebäude der amerikanischen Großstadt, ihren Energieausstoß bis 2030 um bis zu 30 Prozent zu reduzieren – mit Option zur Erhöhung auf 40 bis 60 Prozent im Jahr 2050.

In Kombination mit weiteren ökologischen Reformen des Stromnetzes sollen die klimaschädlichen Umweltemissionen New Yorks dadurch insgesamt um bis zu 80 Prozent gesenkt werden. Ein hoch gestecktes Ziel. 

Klimaschutz gegen die Erderwärmung: New York macht es vor 

Das bisher noch unfertige und nicht verabschiedete Gesetz ging aus einer umkämpften Einigung von Umweltgruppen, Vertretern sozialen Wohnens, Gewerkschaften sowie Immobilienverbänden hervor.

Der Entwurf würde die größte Stadt der USA zur weltweit ersten Metropole machen, die die Gebäudenachrüstung im großen Stil reguliert. Vergleichbare Versuche gab es bisher nur noch in Tokio.   

Im Vergleich sieht die Lage in Deutschland in Sachen Wärmedämmung und energetischer Modernisierung wenig hoffnungsvoll aus.

Trotz hoher Ziele, staatlicher Förderungen und strenger Regeln im Bereich der Ökoenergie ist die Zahl der energetischen Sanierungen an den gesamten Bauleistungen laut einer Studie des Instituts für deutsche Wirtschaft 2010 von 32,5 Prozent auf 27,9 Prozent im Jahr 2015 gesunken.

Auch 2017 hat sich der Trend nicht verbessert.

Hochgesteckte Klimaziele benötigen mehr Engagement

Der Aufwand, die Kosten, unflexible Regelungen und niedrige Energiepreise werden hierfür als Gründe genannt.

Dabei zeigt gerade der Rekordsommer 2018, dass sowohl die winterliche als auch die sommerliche Wärmedämmung im zukünftigen Bauen notwendig ist, sollten die hochgesteckten Klimaziele Deutschlands noch erreicht werden wollen.

Immerhin soll – trotz Zweifel von Experten – der deutsche Gebäudebestand bis 2050 nahezu klimaneutral sein.     

Doch auch in New York musste ein langer und steiniger Weg für den visionären Entwurf zurückgelegt werden, obwohl der Klimawandel dort mittlerweile von der Politik als existierendes soziales Problem anerkannt wurde.

Zwar war die Stadt bereits zuvor durch ambitionierte Pläne in Sachen Umweltschutz aufgefallen, etwa bei einer Klage gegen fünf große und umweltverschmutzende Ölgesellschaften. Damals sollten diese für die Schäden der städtischen Infrastruktur durch den Klimawandel finanziell in Verantwortung genommen werden.   

New Yorks Bürgermeister, der Demokrat Bill de Blasio, war in den letzten Jahren zudem mit zwei ähnlichen, wenn auch viel bescheidener angesetzten Gesetzesentwürfen zur Wärmedämmung am Widerstand des Stadtrats gescheitert.

Aufgrund dessen war die genaue Ausarbeitung der politischen Einigung unter den vielen Interessengruppen lange umstritten.  

Brendan McDermid / Reuters
New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio setzt sich schon länger für ein Gesetz zur Gebäudenachrüstung im Sinne des Klimaschutzes ein. 

Der Klimawandel lässt nicht genügend Zeit

Der Gesetzesentwurf ist daher auch nicht frei von Kritik. Als problematisch wird etwa angesehen, dass sich die neue Verordnung verstärkt an öffentliche, nicht aber an private Gebäude richten könnte, so Politico. Gleichzeitig wird eine Kostenerhöhung für sozial schwächere Mieter befürchtet.

Umweltschützer loben zwar die Grundrichtung des Entwurfs, drängen jedoch auf eine noch schnellere Umsetzung und verweisen auf Zeitdruck.  

Von offizieller Seite wird die Kritik als unberechtigt zurückgewiesen und das Gesetz als beachtenswerte politische Einigung angesehen. Es werden sowohl private Gebäude mit in die Verantwortung genommen als auch ärmere Mieter geschützt, lässt Russell Unger verlauten, Geschäftsführer des beteiligten Urban Green Council

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Energetisches Zukunftsmodell auch für Deutschland?

Die vorgegebene Zeit für die Reduzierung der Schadstoffausstöße wird etwa vom Klimaforscher Michael Mann als realistisch und machbar betrachtet. Folglich existiert großer politischer Rückhalt für die Verordnung in den obersten Gremien der Stadt.  

In jedem Fall ist Constantinidis Gesetz, sollte es angenommen werden, schon jetzt ein ambitionierter und visionärer Entwurf, der möglicherweise auch als Vorbild für umweltbelastete deutsche Städte dienen könnte.

Die Signalkraft, die von New York ausgeht, könnte sich dann auch positiv auf den Rückgang energetischer Modernisierungsleistungen in Deutschland auswirken. Ohne ein Umdenken lassen sich die hohen deutschen Energieziele jedenfalls nicht erreichen.