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06/12/2018 12:23 CET | Aktualisiert 06/12/2018 12:23 CET

Kleine Gase – Große Wirkung: Zwei Studenten erklären den Klimawandel

Interview mit Christian Serrer und David Nelles

Mit ihrem Buch „Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel“ ist es David Nelles und Christian Serrer gelungen, ein komplexes Thema wie die globale Erwärmung mit kurzen Texten und vielen Grafiken verständlich auf den Punkt zu bringen. Unterstützt wurden sie dabei von über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Wie es dazu kam, dass David und Christian – die eigentlich Wirtschaftswissenschaften am Bodensee studieren – ein Buch über den Klimawandel geschrieben haben, warum sie ihren eigenen Verlag gründeten, und was sie dabei alles erlebt haben, erzählen sie jetzt im Interview.

Christian Serrer und David Nelles

Wie entstand die Idee zu Ihrem Buch?

Serrer: Vor etwa eineinhalb Jahren saßen wir in der Mensa unserer Uni und haben über die globale Erwärmung diskutiert. Ehrlich gesagt mussten wir feststellen, dass wir zwar eine grobe Ahnung hatten, aber keine konkreten Antworten geben konnten auf Fragen wie „Wie groß ist der Anteil des Menschen an der globalen Erwärmung, treten Stürme und Überschwemmungen bereits häufiger auf, müssen wir zunehmende Ernteausfälle befürchten und welchen Einfluss hat der Klimawandel auf unsere Gesundheit?“. Um diese Frage zu beantworten, hatten wir ehrlichgesagt wenig Lust, dicke Fachbücher zu lesen. Wir suchten ein Buch, das anschaulich, wissenschaftlich fundiert und mit kurzen Texten das A und O des Klimawandels erklärt. Unsere Suche endete jedoch erfolglos und so haben wir uns kurzerhand entschieden, ein Buch dieser Art selbst zu schreiben.

Christian Serrer und David Nelles

Wer hat Sie bei der Umsetzung unterstützt?

Nelles: Kurz nachdem wir uns in eine ziemlich umfangreiche Recherchearbeit gestürzt hatten, war klar, dass es bei einer solchen Fülle an Informationen und wissenschaftlichen Publikationen schnell sein kann, dass sich Fehler in unsere Texte einschleichen. Erfreulicherweise konnten wir über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für unsere Idee begeistern, die uns mit wertvollen Anregungen und Tipps zu unseren Texten unterstützt haben.

Serrer: Uns war es besonders wichtig, dass unser Buch hochwertig und umweltschonend gedruckt wird und gleichzeitig nicht mehr kostet als eine Pizza. Denn sich über den Klimawandel zu informieren soll nicht am Buchpreis scheitern. Um das zu ermöglichen, haben wir unseren eigenen Verlag gegründet, um Aufgaben wie Finanzierung, Lektorat, Marketing, Vertrieb und Druck selbst organisiert haben. So konnten wir einen sehr geringen Buchpreis ermöglichen.

Der Aspekt der Finanzierung war also eine besondere Herausforderung?

Serrer: Ja, denn ziemlich schnell wurde uns klar, dass wir bei einem Projekt solchen Umfangs auch auf finanzielle Unterstützung angewiesen waren. Die fanden wir – anders als auf anfangs vermutet – in der Privatwirtschaft. Wir konnten die Elektrizitätswerke Schönau, Munich Re und einige weitere Unternehmen und Institutionen für unser Vorhaben begeistern und sind sehr dankbar für deren Mut, uns in einer frühen Phase unseres Projektes unterstützt und an uns geglaubt zu haben. Sie haben uns über Vorbestellungen unterstützt und werden Bücher an Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschenken und unterstützen uns damit, noch mehr Menschen für den Klimaschutz zu begeistern.

Für wen haben Sie dieses Buch geschrieben?

Nelles: Unser Buch ist sehr kompakt, anschaulich und verständlich gehalten. Damit ist es perfekt für all diejenigen, die die konkreten Ursachen und Folgen der globalen Erwärmung in kurzer Zeit und ohne viel Vorwissen verstehen möchten. Gleichzeitig ist es aber auch wissenschaftlich fundiert und umfangreich, wodurch es sich sogar für Studenten und Wissenschaftler eignet, die einen Überblick über die vielen Themengebiete des Klimawandels erhalten wollen. Wir möchten damit so viele Menschen wie möglich erreichen und sie motivieren, sich für den Klimaschutz einzusetzen.

In welchem Rahmen haben Sie die Fachgespräche für das Buch geführt?

Serrer: Nachdem wir die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler per E-Mail kontaktiert hatten, haben wir ihnen meist in einem Skype-Gespräch unser Projekt vorgestellt und sie versucht dafür zu begeistern. Als es dann an die tatsächliche Kontrolle der Texte ging, waren gerade bei einer solchen Menge an Input und Anregungen E-Mails das erste Mittel der Wahl. Darauf folgten nicht selten längere Telefonate bei Unklarheiten oder um einfach ausführlich über Themen diskutieren zu können. Das ein oder andere Mal haben wir uns aber auch persönliche mit den Wissenschaftlern zur Überarbeitung und Kontrolle unserer Texte getroffen.

Inwiefern trägt das Buch dazu bei, zwischen wissenschaftlich belegten Argumenten und Fehlinformationen unterscheiden zu können?

Nelles: Die meisten sogenannten „Klimaskeptiker“ verwenden Argumente, die für ein Laienpublikum schlüssig klingen. So waren auch wir zu Beginn unserer Recherche verunsichert, wenn wir gelesen haben, dass die Temperaturen seit 15 Jahren angeblich nicht mehr steigen und es deshalb keinen Klimawandel geben soll oder aber, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre mit 0,04 % viel zu niedrig sei, um einen Einfluss auf das Klima zu haben. Diese irreführenden Aussagen lassen sich mit etwas Hintergrundwissen leicht widerlegen. Genau dieses notwendige Wissen möchten wir mit unserem Buch verständlich, kompakt und anschaulich vermitteln. Um sicherzustellen, dass wir dabei nur fundierte Argumente anführen, berufen wir uns auf wissenschaftliche Literatur und haben jeden Text durchschnittlich von neun Wissenschaftlern überprüfen lassen.

Weshalb setzen Sie in Ihrem Buch vor allem auf die Sprache der Bilder?

Serrer: Wir haben darauf verzichtet lange Texte zu schreiben und haben stattdessen komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse auf den Punkt gebracht. Doch das reicht meist nicht aus, um ein abstraktes und vermeintlich trockenes Thema wie die globale Erwärmung greifbar zu machen. Genau das schaffen wir mit den Grafiken: Durch sie lassen sich die Inhalte noch leichter verstehen – vor allem macht es durch die Illustrationen aber auch richtig Spaß das Buch zu lesen und durchzublättern. Damit erreichen wir sogar Menschen, die sich eigentlich nicht mit dem Thema Klimawandel befassen wollten, denn Bilderbücher haben wir zumindest in unserer Kindheit wohl alle gern gelesen.

Christian Serrer und David Nelles

Welche Projekte beschäftigen Sie in der nächsten Zeit?

Nelles: Während unserer Recherche haben wir uns hauptsächlich mit den Ursachen und Folgen des Klimawandels beschäftigt. Denn wir sind der Meinung, dass man ein Problem auf jeden Fall erst einmal verstehen muss, bevor man es wirklich angehen kann. Dies haben wir nun erreicht und deshalb beschäftigen wir uns in nächster Zeit hauptsächlich mit möglichen Lösungsansätzen zur Begrenzung der globalen Erwärmung. Ob daraus wieder ein Buch wird oder wir auf anderem Wege versuchen, die globale Erwärmung zu begrenzen, steht noch in den Sternen.

Was wollen Sie nach dem Studium tun?

Serrer: Auf jeden Fall möchten wir daran arbeiten, die globale Erwärmung so weit wie möglich zu begrenzen. Wie genau das aussehen wird, steht aber noch nicht fest. Daran mitzuwirken politische Rahmenbedingungen zu verändern oder umweltfreundlichen Technologien zum Durchbruch zu verhelfen sind nur zwei von vielen Möglichkeiten, die wir uns gut vorstellen können.

Wo und wie engagieren Sie sich persönlich für den Klimawandel?

Nelles: In unserem Alltag versuchen wir unseren Treibhausgasausstoß so gering wie möglich zu halten. Denn es gibt nichts Einfacheres als bei sich selbst anzufangen. Wann immer es möglich ist, steigen wir daher auf das Fahrrad und die Bahn um, wir ernähren uns mittlerweile hauptsächlich vegetarisch, regional und saisonal und wir beziehen Ökostrom. Wir achten darauf möglichst langlebige Produkte zu kaufen und wenn wir Urlaub machen verzichten wir auf Flüge und Kreuzfahrten.

Besonders wichtig ist es uns zu betonen, dass es nicht darum geht, ab sofort 100 % umweltfreundlich zu leben – auch wenn das natürlich wünschenswert wäre. Es geht vor allem darum anzufangen! Jeder sollte sich bewusstmachen, dass man es selbst in der Hand hat, seinen eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Schritt für Schritt kann jeder ausprobieren, wie er selbst am effektivsten und einfachsten Emissionen vermeiden kann. Manche Dinge fallen leichter, andere wiederum schwerer. Wir denken, dass man das ganze spielerisch angehen muss.

Serrer: Dieser Ansatz klingt vielleicht angesichts der Bedeutung des Klimawandels verharmlosend, aber wir sind davon überzeugt, dass man damit am einfachsten die vielen Möglichkeiten richtig kennen lernt. Mal probiert man sich eine Woche vegetarisch oder sogar vegan zu ernähren, das Auto für ein paar Tage oder einen Monat stehen zu lassen und öfters zu Fuß zu gehen oder mit der Bahn zu fahren. Dann versucht man mal zwei Wochen nur saisonale Lebensmittel zu kaufen und der nächste Urlaub geht vielleicht nicht nach Übersee. Dadurch kann jeder spielerisch seinen ganz eigenen Weg finden. Hauptsache ist, man fängt irgendwo an.

Sie halten auch regelmäßig Vorträge über die Erkenntnisse, die sie in unserem Buch zusammengetragen haben…

Nelles: Ja, denn damit bekommen wir immer wieder die Chance, noch mehr Menschen die Bedeutung des Klimawandels vor Augen zu führen und sie zu motivieren, sich ebenfalls für den Klimaschutz einzusetzen. Vorher haben wir das im kleineren Rahmen gemacht. Hin und wieder haben wir mit Freunden und Verwandten über die Bedeutung der globalen Erwärmung gesprochen – auch etwas, das jeder machen kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

Abbildungen aus dem Buch "Kleine Gase - Große Wirkung: Der Klimawandel" © David Nelles & Christian Serrer.

Weitere Informationen über die Autoren und ihr Buch „Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel“