ENTERTAINMENT
18/02/2019 15:38 CET | Aktualisiert 18/02/2019 15:52 CET

Kinofilm "Cleo": Das macht das moderne Berlin-Märchen so sehenswert

Wir waren bei der Premiere auf der Berlinale.

Detailfilm
Kinofilm "Cleo": Das macht das moderne Berlin-Märchen so sehenswert.

Berlin, 1989, die Nacht des Mauerfalls. Hier, in einem Krankenwagen zwischen feiernden Menschen, beginnt Cleos Geschichte. Ihre Mutter bringt sie zur Welt und muss bei der Geburt sterben.

Dieser Verlust bestimmt fortan Cleos Leben und den gleichnamigen Film, der auf der Berlinale Premiere feierte. Regie führte Erik Schmitt und Marleen Lohse spielt die erwachsene Cleo, die mit einer verschollenen Uhr die Zeit zurückdrehen und den Tod ihrer Mutter ungeschehen machen will.

Sie stürzt sich in eine Schatzsuche und lernt den Abenteurer Paul (Jeremy Mockridge) kennen, der auf einem Hausboot lebt und eine Karte ersteigert hat, die die beiden zu der Uhr führen soll. Die Suche führt Cleo nicht nur durch das wiedervereinte Berlin, sondern zu sich selbst.

“Bunt, vielfältig, aber auch melancholisch”

Ihr Leben zwängte sie bis dahin in ein Korsett von starren, biederen Regeln – und nach und nach fällt dieses Korsett von ihr ab.

Er wolle alle Gedanken aus 17 Jahren in dieser Stadt in einem Film zusammenfassen, sagte Schmitt der “Berliner Zeitung” über seinen Film. “Und der sollte bunt, vielfältig, aber auch tragisch und melancholisch sein – eben wie die Geschichte von Berlin selbst.”

Schmitt hatte also ganz schön viel vor mit dem Film – und ganz schön viel ist ihm damit auch gelungen.

Cleo erzählt nicht nur die Geschichte Berlins. An 70 verschiedenen Orten drehte Schmitts Team. ”Manche davon sind persönliche Lieblingsorte. Andere sind historisch interessant. Und andere Untergrundorte sind so einzigartig, dass wir dort unbedingt drehen wollten”, sagte Schmitt.

Cleo, ein modernes Märchen

Cleo ist auch ein modernes Märchen, das es so noch nicht im deutschen Film zu sehen gab. Ihr begegnet etwa der schwarz-weiße Albert Einstein als Geist der Vergangenheit, die Cleo über Jahre als Ratgeber zur Seite steht.

Märchenhaft sind auch die Figuren aus Fleisch und Blut, etwa die zwei Panzerknacker, die Cleo in einer Kellerbar für Schatzsucher trifft und ihr danach nicht mehr von der Seite weichen.

Dazu die Animations-Tricks, die Regisseur Schmitt schon in seinen Kurzfilmen verwendete: Als Cleo auf ihrem Sofa liegt, ziehen an ihrem Fenster Häuserreihen vorbei, als sitze sie in der S-Bahn. Ein Flugzeug am Himmel wird zu einem Spielzeug, das Cleo fängt.

Auf manche könnte das kitschig wirken, aber der Kitsch ist nicht nur liebenswürdig, sondern verzeihlich.

Denn im Kern – und das macht diesen Film so besonders – verhandelt er von Anfang bis Ende eine Frage, die den Zuschauer tief berührt: Wie sich der Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen bekämpfen lässt, ob selbst alle Macht und aller Zauber dem etwas entgegensetzen kann – oder es erfüllender sein kann, die Gegenwart zu akzeptieren.

(vw)