POLITIK
02/01/2018 21:09 CET | Aktualisiert 03/01/2018 12:50 CET

Kim Jong-un geht auf Südkorea zu - und verfolgt damit 3 Ziele

Doch auch Seoul will mehr als nur ein Treffen.

KCNA KCNA / Reuters
Kim Jong-un bei seiner Neujahrsansprache am Montag
  • Nordkoreas Diktator Kim Jong-un hat Südkorea eine Gesprächsvorschlag unterbreitet, Seoul hat prompt reagiert
  • Kommt es nun zu einem Tauwetter auf der koreanischen Halbinsel?

Inmitten des verschärften Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm gehen Süd- und Nordkorea wieder aufeinander zu. Einen Tag nach dem überraschenden Gesprächsangebot Nordkoreas schlug der südkoreanische Vereinigungsminister Cho Myong Gyon am Dienstag eine Zusammenkunft in der nächsten Woche im Grenzort Panmunjom vor.

Dass sich der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un nun vermeintlich öffnete, hat Kalkül. Denn laut Christoph Neidhart, Tokio-Korrespondent der “Süddeutschen Zeitung” (“SZ”), verfolgt der Diktator damit drei Ziele:

1. Kim brauche einen Ausweg aus der gegenwärtigen Krise, der es ihm erlaube, sein Gesicht zu wahren. So könnte er kommende Woche auf ein Zurückschrauben der Sanktionen oder die Anerkennung seines Landes als Atommacht drängen – um im Gegenzug eine Delegation zu den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang im Februar zu entsenden. 

Gelingt ihm das, könnte er dann die Spiele dazu nutzen, einen Keil zwischen Seoul und Washington zu treiben, wie Kommentatoren konservativer südkoreanischer Tageszeitungen wie der “Chosun Ilbo” warnten.

► 2. Da die internationale Staatengemeinschaft mittlerweile Nordkorea als ernsthafte Bedrohung der USA anerkannt hat, könnte Kim auf weitere Raketen- und Atomversuche verzichten.

Diese wären nicht nur teuer, sondern würden vor allem zunehmend tiefgreifenderes Wissen und modernere Geräte erfordern – wo Nordkorea laut Experten schwer herankommt.

3. Außerdem will Pjöngjang seinen südlichen Nachbarn nicht länger gegen sich aufbringen, glaubt Neidhart. “Auf lange Sicht braucht Nordkorea die Wirtschaftshilfe des Südens.”

Erstes Treffen seit zwei Jahren

Südkoreas Präsident Moon Jae In deutete am Dienstag an, dass eine Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen nicht von der Lösung des Atomstreits getrennt werden könne.

Südkorea stärkt wegen der Bedrohung durch nordkoreanische Atomraketen seine Raketenabwehr und organisiert regelmäßig gemeinsame Militärmanöver mit den USA – will diese aber wegen der Winterspiele aussetzen.

Trotz Kims abermalige Drohungen an die USA in der Neujahrsansprache, hatte Seoul zuvor das Gesprächsangebot begrüßt.

Moon wies das Außenministerium an, sich eng mit den Alliierten Südkoreas und der internationalen Gemeinschaft darüber abzustimmen, wie die Verbesserung des innerkoreanischen Verhältnisses und eine Beilegung des Atomstreits “zur gleichen Zeit” behandelt werden könnten.

Südkorea verlangt wie die USA von Nordkorea einen überprüfbaren Abbau des Atomprogramms. Moon äußerte seine Hoffnung, dass die Olympischen Spiele eine bahnbrechende Gelegenheit bieten könnten, “die Beziehungen zu verbessern und Frieden zu schaffen”.

Moon hatte Nordkorea im vergangenen Juli Militärgespräche über Schritte zur Entspannungen und ein Treffen der Rot-Kreuz-Verbände beider Länder über humanitäre Fragen vorgeschlagen. Pjöngjang war damals aber nicht darauf eingegangen – das scheint nun anders zu sein.

(Mit Material der dpa)

(jg)