LIFESTYLE
27/02/2018 12:49 CET | Aktualisiert 27/02/2018 14:09 CET

Kellner packen aus: Das sollten Gäste wissen, bevor sie Essen gehen

"Ich bin schließlich kein Hund."

  • Oft beschweren sich Gäste über Kellner – dabei können sie vieles anders machen, um besseren Service zu erhalten
  • Drei Kellner haben der HuffPost verraten, worauf Kunden achten sollten
  • Im Video oben richtet HuffPost Autorin Marika Bruschek eine Nachricht an Gäste, die ihr fünf Cent Trinkgeld geben

Wenn ihr ein Restaurant besucht, wird eure Bedienung zu eurem wichtigsten Helfer. Sie wird zu eurem Boten, der euch hilft, Essen, Trinken oder was auch immer ihr sonst braucht, zu bekommen.

Und um ehrlich zu sein: Ihr könntet wahrscheinlich viel mehr tun, um ihnen zu zeigen, dass ihr deren Hilfe wertschätzt.

Wir haben uns mit drei Kellnern unterhalten, um herauszufinden was die größten Ärgernisse im Verhalten der Kunden sind. Welche Tipps sie für Gäste haben, die sich besonders viel Mühe geben wollen und was sie sich wünschen, das Gäste über ihren Job wissen würden.

Kellner ignorieren euch nicht einfach – sie sind einfach nur beschäftigt

Natürlich ist es ärgerlich, wenn eine Mahlzeit oder ein Getränk einmal verspätet am Tisch ankommt. Aber das ist noch lange keine Entschuldigung dafür, sich gegenüber den Kellnern unfreundlich zu verhalten.

Auch wenn es einmal stressig ist, sollte man nicht immer wieder versuchen, die Aufmerksamkeit der Kellner auf sich zu lenken.

“Wenn ich gerade an einem anderen Tisch bin und mich um andere Gäste kümmere, muss man mich wirklich nicht anschreien,” sagt Olivia Sehl, die bereits seit über fünf Jahren als Kellnerin arbeitet.

Sehl, die mittlerweile Vertriebsleiterin von “The Chef and the Dish” ist, einer privaten Kochschule via Skype, erzählte der HuffPost, dass es sie am meisten stört, wenn Gäste mit den Fingern schnippen, um wahrgenommen zu werden. 

Ich bin schließlich kein Hund″, sagt sie.

“Es ist wie eine Broadway-Show”

Hamdy Elamrously ist seit 35 Jahren Kellnerin und arbeitet im Moment für ein Steakhouse in New York. Er ist außerdem Mitglied der Organisation Unite Here Local 100, die sich für Kellner in Restaurants, Bars, Flughäfen und ähnlichen Orten einsetzt. Auch er erklärt, wie stressig es manchmal werden kann. 

► “Es ist wie eine Broadway-Show. Jeden Tag und jeden Abend gibt es ein neues Drehbuch,” sagt Hamdy Elamrousy.

Damit im Hinterkopf solltet ihr immer etwas Geduld mitbringen und daran denken: Die Kellner sind meist auf eurer Seite und möchten euch dabei helfen, einen guten Abend zu genießen.

Habt keine Angst, zu sagen, was ihr gerne haben möchtet

D’Andrea Garner hat bereits in verschiedenen Restaurantketten in Amerika und in einem Restaurant in Disney World gearbeitet. Sie erklärte der HuffPost, dass ihr bewusst sei, dass nicht jeder aufgeschlossen ist, aber es trotzdem essentiell sei, mit dem Kellner zu kommunizieren.

“Falls ich dir ein Steak serviere, das zu durchgebraten ist, dann teile mir das bitte mit, damit ich mich darum kümmern kann,” sagt sie. “Ich verstehe natürlich, dass es manche Menschen nicht mögen, etwas anzusprechen oder gar zu stören (ich bin da ähnlich). Aber wir möchten, dass unsere Kunden eine gute Zeit haben.”

”Wenn die allerdings nichts sagen und frustriert nach Hause gehen, um uns dann eine schlechte Bewertung schreiben, ist niemandem geholfen. Das lässt nur uns schlecht aussehen.”

Macht euch davor schon Gedanken

Außerdem schlägt sie vor, dass es ungemein helfen würde, wenn sich Gäste bereits im Voraus Gedanken darüber machen könnten, was sie bestellen und wonach sie gerne fragen möchten (Besteck, Servietten, etc.). Dadurch wäre ein schnellerer Service möglich.

Wenn ihr euren Kellnern noch auf eine andere Weise helfen möchtet, könntet ihr anbieten, beim Räumen der Tische zu helfen. 

► “Etwas, das bei mir große Pluspunkte sammelt, ist, wenn ihr etwas mithelft, den Tisch aufzuräumen”, sagt Sehl der HuffPost.

“Ich erwarte nicht, dass ihr meine Arbeit erledigt, wirklich nicht. Aber wenn ich ein Glas von der anderen Seite des Tisches nehmen möchte und mir dabei jemand helfen könnte, dann wäre das groß. Ich will mich ja auch nicht biegen und beugen und direkt vor euren Gesichtern herumhantieren.”

Wie gibt man richtig Trinkgeld? 

Auf jede inspirierende Geschichte davon, wie ein Kellner ein überaus großzügiges Trinkgeld erhalten hat, folgen stets viele mehr, in denen Kellner für ihren Service komplett ignoriert wurden. 

“Versteht mich nicht falsch, wenn jemand einen schlechten Service erfahren hat, dann solltet ihr natürlich dementsprechend euer Trinkgeld vergeben. Aber gar kein Trinkgeld zu geben, ist einfach inakzeptabel,” erklärt Garner, die dazu sagt, dass es oft vorkam, dass sie kein anständiges Trinkgeld erhalten habe. 

Mehr zum Thema: An die Leute, die mir fünf Cent Trinkgeld geben

Sehl merkte außerdem an, dass Kunden, die Gutscheine verwenden oder ein besonderes Angebot nutzen, daran denken sollen, dass Kellner trotzdem ihren vollen Service leisten. Dementsprechend sollte auch das Trinkgeld diesem angepasst werden.

Denkt daran, dass auch Kellner nur Menschen sind und Fehler machen können 

Manchmal wird euer Restaurantbesuch nicht genau so verlaufen, wie ihr euch das vorstellt – aber das ist auch okay. Kellner machen Fehler, so wie jeder andere auch.

“Am Ende des Tages macht diese Person auch nur seinen Job und man muss dafür etwas Verständnis zeigen,” sagt Sehl weiter. “Ich sage ja auch gar nicht, dass jede Bedienung da draußen gut ist. Für diejenigen unter uns, die ihr Bestes geben, wäre es nett, dass die Gäste das auch anerkennen.” 

Als wir sie gefragt haben, ob Elamrousy noch Tipps für andere Bedienungen habe, teilte sie Wissen, das auch für Kunden nützlich sein kann.

Jeder soll einmal in seinem Leben kellnern

“Behandle Menschen so, wie du von anderen Menschen behandelt werden möchtest,” sagt er. “Selbst, wenn sie unfreundlich sind, behandelt sie, wie ihr behandelt werden möchtet. Werdet nicht wütend.”

Garner sagt, der Job des Kellners habe ihr einige der unattraktivsten Eigenschaften von Menschen gezeigt.

► Aber alles in allem, habe sie viel gelernt.

“Das Leben als Bedienung ist vielleicht nicht das glamouröseste, aber es ist eine Existenz!”, sagt sie. “Man trifft so viele Menschen mit verschiedenen Hintergründen und Kulturen und das ist schön. Ich denke, dass jeder einmal in seinem Leben in einem Restaurant arbeiten sollte, um Menschen besser zu verstehen und etwas Mitgefühl zu entwickeln.

Dieser Artikel ist ursprünglich bei der HuffPost US erschienen und wurde von Jessica Ruhstorfer aus dem Englischen übersetzt.