POLITIK
20/02/2018 18:58 CET

Keine Worte für das Grauen in Syrien: Unicef veröffentlicht leere Pressemitteilung

In der syrischen Region Ost-Ghuta kamen innerhalb von zwei Tagen fast 200 Menschen um.

Bassam Khabieh / Reuters
In der Region Ghouta tobt der syrische Bürgerkrieg seit Jahren so schlimm wie kaum an einem anderen Ort. Das Bild zeigt die Hand eines getöteten Kindes im Oktober 2016.
  • Unicef hat zum Krieg in Syrien eine Mitteilung veröffentlicht
  • Sie enthält kaum ein Wort  – und entfaltet dadurch ihre Wucht

Die Leute vom UN-Kinderhilfswerk Unicef haben normalerweise viel zu dem zu sagen, was der Krieg, die Befehlshaber und die Kämpfer den Kindern in Syrien antun.

Sie mahnen, warnen, prangern an. Erzählen in drastischen Worten von Hunger, von Verletzungen, die nie mehr heilen, von Toten, von Kindern als menschlichen Schutzschilden.

Zuletzt sprachen sie von einer “verlorenen Generation”.

Ein schrecklich weißes Blatt

Diesen wortgewaltigen Menschen sind nun die Worte für das Grauen ausgegangen. Am Dienstag veröffentlichte Unicef-Regionaldirektor Geert Cappelaere eine Mitteilung zu der Situation in der Region Ost-Ghuta bei Damaskus, die nur einen Satz enthält:

“Keine Worte werden den getöteten Kindern, ihren Müttern, ihren Vätern und ihren Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren lassen.”

Danach bleibt das Blatt leer. 

Lediglich eine Fußnote findet sich noch: “Uns fehlen die Worte, um das Leiden der Kinder und unsere Empörung zu beschreiben. Haben die, die das Leiden verursachen, noch Worte, um ihre barbarischen Taten zu rechtfertigen?”

Die Fakten:

► Ost-Ghuta, wo in verschiedenen Orten noch etwa 400.000 Menschen leben, gehört zu den letzten von Rebellen kontrollierten Gebieten, islamistische Milizen haben dort das Sagen.

► Das Gebiet ist Schauplatz der bestialischsten Attacken. 2013 starben Hunderte Menschen bei einem Angriff mit Saringas. Dieses Jahr folgte laut der investigativen Internetplattform Bellingcat ein Angriff mit Chlorgas.

► Beim jüngsten Angriff von Regierungstruppen starben laut Aktivisten in nur zwei Tagen fast 200 Menschen. Fünf Krankenhäuser sollen gezielt bombardiert worden sein.

Mit Material von dpa

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(ll)