BLOG
04/05/2018 16:20 CEST | Aktualisiert 04/05/2018 17:31 CEST

Warum sind Menschen mit Behinderung nicht öfter in Filmen zu sehen?

Keine einfache Frage.

Lucy Nicholson / Reuters

Stars und Sternchen tummelten sich letztes Wochenende zur Verleihung des diesjährigen Deutschen Filmpreises in Berlin. Regisseure und Schauspieler beantworten Mal wieder vorhersehbare Frage, deren Antworten fast schon auswendig klangen. „Das Team war großartig, es war eine einmalige Erfahrung, bitte keine Fragen zum Privatleben.” Mitten drin war ich. Als einzige Rollstuhlfahrerin fiel ich mindestens genauso sehr auf, wie die funkelnden und glänzenden Garderoben der Schauspieler.

“Hauptsache politisch korrekt“

Der Fokus lag dieses Jahr stark auf die jetzige Politik und den Kampf gegen Rassismus. Die Themen „Me too“, Flüchtlinge und Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau wurden oft erwähnt. Frei nach dem Motto: „Hauptsache alles politisch korrekt benennen.“ Aber nicht ein Wort darüber, dass Menschen mit Behinderung auch zu unserem Gesellschaftsbild gehören. Ich wollte die Chance nutzen, um auf dem roten Teppich genau diese Frage zu stellen. „Warum sieht man Menschen mit Behinderung nicht so oft in Filmen?“

Keine einfache Frage

Zugegeben, dies ist keine einfache Frage, die man auf dem roten Teppich simpel beantworten kann, dennoch habe ich einige Stars damit konfrontiert. Es sei schwierig, weil man nicht genau weiß, wie man damit umgehen soll und niemanden damit verletzten möchte. Daher soll es etwas kompliziert sein, Menschen mit Behinderung in der Filmbranche zu integrieren. So haben fast alle geantwortet, die ich gefragt habe.

Fahri Yardim zu Thema Menschen mit Behinderung in Filmen und im Fernsehen

Nur Fahri Yardim nahm sich für meine Frage etwas mehr Zeit, als seine anderen Kollegen und sagte: „Menschen mit Behinderung gehören natürlich genauso dazu. Auch wenn sie selten in Filmen zu sehen sind. Es gibt gute Beispiele, wo das gepasst hat und diese Filme auch ziemlich erfolgreich waren. Da muss definitiv mehr passieren.“ Ich kannte Fahri aus der Serie „Jerks“. Bei der Gelegenheit lobte ich ihn für die herrlich, politisch unkorrekten Szenen, in den Menschen mit Behinderung involviert waren. Er reagierte sichtlich erleichtert und bedankte sich sogar, da er meinte, dass genau diese Szenen sehr kritisiert wurden.

Verantwortung der Filmbranche

Die Filmindustrie repräsentiert verschiedene Gesellschaftsbilder und schenken den Zuschauern dabei neue Eindrücke. Als Massenmedium zur Information und zur Bewusstseinsbildung, trägt die Filmbrache eine große Verantwortung. Deshalb ist es umso wichtiger, dass man nicht nur die reichen und schönen repräsentiert, sondern auch die Menschen, die vielleicht nur am Rand der Gesellschaft existieren oder vielleicht gar nicht als Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden.

Es war eine sehr spannende und interessante Erfahrung. Ob sich nun in der Filmindustrie etwas verändern wird oder nicht, kann ich nicht wissen. Aber zumindest wurde meine Frage an diesem Abend nicht unter den roten Teppich gekehrt.