NACHRICHTEN
28/08/2018 19:18 CEST

Kein "Brennpunkt" zu Chemnitz-Krawallen: Zuschauer machen ARD Vorwürfe

Gab es wirklich kein "besonders großes Informationsbedürfnis“?

  • In den vergangenen Tagen kam es in Chemnitz zu mehreren Ausschreitungen, bei denen Rechte die Stadt an den Rand des Chaos brachten.
  • Die ARD entschied sich trotz der Vorkommnisse gegen eine “Brennpunkt”-Sendung. 
  • Im Video oben erklärt der Sender warum. 

In Chemnitz haben sich gestern tausende zu einer Kundgebung versammelt und die Stadt an den Rand des Chaos gestürzt. 

Viele traten gewaltbereit auf, zündeten Feuerwerkskörper, riefen “Kanaken raus” und andere rassistische und rechtsradikale Parolen. Einzelne zeigten den Hitlergruß. Die HuffPost war vor Ort und berichtete.

Für die ARD war die Lage aber offenbar kein Grund einen “Brennpunkt” zu senden. Eine Programmentscheidung, die verwundern mag

Denn: Die ARD zeigte in diesem Jahr bereits ganze elf “Brennpunkte“ – einen zuletzt sogar zum besonders heißen Sommer.

Mehr zum Thema: Hitzewelle im “Brennpunkt”: ARD-Zuschauer sind wütend auf Sender

Die Ausschreitungen in Chemnitz aber reichte der ARD offenbar nicht für eine Sondersendung. Auf Twitter fragten viele Zuschauer beim Sender nach, warum.

Eine fragwürdige Antwort

Die Antwort der ARD überzeugte längst nicht alle Zuschauer. Auf Twitter lies der Sender verlauten: “Ein ‚Brennpunkt‘ kommt zum Einsatz, wenn an einem aktuellen Thema ein besonders großes Informationsbedürfnis besteht, das im Rahmen der Berichterstattung in den Regelinformationssendungen nicht ausreichend erfüllt werden kann.“

Im Umkehrschluss bedeutet dies wohl, dass die Ausschreitungen von Chemnitz kein Thema sind, zu dem ein “besonders großes Informationsbedürfnis“ besteht.

Viele Twitter-Nutzer reagierten auf das Statement mit Empörung Unverständnis. Eine Nutzerin schrieb: “Sie machen einen Brennpunkt zur WM und zu 30 Grad im Sommer? Aber wenn die Demokratie und Rechtsstaat den Bach runterzugehen drohen, dann interessiert das nicht genug Leute?!“

Es gab dieses Jahr zwar keinen „“Brennpunkt“ zur WM, wohl aber in den Jahren zuvor zahlreiche Sondersendungen zu Ereignissen rund um die Fußballnationalmannschaft. 

Sicherheit – nur in deutschen Stadien?

Andere Nutzer fragen sich ebenfalls, welche Kriterien ein Ereignis erfüllen muss, um eines eigenen “Brennpunktes” würdig zu sein. Ein Nutzer führt das Beispiel auf, als die ARD im Jahr 2012 einen Brennpunkt über das Thema Sicherheit in Deutschen Stadien sendete. 

Und was ist mit der Sicherheit auf deutschen Straßen, mag manch einer da fragen. Schließlich betrifft diese wesentlich mehr Menschen.

Immerhin hat die ARD mittlerweile auf der Internetseite des “Brennpunkts” ein kurzes Video zu den Vorfällen in Chemnitz veröffentlicht, das aber bislang offenbar noch nicht im Fernsehen gezeigt wurde.

(lp)