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14/05/2018 08:38 CEST | Aktualisiert 14/05/2018 08:38 CEST

Kein Arbeitsplatz, kein Geld, kein Recht

ullstein bild via Getty Images

Das uneingeschränkte Grundeinkommen muss kommen

Wir wollen unseren Kindern eine Zukunft bieten – und brennen ihnen diese derzeit nieder. Ob mit Umweltverschmutzung, Kriegen oder der Ressourcenplünderung, die Welt wird für unsere Kinder und Enkel eine andere als für uns sein. Wir stehen der Industrialisierung 4.0 gegenüber, der zig Millionen Arbeitsplätze zum Opfer fallen werden. Musste man einst ein Haus aus einzelnen Steinen bauen, so werden heute Fertig- und Leichtbauteile zusammen gekittet. Auch das ist bald vorüber, künftige Häuser kommen aus 3D Druckern, die mit gemahlenem Bauschutt Häuser aus der Tube drücken.

Es wird das Gleiche noch einmal passieren, was bereits mit der Mechanisierung der Landwirtschaft passierte: Ein sehr großer Teil der sicheren Arbeitsplätze fällt weg. Mit der Industrialisierung gepaart mit der konsumierenden Wegwerfgesellschaft wurden diese Arbeitnehmer aufgefangen, bis auch das nicht mehr reichte. Eine Dienstleistungsgesellschaft wurde geschaffen, Marx würde heute nicht mehr von Arbeitern, sondern Dienstleistern oder Lohnabhängigen sprechen. Arbeiten tun schon lange die Maschinen, ob auf dem Feld oder in der Werkhalle.

Mit der Industrialisierung 4.0 wird uns die nächste Welle frei werdender Arbeitsplätze überrollen – wie viel Bürokratie und Dienstleister brauchen wir noch, um all diese Lohnabhängigen aufzufangen? Und wie soll man sie noch auffangen, wenn es die Computer und Maschinen sind, die nun die Bürokratie und Dienstleistungen erledigen?

“Wir müssen nur alle wollen, dann schaffen wir das schon”

Nicht nur hier in Deutschland leben wir in einer Leistungsgesellschaft, in der ein guter Job zum guten Leben dazu gehört. Viele mit gutem Job erklären, dass man nur wollen muss, dann klappt das auch – bis es sie dann selbst trifft und es nicht mehr klappt. Es sind diese einfachen Stammstischlösungen derer, die sich Kneipenbesuche noch leisten können, die bei immer mehr Menschen weit an der Realität vorbei gehen. Der Sozialstaat wird dahin gekürzt, viele Aufgaben oder Unternehmen aus öffentlicher in private Hand gegeben und als nächstes fliegen uns die Rentenkassen um die Ohren – spätestens, wenn der Euro, der US Dollar oder die Weltwirtschaft dahin brechen. Vermutlich bricht eines und damit gleich der ganze Rest.

Warum ist das so? Unternehmen erzeugen Waren oder Dienstleistungen – und wollen diese nur gegen Bezahlung erbringen. Damit sie ihre Aktionäre halten, müssen sie Gewinne steigern und Dividenden ausschütten. Sie ersetzen Arbeitnehmer gegen Maschinen sowie Computer und kürzen den noch verbleibenden Arbeitnehmern über Maßnahmen wie Leiharbeit die Löhne. Muss der Staat wieder Banken retten, greift dieser ebenfalls den Bürgern, nicht den Unternehmen, in die Taschen. Woher soll die Kaufkraft denn kommen, die unsere Wirtschaft am laufen hält? Mario Draghi bläst auch nur seine EZB Anleihenkäufe auf, bis diese platzen.

“Uns in Deutschland geht es noch gut, da wir fleißig arbeiten, woanders sitzen sie schon auf der Straße.” Richtig, wir in Deutschland produzieren mehr, als wir selber brauchen und exportieren. Doch von welchem Geld sollen andere Länder importieren, wenn sie nicht in gleicher Weise selber exportieren? Unsere Wirtschaft drückt andere Länder nieder, bis diese zusammen brechen müssen. Und nur als kleine vorweg genommene Schlusspointe: Die kaufen bei uns ums Eck auf Pump.

Jedem sein Sockel und Arbeit lohnt sich trotzdem

Fakt ist, dass unsere Wirtschaft weiterhin Arbeitskräfte weg rationalisiert und damit auch weniger Löhne zahlen muss, womit beim Bürger die Kaufkraft sinkt, womit die Unternehmen weniger oder keinen Gewinn machen. Es ist eine Abwärtsspirale, da jedes Unternehmen mit ziehen muss, um gegen die Konkurrenz noch bestehen zu können. Was wäre denn, wenn den Bürgern anstelle von Hartz IV oder Sozialhilfe einfach ein bedingungsloses Grundeinkommen gezahlt wird? Es wäre ein Sockel, der einem Menschen, der etwas mit Geld umgehen kann, ein bescheidenes Leben ermöglicht. Es wäre genug, um Wohnen, sich kleiden, essen und ein klein wenig konsumieren zu können. Genau das wäre aber den meisten viel zu wenig, die immerhin ein Auto, eine schicke Wohnung, tolle Klamotten und Partys sowie Urlaub wollen.

Dieser Großteil der Bürger hat also trotz Sockel einen starken Anreiz, eine Ausbildung zu machen und Arbeiten zu gehen. Wenn der Sockel beispielsweise 10.000 Euro im Jahr beträgt und jemand eigentlich 50.000 Euro für seinen Job erhalten würde, dann würde der Arbeitgeber letztendlich nur noch 40.000 Euro zahlen. Ein schlechter Job, der sonst 15.000 Euro bringt, würde aber gewiss nicht mit 5.000, sondern mit 10.000 entlohnt werden. Die Löhne würden sich neu finden, womit auch unbequeme Arbeit erledigt wird.

Weiterhin könnte jemand sagen, dass er die Qualifikationen hat, aber nicht viel Geld braucht. Er hätte die 10.000 Euro und macht noch eine Viertelstelle, um auf 15.000 Euro zu kommen, womit er ohne Verzicht leben kann. Damit würden aus einem Vollzeitjob vier Minijobs werden, von denen jedoch vier Menschen würdig leben können.

Jeder hat seinen Sockel und jede geleistete Arbeitsstunde kommt obenauf. Arbeit lohnt sich und wird genau wie die Erzeugnisse dieser Arbeit einfach besser verteilt. Als zweiten Schritt kann mit arbeitswilligen Menschen, die dank ihres Sockels auch für kleines Geld sinnvolle Arbeit annehmen, ökologischer und nachhaltiger gewirtschaftet werden.

Wir können dank Sockel auf Kriege verzichten, da die Menschen nicht mehr die Not haben, um in den Kampf zu ziehen, wir würden über Probleme verhandeln.

Es kommt auf den Anfang an

Der Wandel von unserem Leistungsdenken auf ein Sockelsystem, mit dem jeder allein für sein Dasein Geld auf sein Konto erhält, wird Jahre dauern. Die genaue Umsetzung kann nicht sinnvoll geplant werden, es kommt auf den Anfang an. Man muss nicht mit 10.000 Euro pro Jahr und Kopf anfangen, es würde reichen, wenn jeder Bürger jeden Monat erst einmal 100 Euro bedingungslos auf sein Konto erhält. Schon würden die Unternehmen bei nachgefragten Jobs die kommenden Lohnerhöhungen weg diskutieren. Sie müssten nur dort die Löhne anziehen, wo die Arbeit sonst keiner machen würde.

Alle paar Jahre wird der Staat jedem Bürger mehr Geld bedingungslos überweisen. Die Wirtschaft passt sich von ganz alleine an. Auch der Gesetzgeber kann wie eh und je seine Gesetze anpassen. Die Transformation von „Kein Arbeitsplatz, kein Geld, kein Recht“ zu einem Sockelsystem verläuft fließend und damit störungsfreier. Würde man auf dem Weg dahin Probleme haben, wie vorsätzliche Großfamilienbildung, dann reagiert das System angemessen darauf. Aber diese Probleme werden nicht wie ein Schlag nieder gehen, sondern mit dem langsamen Fließen früh genug erkennbar sein.

Sollten nicht Kriege und Katastrophen alles zunichte machen, dann wird die Menschheit ihre Arbeitszeit weiterhin durch Computer und Maschinen weg rationalisieren. Eine Computer- und Maschinensteuer kann den Sockel finanzieren. Denn ohne Konsumenten können auch Computer und Maschinen keinen Umsatz generieren – die Kaufkraft muss dem einfachen Bürger zurück gegeben werden.