WIRTSCHAFT
23/12/2018 15:57 CET

"Katastrophenveranstaltung": Eigener Aufsichtsrat schießt gegen die Deutsche Bahn

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dpa
Ein Mann geht im Berliner Hauptbahnhof an einem ICE entlang.

► Viele Verspätungen, technische Probleme und zu wenig Geld: Angesichts zahlreicher Baustellen bei der Deutschen Bahn gerät das Management des Staatskonzerns stärker in die Schusslinie – auch aus den eigenen Reihen.

“Das ist hier inzwischen eine einzige Katastrophenveranstaltung”, schimpfte Bahn-Aufsichtsrat Klaus-Dieter Hommel, der auch Vizechef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist.

► Hommel sagte der “Welt am Sonntag” (“Wams”) weiter: “Wenn die Deutsche Bahn ein Autohersteller wäre, wären die Lenkräder hinten montiert und die Räder oben.”

 ► Der Vize-Aufsichtsratsvorsitzende und EVG-Chef Alexander Kirchner warnte vor wachsendem Frust unter den Mitarbeitern. “Nicht wenige denken: Es wird eh nicht besser. Viele Kollegen haben die Hoffnung verloren”, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Was hinter den Attacken aus dem Aufsichtsrat gegen die Deutsche Bahn steckt:

Bahnchef Richard Lutz und Netzvorstand Ronald Pofalla müssen laut “Wams” am 15. Januar im Bundesverkehrsministerium Eckpunkte für Maßnahmen zur Verbesserung der Lage vorstellen, um diese dann dem Aufsichtsrat vorzulegen.

“Ich erwarte vom Vorstand, dass er nachvollziehbar erklärt, wie der finanzielle Mehrbedarf gedeckt werden soll”, sagte Aufsichtsratschef Michael Odenwald der Zeitung. Die Bahn will nach früheren Aussagen aus eigenen Mitteln in den kommenden fünf Jahren fünf Milliarden Euro zusätzlich in Züge und Schienennetz investieren. Vier Milliarden Euro davon sind noch nicht finanziert, wie in Kreisen des Kontrollgremiums zu hören war.

Der Bund sitzt als Eigentümer auch mit Vertretern im Aufsichtsrat und kontrolliert somit das Management.

Was die Politik zur Misere bei der Bahn sagt:

Zuletzt hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angemahnt, die Qualität beim Bahnfahren müsse schnellstens wieder steigen. “Das ist eine riesige Aufgabenstellung für die Spitze der Bahn”, betonte Scheuer.

Bei der Linken im Bundestag wird der Ruf nach einer Wiederverstaatlichung laut. Die Bahn ist seit 1994 eine Aktiengesellschaft, die Aktien gehören alle dem Bund. “Niemand kann uns erzählen, dass die Bahn als staatliche Behörde schlechter als jetzt laufen würde”,schrieb der Parlamentarische Geschäftsführer Jan Korte in einem Vorschlag an seine Fraktion.

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Marco Buschmann, wies die Forderung als “grotesk” zurück. “Ursache für die Probleme sind schlechtes Management und unzureichende Aufsicht. Deshalb sind jetzt Verkehrsminister Scheuer und der Vorstand gefordert und keine Rezepte aus der Mottenkiste”, sagte er am Sonntag.

Gewerkschaftschef Kirchner gab nicht nur dem aktuellen Vorstand und dessen Vorgängern die Schuld an der schwierigen Lage: “Auch die Politik ist verantwortlich für den desolaten Zustand, den wir jetzt haben: Sie hat es über Jahre versäumt, die notwendigen Mittel für die Modernisierung der Infrastruktur bereitzustellen.”