WIRTSCHAFT
16/03/2018 16:27 CET | Aktualisiert 16/03/2018 19:44 CET

Karlsruhe: Frau bekommt 1000 Euro Grundeinkommen – das macht sie damit

Sie hat einen guten Nutzen für das Geld gefunden.

  • Eine Karlsruherin hat ein Jahr ein Grundeinkommen von 1000 Euro bekommen
  • Dadurch konnte sie weiter studieren, Urlaub mit ihren Kindern machen – und eine Weiterbildung zur Geburtshelferin finanzieren
  • Im Video oben: Das sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Grundeinkommen

Die einen halten das bedingungslose Grundeinkommen für die Antwort, die soziale Schieflage des Landes in den Griff zu bekommen. Die anderen halten es für ein gefährliches Experiment, dass Menschen den Antrieb raubt und die Staatskassen leert.

Flächendeckend wurde das Grundeinkommen noch immer nicht getestet. Der Verein “Mein Grundeinkommen” aus Berlin versucht, zumindest in kleinem Rahmen herauszufinden, wie sich eine fixe monatliche Finanzspritze auf den Alltag der Menschen auswirkt.

Dafür hat der Verein per Crowdfunding Geld eingesammelt und 150 Grundeinkommen für den Zeitraum von einem Jahr verlost.

Eine der Gewinnerinnen: Sissi aus Kalrsruhe. Die Mutter von vier Kindern hat ein Jahr lang das Grundeinkommen bezogen und berichtet nun im Gespräch mit der lokalen Nachrichtenseite “Ka-News” von ihren Erfahrungen.

“Ich konnte weiter studieren”

Sissi arbeitet als Hotelmanagerin, studiert nebenbei im Master Geoökologie. Ein Spagat, der ohne das Grundeinkommen wohl kaum möglich gewesen wäre.

“Ich konnte weiter studieren, wir konnten uns für unser jüngstes Kind eine Tagesmutter leisten. Und Emma hat sich erst einmal ihr Kinderzimmer komplett neu eingerichtet. Sie durfte sich alles selbst aussuchen”, sagte die Frau der Nachrichtenseite.

Das Grundeinkommen sei für sie also eine Art “Familiengeld” gewesen, erklärt die Mutter. Endlich hätten sich die Karlsruher auch Urlaub oder Ausflüge leisten können. Sissi sagt: “Das war mit nur einem Einkommen und meinem Bafög sonst einfach nicht drin.”

“Ich denke, dass damit etwas Positives passiert”

Sie glaubt, es gehe dabei um mehr als um Vergnügen.

So seien ihre Kinder gut betreut, sie könne ihr Studium beenden und nebenbei auch noch eine Weiterbildung zur Geburtshelferin machen.

Sissis Beispiel deutet an: Die Gesellschaft kann vom Grundeinkommen durchaus profitieren.

Die Mutter sagt: “Ich kann etwas bewegen. Ich denke, alle bisherigen Gewinner haben etwas gemacht und es ist damit etwas Positives passiert.”

Finnland testet das Grundeinkommen

Auch in Finnland testen derweil über 2000 Menschen das bedingungslose Grundeinkommen. Das Zwischenfazit des Tests:

Das Grundeinkommen macht die Menschen nicht faul und genügsam. Ganz im Gegenteil.

Die Teilnehmer berichten davon, dass sie mehr Lust haben, einen Arbeitsplatz zu suchen und mehr Zeit zu finden, um Geschäftsideen zu verfolgen, wie der britische “Independent” berichtet.

➨ Mehr zum Thema: Das bedingungslose Grundeinkommen gibt Menschen die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung

Auch haben sich zahlreiche Teilnehmer bei der Leiterin des Projekts gemeldet und ihr gesagt, dass sie viel weniger gestresst seien als früher, wie das “Handelsblatt” berichtet.

Merkel wehrt sich

Auf Bundesebene ist so bald jedoch nicht mit Grundeinkommens-Experimenten zu rechnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erteilte der Idee zuletzt eine Absage.

Dem Handelsblatt-Magazin “Unternehmer” sagte Merkel: “Das System eines bedingungslosen Grundeinkommens halte ich für keine gute Idee.” Denn der Sozialstaat solle nur da helfen, wo Not besteht.

Der Grünen Abgeordnete Wolfgang Strengmann-Kuhn sagte der HuffPost zuletzt, er halte etwaige Bedenken für unangebracht. Der Wirtschaftswissenschaftler hält das Grundeinkommen für finanzierbar. 

Er plädiert für größer angelegte Tests.

(jg)