ENTERTAINMENT
17/04/2018 08:34 CEST

Mode-Ikone Karl Lagerfeld löst mit Aussage zu #metoo Empörung aus

"Wenn du nicht willst, dass dir jemand die Hose herunterzieht, dann werde kein Model."

VALERY HACHE via Getty Images
Trägt geistig öfter Jogging-Anzug: Karl Lagerfeld.
  • Mode-Schöpfer Karl Lagerfeld hat sich in einem Interview über die metoo-Debatte geäußert
  • Seine Aussagen bringen ihm nun herbe Kritik ein

Mode-Ikone Karl Lagerfeld ist in der Vergangenheit mit vielen seiner Aussagen angeeckt. Der Satz “Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren” ist da nur ein Beispiel.

Der Modeschöpfer selbst tritt stets in feiner Kleidung auf, verliert allerdings immer öfter die Kontrolle darüber, welche Folgen seine Sprüche in Interviews nach sich ziehen.

Das aktuellste Beispiel findet sich im Pariser Mode-Magazin “Numéro”. Darin spricht Lagerfeld über die #metoo-Debatte und leistet sich eine verbale Entgleisung.

Lagerfeld hat die Nase voll von #metoo

Was er über die Diskussion zu sexueller Gewalt in der Gesellschaft denke, wird der Mode-Schöpfer gefragt. Seine Antwort: “Ich habe die Nase voll.”

Zwar könne er den Produzenten Harvey Weinstein, der mehrere Frauen sexuell belästigt oder vergewaltigt haben soll, nicht ausstehen.

Aber: “Was mich am meisten schockiert, sind die Sternchen, die 20 Jahre gebraucht haben, um sich zu erinnern, was passiert ist. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es keine Zeugen gibt.”

So weit ein gängiges Argument der Gegner der #metoo-Debatte. “Wenn nur eine Anklägerin unerkannt und aus dem Off spricht und ihre Behauptung zugleich das Urteil ist, gegen das es keine Berufung gibt, wird die Wahrheitsfrage unerheblich”, hatte erst kürzlich “Zeit”-Autor Jens Jessen in einem viel beachteten und kontrovers diskutierten Artikel der Wochenzeitung geklagt. 

Doch Lagerfeld war noch nicht am Ende mit seiner Kritik an #metoo – und verstieg sich im Interview mit “Numéro” alsbald zu einer abenteuerlichen Forderung.

Sollen sie doch ins Kloster gehen!

Er habe kürzlich gelesen, dass man Models nun fragen müsse, ob sie sich beim Posieren wohl fühlten.

“Das ist einfach zu viel, von jetzt an, als Designer, kann man nichts mehr tun”, schimpfte er. Mitgefühl war offenbar noch nie ein starker Wert in der Modebranche.

Dann kam Lagerfeld auf Vorwürfe gegen britischen Stylisten Karl Templer zu sprechen. Ein Model warf ihm kürzlich vor, ihn sexuell belästigt zu haben. Lagerfeld sagte dazu nur lakonisch: “Ich glaube kein Wort davon.”

“Ein Mädchen beschwerte sich, er habe versucht, ihr die Hose herunterzuziehen – und er wird sofort exkommuniziert von einer Branche, die ihn bis dahin verehrt hatte”, sagte Lagerfeld über Templer.

Dann folgten die kontroversesten Aussagen des ganzen Interviews: “Das ist unglaublich. Wenn du nicht willst, dass dir jemand die Hose herunterzieht, dann werde kein Model. Geh in ein Nonnenkloster (...).”

Das Interview erschien bereits am vergangenen Donnerstag, doch noch immer lösen die Aussagen von Lagerfeld in der Mode- und Unterhaltungsbranche Kritik, Kopfschütteln oder Empörung aus.

“Also, ich habe die Nase voll von alten Männern”

Das Model Chrissy Teigen twitterte: “Sicherlich gibt es noch etwas dazwischen, Karl!” Also einen Zustand zwischen einer Modebranche mit Belästigungen und einem abgeschiedenen Kloster.

Die Schauspielerin und Komikerin Whitney Cummings kommentierte: “Karl Lagerfeld hat die Nase voll von #metoo. Also ich habe die Nase voll von reichen, alten, arroganten, weißen Kerlen mit Pferdeschwänzen, die ihr Geld mit der Unsicherheit von Frauen verdienen.”

Die Schauspielerin Rose McGowan, eine der ersten Frauen, die über Weinstein ausgesagt hatte, schrieb auf Instagram, sie finde das Interview von Lagerfeld “ekelerregend”. Sie zeigte sich demonstrativ mit einer Nonne.

(lp)